«Unsere Gedanken sind bei den Opfern, ihren Familien und allen Betroffenen. Wir sprechen unser aufrichtiges Beileid aus und wünschen den Verletzten eine schnelle Genesung», schrieb Bundespräsident Guy Parmelin am Donnerstag auf der Plattform X.
Da Venezuela einen internationalen Hilferuf lanciert hatte, mobilisierten die Behörden in der Schweiz rasch die zur Verfügung stehenden Einsatzkräfte. Die Rettungsteams sollen so bald als möglich Erdbebenopfer in den Trümmern suchen, bergen und retten, wie das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Donnerstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte.
Weil der Luftraum wegen der Naturkatastrophe über Venezuela gesperrt ist, laufen laut dem EDA derzeit Abklärungen, wann der Transport der Schweizer Rettungskette erfolgen kann.
Hilfsgelder freigegeben
Nach dem Erdbeben reagierte auch Caritas Schweiz und sprach 100'000 Franken für Nothilfe. Derzeit kläre man mit Partnern vor Ort ab, was am dringendsten benötigt werde, teilte die Hilfsorganisation am Donnerstag mit.
Das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) leistet ebenfalls Nothilfe und stellt dafür mit Unterstützung des Bundes 200'000 Franken zur Verfügung, wie es in einer Mitteilung hiess.
Weiter entsendet das SRK über seine Rettungsorganisation REDOG Such- und Rettungshundeteams ins Katastrophengebiet. Diese sollen bei der Suche nach verschütteten Menschen helfen. Zudem befänden sich zwei Logistikexperten in der Region, die rasch mobilisiert werden könnten. Das SRK rief die Bevölkerung überdies zu Spenden auf.
Die Hilfe vor Ort gestalte sich schwierig. Das Venezolanische Rote Kreuz meldete erhebliche Schäden am eigenen nationalen Hauptsitz. Dennoch stünden zahlreiche Freiwillige im Einsatz. Die acht Spitäler und 34 Polikliniken der Organisation versorgten Verletzte.
Keine Schweizer unter den Opfern
«Dem EDA liegen derzeit keine Informationen über Schweizer Opfer vor», hiess es vom Aussendepartement weiter. Entsprechende Abklärungen seien im Gange.
Aktuell sind auf der Travel-Admin-App fünf Schweizer Reisende registriert. Im Auslandschweizerregister sind rund 1000 Personen angemeldet. Das Schweizer Botschaftspersonal ist laut Mitteilung wohlauf. Die Botschaft bleibe am Donnerstag aus Sicherheitsgründen geschlossen, sei aber operationell.
Schweizer Staatsangehörige vor Ort sind gehalten, die Anweisungen der lokalen Behörden zu befolgen. In dringenden Fällen kann die Helpline EDA rund um die Uhr kontaktiert werden. Die Reisehinweise des EDA raten seit längerem von touristischen und anderen nicht dringenden Reisen nach Venezuela ab.
Beben waren auch hierzulande spürbar
Die schweren Erdbeben innerhalb von nur 39 Sekunden mit Magnituden von 7,2 und 7,5 waren bis in die Schweiz messbar. Die Seismometer des Schweizerischen Erdbebendienstes haben die Erschütterungen deutlich registriert, wie der Dienst auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA mitteilte.
Ein Erdbeben dieser Stärke werde es hierzulande wohl nicht geben, hiess es vom Schweizerischen Erdbebendienst (SED) der ETH Zürich weiter. In der Schweiz müsse etwa alle 50 bis 150 Jahre mit einem Erdbeben der Magnitude 6 gerechnet werden. «Solche Beben sind deutlich schwächer, sie setzen ungefähr 180-mal weniger Energie frei», so der Erdbebendienst.
In Venezuela kosteten die verheerenden Beben vom Donnerstagabend (Ortszeit) mindestens 164 Menschen das Leben. Eine Modellrechnung der US-Erdbebenwarte legte nahe, dass die Opferzahl noch weiter steigt.
Laut Suchlisten in den Sozialen Medien galten am Tag nach der Katastrophe noch rund 12'000 Menschen als vermisst. Die Daten liessen sich allerdings schwer verifizieren. Am schwersten war der Bundesstaat La Guaira an der Karibikküste getroffen, wo auch der internationale Flughafen und der wichtigste Seehafen des Landes liegen.
(AWP)
