Hintergrund des Rechtsstreits ist, dass, während Gofmann im Jahr 2022 Kommandeur einer Division der israelischen Armee war, ein Offizier mit Gofmans Wissen und Zustimmung, einem Soldaten sicherheitsrelevante Informationen zur Veröffentlichung auf einem Kanal bei Telegram lieferte. Der damals 17 Jahre alte Soldat wurde wegen der Veröffentlichung der sensiblen Informationen schliesslich angeklagt. Er war anderthalb Jahre in Haft und unter Hausarrest. Die Richter räumten nun Fehler Gofmans in dem Fall ein, sahen aber keine Verstösse gegen ethische Verhaltensstandards, die ihn für die Tätigkeit als Mossad-Chef disqualifizierten.

Kritiker: Loyalität zu Netanjahu Grund für Gofmans Ernennung

Unmut gibt es zudem auch, weil Gofman - anders als seine Vorgänger - nicht aus den Reihen des Mossad selbst stammt, sondern aus dem Militär sowie dem Büro Netanjahus. Der in Belarus geborene Gofman war zuletzt Netanjahus wichtigster militärischer Berater. Kritiker werfen ihm vor, er werde Mossad-Leiter nicht wegen seiner Erfahrungen, sondern aufgrund seiner Loyalität zu Netanjahu.

Bei einer Zeremonie zu seinem Dienstantritt sagte Netanjahu am Nachmittag, Gofmans Mission sei der Kampf des Mossad «gegen die Aggression Irans».

Offiziell heisst der Mossad «Institut für Aufklärung und besondere Aufgaben», er gilt als schlagkräftiger Geheimdienst. Dem Dienst werden spektakuläre Aktionen zugeschrieben, immer wieder gab es jedoch auch Kritik an seiner Vorgehensweise. Mossad-Agenten waren unter anderem an der Entführung des deutschen NS-Verbrechers Adolf Eichmann im Mai 1960 von Argentinien nach Israel beteiligt. Der Mossad geriet zudem mit einer Aktion in die Schlagzeilen, bei der im September 2024 die Pager und Handfunkgeräte tausender Funktionäre der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon explodierten. Dutzende wurden getötete, Tausende verletzt. Mossad-Spezialisten hatten die kleinen Sprengsätze Jahre zuvor in die Geräte eingebaut./cir/DP/jha

(AWP)