Mehr als die Hälfte davon betraf Delikte gegen das Strassenverkehrsgesetz (57'150), wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Montag mitteilte. Bei fast der Hälfte aller Urteile ging es um ein Vermögensdelikt (18'422 Urteile), bei 12 Prozent wurde eine Straftat gegen Leib und Leben begangen (4716), 3 Prozent betrafen eine Sexualstraftat (1116).

Wie im Vorjahr wurde den meisten Verurteilten eine bedingte Geldstrafe ausgesprochen - nach Angaben des BFS geschah dies im letzten Jahr 78'693-mal. In den meisten Fällen werden die Strafen von einer Busse begleitet. Umgekehrt sei die Zahl der kurzen unbedingten Freiheitsstrafen auf einen Tiefstand gesunken. Dabei handle es sich um den niedrigsten Wert, seit die bedingte Geldstrafe 2007 als Ersatz für kurze Gefängnisstrafen eingeführt wurde.

Die Zahl der Landesverweisungen blieb im vergangenen Jahr mit 2272 Fällen derweil stabil. Über die Hälfte gilt für mehr als fünf Jahre, in 37 Prozent handelte es sich bei den betroffenen Personen um EU-Bürgerinnen und -Bürger.

Fast alle Plätze belegt

In den neunzig Justizvollzugseinrichtungen in der Schweiz ging die Zahl der Haftplätze leicht zurück. Dies führte Anfang des Jahres zu einer Belegungsrate von 97 Prozent - bei insgesamt 7373 Haftplätzen waren am 31. Januar 2026 noch 254 Plätze frei. An diesem Tag sassen 7119 Personen im Gefängnis und verbüssten ihre Haftstrafe. Seit Beginn der Erhebung 1988 lag diese Zahl noch nie höher.

Gesamtschweizerisch waren die Gefängnisse im Dezember 2025 noch durchschnittlich zu 94 Prozent belegt, wie sich aus den Zahlen des Schweizerischen Kompetenzzentrums für den Justizvollzug (SKJV) ergibt. Damit mache sich «ein echter Druck auf das System» bemerkbar, hielt dazu die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) kürzlich fest.

Gemessen an der Wohnbevölkerung seien es aber trotzdem weniger als vor zehn Jahren, so das BFS, was den Anstieg wieder relativiere. Von den Inhaftierten befanden sich 63 Prozent im Straf- oder Massnahmenvollzug, rund ein Drittel sassen in Untersuchungs- oder Sicherheitshaft und 6 Prozent waren aus anderen Gründen inhaftiert.

Gefängnisse platzen aus allen Nähten

Das Phänomen der überfüllten Gefängnisse ist keineswegs neu, wie eine Umfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zeigte. 2024 lag die Belegungsrate mancherorts sogar bei über hundert Prozent. Schweizweit steigt die Auslastung laut KKJPD seit mehreren Jahren.

Der Druck auf die Schweizer Strafanstalten dürfe aber nicht als generelles Systemversagen betrachtet werden. Es würden Gegenmassnahmen ergriffen - nebst Aus- und Neubauten werden auch Alternativen zur Haft geprüft, beispielsweise elektronische Fussfesseln oder gemeinnützige Arbeit.

Vollauslastungen und die damit verbundenen engeren Platzverhältnisse haben direkte Folgen für die Eingewiesenen und die Gefängnisleitungen. Die Rede ist etwa von steigenden Spannungen unter den Insassen und einer höheren Belastung für das Aufsichts- und Betreuungspersonal sowie für das Pflegepersonal der Gesundheitsdienste.

(AWP)