Nachdem er im ersten Wahlgang noch knapp unterlegen war, schaffte Nordmann am Sonntag die Wende und entschied die Ersatzwahl im zweiten Wahlgang für sich. Der 53-Jährige erhielt 50,95 Prozent der Stimmen, 6538 mehr als sein Rivale, der 47,52 Prozent der Stimmen holte.

Die Wahlbeteiligung lag bei 41,7 Prozent. Sie war damit niedriger als noch im ersten Wahlgang (50,6 Prozent), der zeitgleich mit eidgenössischen Abstimmungen und Gemeindewahlen stattgefunden hatte.

Vorteil in den Städten ausgenutzt

Wie erwartet errang der Sozialdemokrat Nordmann seinen Sieg in den Städten. Insbesondere in seiner Heimatstadt Lausanne erzielte er mit einem Stimmenanteil von über 60 Prozent ein Spitzenresultat. Jean-François Thuillard dagegen holte die meisten Stimmen in den kleineren Gemeinden.

«Als die Ergebnisse aus Lausanne eintrafen, wusste ich, dass es klappen würde», sagte Nordmann. Um sich durchzusetzen, scheint der Sozialdemokrat auch von den Stimmen von Agathe Raboud Sidorenko profitiert zu haben, der Kandidatin des Linksbündnisses «Ensemble à gauche», die in der ersten Runde rund 18'000 Stimmen erhalten hatte, bevor sie sich aus dem Rennen zurückzog.

Respekt vor neuer Aufgabe

Nach über 20 Jahren als Nationalrat zieht Roger Nordmann damit zum ersten Mal in eine Exekutive ein. «Ich werde zwei Berufe gleichzeitig erlernen müssen, den des Staatsrats und den des Departementsvorstehers», sagte Nordmann, der das Departement für Gesundheit und Soziales (DSAS) übernehmen dürfte, das bisher von Rebecca Ruiz geleitet wurde. «Ich bin mir des Ausmasses der Aufgabe bewusst, die mich erwartet, vor allem bei einem so komplexen Departement.»

Mit Nordmanns Sieg am Sonntag behält die Linke ihre drei Sitze in der Kantonsregierung - mit Nordmann, Nuria Gorrite (SP) und Vassilis Venizelos (Grüne). Gegenüber den vier bürgerlichen Staatsräten bleibt sie allerdings in der Minderheit.

«Ich bin überzeugt, dass Roger Nordmann Teil der Erfolgsformel für den Kanton ist», sagte Romain Pilloud, Präsident der SP Waadt. Die Wahl müsse angesichts des knappen Ergebnisses und der Arbeit, die Nordmann erwarte, «mit Bescheidenheit» betrachtet werden.

SVP schaut bereits auf 2027

Jean-François Thuillard scheiterte derweil mit seinem Versuch, die SVP wieder in den Staatsrat zu bringen, wo sie seit 2011 und dem Tod von Jean-Claude Mermoud nicht mehr vertreten ist. Vor Thuillard waren auch Pierre-Yves Rapaz (2011), Claude-Alain Voiblet (2012), Jacques Nicolet (2017), Pascal Dessauges (2019) und Michaël Buffat (2022) gescheitert.

Der Landwirt aus Froideville war diesmal jedoch nicht weit davon entfernt. «Diese Niederlage ist keine Enttäuschung», sagte er und verwies auf sein Ergebnis im ersten Wahlgang, als er die symbolische Schwelle von 100'000 Stimmen überschritten hatte. Eine «schöne Überraschung» für «einen SVP-Politiker aus dem Gros-de-Vaud», welche «die Linke ins Wanken gebracht» habe, so Thuillard.

Laut dem Präsidenten der SVP Waadt, Sylvain Freymond, könnte die «Thuillard-Karte» 2027 erneut ausgespielt werden. Seiner Meinung nach lassen das gute Ergebnis seines Kandidaten sowie die Unterstützung der anderen Parteien der Alliance vaudoise (FDP, SVP, Mitte) darauf schliessen, dass «alle Zeichen auf Grün stehen» für das kommende Jahr.

(AWP)