Die Jahresinflation nahm hierzulande auf 0,6 Prozent von 0,3 Prozent im März zu, wie das Bundesamt für Statistik (BFS) am Dienstag mitteilte. Allzu überraschend kam das nicht: Ökonomen hatten einen Anstieg erwartet.
Der Inflationsdruck hat sich somit verstärkt, nachdem höhere Energiepreise bereits im März zu einem Anstieg geführt hatten. Davor war die Teuerung lange quasi inexistent. Im Dezember etwa noch lag der Wert bei 0,0 Prozent. Und wegen des starken Frankens schien auch der Fall in den Minusbereich möglich.
Höhere Ölpreise treiben Inflation an
Für den Anstieg der Teuerung im April macht das BFS vor allem die höheren Preise für Benzin, Diesel und Heizöl sowohl auf Monats- wie auch auf Jahressicht verantwortlich. Diesel beispielsweise wurde im Vergleich zum März 15,1 Prozent teurer und kostet heute 19,3 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bei Heizöl betrug der Monatsanstieg 15,1 Prozent, im Jahresvergleich beträgt das Plus 35,5 Prozent.
Im Durchschnitt kosten Erdölprodukte heute 17,0 Prozent mehr als im April 2025. Die höheren Ölpreise hätten in der Teuerungsrate deutliche Spuren hinterlassen, kommentierte denn auch Thomas Gitzel von der VP Bank.
Nach Ausbruch des Iran-Kriegs Ende Februar und im Zuge der Blockade der für den weltweiten Öl- und Gashandel wichtigen Meerenge von Hormus kletterte der Preis für ein Fass der Nordsee-Sorte Brent rasch über die Marke von 100 US-Dollar und liegt derzeit bei über 110 Dollar.
Die Kerninflation, bei der volatile Güter wie Energie, Treibstoffe, frische und saisonale Produkte etc. ausgeklammert sind, ging auf Jahresbasis im April derweil sogar leicht zurück auf 0,3 Prozent. Überraschend ist auch dies nicht: In der Kerninflation seien fast alle Preissteigerungen seit Kriegsausbruch nicht enthalten, erklärte ZKB-Ökonom Kevin Gismondi. Seit diesem Jahr werden etwa auch die Ferienausgaben ausgeklammert.
Kaum Zweitrundeneffekte zu erwarten
Ausserhalb des Erdöls sei derzeit kaum Inflationsdruck auszumachen, konstatiert auch UBS-Ökonom Alessandro Bee. Trotzdem dürfte die Inflation weiter steigen, sollte Öl noch teurer werden. Der UBS-Experte geht vorerst aber nicht davon aus, dass die Inflation über Zweitrundeneffekte auf andere Bereiche überschwappen wird.
Die Schweizer Wirtschaft sei in den letzten Jahren unter dem Trend gewachsen und auch in diesem Jahr dürfte die Auslastung eher schwach ausfallen, so Bee. Die Firmen hätten nur beschränkt die Möglichkeit, die höheren Energiepreise an die Kunden weiterzugeben.
Vorteile hat die Schweiz auch im internationalen Vergleich. So sind die Folgen höherer Ölpreise hierzulande laut ZKB-Experte Gismondi moderat. Gründe dafür seien der tiefe Anteil von Energieprodukten im Warenkorb oder die regulierten Preise im Energieversorgungsbereich. Zudem dämpften der starke Franken und die verhaltene Konjunkturlage die Inflation.
Kein Handlungsbedarf für die SNB
Was die Geldpolitik betrifft, sehen die meisten Ökonomen für die Schweizerische Nationalbank (SNB) an den kommenden Zinssitzungen noch kaum Handlungsbedarf. Schliesslich befinde sich die Inflation nach wie vor unterhalb der Mitte des SNB-Zielbandes von 0 bis 2 Prozent.
«Die SNB ist derzeit nicht um die Inflation besorgt», meint etwa Raiffeisen-Ökonom Alexander Koch. Auch im Falle einer erneuten Eskalation dürften die Risiken zur globalen Nachfrage und zum starken Franken im Fokus stehen. «Deshalb steht die SNB eher bereit, zu intervenieren als die Zinsen anzuheben.»
Ganz alle Experten sehen es allerdings nicht so entspannt. In Anbetracht einer Teuerungsrate, die nun klar über der 0 Prozent-Marke liege, passe der gegenwärtige negative kurzfristige Geldmarktsatz (Saron) nicht recht, meint etwa Thomas Gitzel von der VP Bank. Eine Zinsanhebung im laufenden Jahr sei deshalb «keineswegs abwegig».
mk/uh
(AWP)
