Konkret haben die Schweizer Konsumentenpreise im Mai um 0,6 Prozent aufgeschlagen im Vergleich zum Vorjahr, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Donnerstag mitteilte. Damit blieb die Teuerung auf dem Niveau vom April 2026, als mit einem Plus von 0,6 Prozent der höchste Stand der Inflation seit Ende 2024 erreicht worden war.
Ökonomen hatten allerdings mit einer noch etwas höheren Inflation gerechnet. Von der Nachrichtenagentur AWP befragte Experten gingen von einem Anstieg der Jahresteuerung von 0,7 Prozent aus.
Erdölprodukte massiv teurer geworden
Für die höhere Teuerung im Mai sind vor allem die massiv gestiegenen Preise für Erdölprodukte verantwortlich, die um 17,7 Prozent höher sind als im Mai 2025. Am grössten war der Aufschlag beim Heizöl. Hausbesitzer zahlten 37,1 Prozent mehr als vor einem Jahr.
Auch die Autofahrer müssen an der Zapfsäule massiv tiefer in die Tasche greifen. So schlug Diesel um 19,6 Prozent auf, während Benzin um 9,8 Prozent teurer wurde. Allerdings zeigt sich ein kleiner Lichtblick: So sind die Preise für Erdölprodukte im Mai wieder leicht unter ihr sehr hohes Niveau vom Vormonat April gesunken.
Denn die Preisanstiege bei Heizöl und Diesel wegen Sorgen vor Engpässen seien übermässig gewesen, urteilte Raiffeisen-Ökonom Alexander Koch. Und abgesehen von höheren Flugpreisen seien bei den anderen Preiskategorien weiter keine indirekten Energiepreiseffekte festzustellen.
Ohne Erdölprodukte stieg die Inflation im Mai im Vergleich zum Vorjahr lediglich um 0,2 Prozent. Das sei gleich viel wie vor dem Kriegsausbruch im Nahen Osten und dem Anstieg der Ölpreise, erklärte UBS-Ökonom Alessandro Bee.
Hausgemachte Faktoren
Weitere Treiber der Inflation sind allerdings hausgemacht: Die Wohnungsmieten kletterten gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozent. Dieser Effekt erkläre rund ein Drittel der gesamten Inflation, die ohne die Mieten lediglich um 0,4 Prozent zugelegt hätte, kommentierte Arthur Jurus von der Finanzgruppe Oddo BHF. Auch die Versicherungen und die Hotels schlugen um gut 2 Prozent auf.
Auf der anderen Seite bremsten die Preisrückgänge bei Bekleidung und Schuhen sowie Nahrungsmitteln und alkoholfreien Getränken die Teuerung. Auch die administrierten Preise gaben nach.
Der starke Franken und die verhaltene Konjunkturlage dämpften den Inflationsdruck mittelfristig zusätzlich, erklärte ZKB-Ökonom Kevin Gismondi. KOF-Ökonom Alexis Perakis sagte: «Abgesehen von den Energiepreisen sind noch keine Zeichen von importierter Inflation aus dem Ausland zu sehen.» Denn die Preise von ausländischen Waren, ausgenommen Energie, seien rückläufig.
Keine baldige Zinserhöhung der SNB
Mit einer schnellen Zinserhöhung der Schweizerischen Nationalbank (SNB) rechnet keiner der von AWP befragten Ökonomen. Aufgrund der geringeren Sensitivität gegenüber Energiepreisen als andere Staaten und der nach wie vor niedrigen Inflation könne die SNB eine abwartende Haltung einnehmen, meinte ZKB-Ökonom Gismondi: «Wir gehen deshalb weiterhin davon aus, dass der SNB-Leitzins zumindest bis Ende 2026 auf dem heutigen Niveau von 0 Prozent verharren wird.»
Die Schweizer Inflation werde in den kommenden Monaten wahrscheinlich höher ausfallen als bisher erwartet, da der Druck auf Energie- und Treibstoffpreise anhalte, erklärte Alexis Körber von BAK Economics. Aber auch so dürfte die Schweizer Inflation weiterhin klar unter 2 Prozent liegen, «weswegen wir weiterhin mit keiner Zinserhöhung seitens der SNB rechnen.» UBS-Spezialist Bee erwartet einen ersten Zinsschritt von 0 auf 0,25 Prozent erst im Juni 2027.
Allerdings: Je länger die globale Energieversorgung beeinträchtigt bleibe, desto höher werde die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Schubs beim Ölpreis, erklärte Raiffeisen-Ökonom Koch. Dies könnte die Inflation auch in der Schweiz noch deutlich höher ausfallen lassen. «Ein nachhaltiges Überschreiten der Obergrenze des Inflationszielbandes der SNB von 2,0 Prozent scheint aber auch in diesem Fall unwahrscheinlich.»
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(AWP)
