Das reale Bruttoinlandprodukt (BIP) ist 2025 um 1,3 Prozent gewachsen, teilte das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) am Freitag mit. Der Wert lag nur leicht unter den für 2024 ausgewiesenen 1,4 Prozent.
Um die tatsächliche konjunkturelle Entwicklung besser abzubilden, weist das Seco neben dem nominalen BIP auch um Sportanlässe bereinigte Zahlen aus. In dieser Betrachtung ist die Schweizer Wirtschaft stärker gewachsen als im Vorjahr, und zwar um 1,4 Prozent, nach 1,2 Prozent in 2024.
Denn Anlässe wie Olympische Spiele und Fussball-Grossanlässe blähen das Schweizer BIP wegen der Lizenzeinnahmen, die den hierzulande ansässigen Sportverbänden zufliessen, in gewissen Jahren auf.
Dank den privaten Konsumenten
Dass die Schweizer Wirtschaft vergangenes Jahr gewachsen ist, ist vor allem dem privaten Konsum zu verdanken. Dieser legte um 1,5 Prozent zu - das Seco spricht von einem «soliden» Wert.
Demgegenüber bremste der Aussenhandel das BIP-Wachstum, da die Exporte nur unterdurchschnittlich zunahmen. Hier streuten die Zollkapriolen der US-Regierung Sand ins Getriebe. Gleichzeitig stiegen die Schweizer Importe deutlich.
Und weil der Industriesektor unter den Zöllen und den Handelsunsicherheiten leidet, schrumpften die Ausrüstungsinvestitionen um 0,5 Prozent.
Auf und ab
Und es war ein holpriges Jahr für die Schweizer Wirtschaft, sie hat eine regelrechte Achterbahnfahrt hinter sich. Im ersten Quartal wuchs das bereinigte Bruttoinlandprodukt noch um starke 0,8 Prozent - doch das Bild trügt.
Das Wachstum war zu einem guten Teil künstlich: In Erwartung von Trumps Zollankündigungen zogen Abnehmer im Ausland ihre Bestellungen vor, um der drohenden Verteuerung zuvorzukommen. Die Schweizer Exportwirtschaft profitierte kurzfristig - auf Pump, sozusagen.
Dann kam der 2. April. Mit dem sogenannten «Liberation Day» verhängte Trump Zölle von 31 Prozent auf Schweizer Waren - ein Schlag, der die exportorientierte Wirtschaft empfindlich traf. Der Nachfrageeinbruch, der den vorgezogenen Bestellungen folgte, liess das Wachstum im zweiten Quartal auf nur noch 0,1 Prozent zusammenschmelzen.
Den eigentlichen Dämpfer brachte dann der August. Als Trump die Zollschraube am Nationalfeiertag nochmals anzog und den Satz auf 39 Prozent erhöhte, reagierte die Schweizer Exportwirtschaft mit einem deutlichen Rückgang. Das dritte Quartal schloss mit einem Minus von 0,4 Prozent - dem ersten negativen Wert seit Jahren.
Erst als Bern und Washington im Herbst eine Einigung erzielten und die schlimmsten Zolldrohungen vom Tisch kamen, kehrte etwas Zuversicht zurück: Im vierten Quartal legte das BIP wieder um 0,2 Prozent zu.
Fragile Erholung
Zum Jahresende also eine Erholung - aber eine fragile. Als kleine, offene Volkswirtschaft ist die Schweiz auf ein günstiges aussenwirtschaftliches Umfeld angewiesen - und genau daran mangelt es.
So lange die Trump-Regierung seine Handelspolitik nach Gutdünken mal verschärft, mal lockert, bleibt die Planungssicherheit für Schweizer Exporteure ein knappes Gut. Von einer klaren Wachstumsbeschleunigung ist deshalb nicht auszugehen, denkt Thomas Gitzel, der Chef-Ökonom der VP-Bank. Im Gegenteil: 2026 dürfte 2025 in vielem ähneln.
ra/to
(AWP)
