SNB-Präsident Martin Schlegel hat vor dem Hintergrund der erneut steigenden Inflation in der Schweiz in einer Rede eine positive Bilanz der bisherigen Geldpolitik gezogen. Trotz zahlreicher Krisen sei es der Schweizerischen Nationalbank (SNB) in den vergangenen Jahrzehnten gelungen, die Preisstabilität zu gewährleisten.
«Dies zeigt, dass unser geldpolitisches Konzept unter unterschiedlichsten Umständen funktioniert», sagte Schlegel am Donnerstag gemäss Redetext an der Veranstaltung «The SNB and its Watchers» in Zürich.
In den vergangenen Jahrzehnten sei die SNB immer wieder mit Krisen konfrontiert gewesen, welche die Preisstabilität gefährdet hätten, sagte Schlegel. Dennoch habe die Inflation seit Anfang des Jahrhunderts meistens im angestrebten Bereich von 0 bis 2 Prozent gelegen. «Die Nationalbank hat ihr Mandat - Preisstabilität in der mittleren Frist - erfüllt.»
Als Beispiel nannte er etwa den Inflationsschub ab 2021. Nach der Corona-Pandemie hatten Lieferengpässe und eine starke Nachfrage die Preise weltweit steigen lassen. Der Ukraine-Krieg verschärfte die Situation mit höherer Energiepreise zusätzlich.
Die SNB reagierte gemäss Schlegel zunächst mit einer Reduktion ihrer Devisenkäufe und liess den Franken aufwerten. Dadurch sei der Anstieg der Importpreise gedämpft worden. Ab Juni 2022 erhöhte sie zudem den Leitzins. Dies habe eine Ausweitung der Inflation verhindert und die Zweitrundeneffekte auf inländische Preise begrenzt.
Später begann die SNB, Devisen zu verkaufen. Bis Ende 2023 verkaufte sie Devisen im Wert von 161 Milliarden Franken - fast 20 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP). Damit sei es gelungen, die Inflation wieder in den Zielbereich zurückzuführen, sagte Schlegel.
Die nächste Herausforderung steht am 10. Dezember an. Dann entscheidet die SNB erneut über den Leitzins, der derzeit bei 0 Prozent liegt. Die Inflation ist zuletzt überraschend stark wieder auf 1,5 Prozent gestiegen, liegt damit aber weiterhin innerhalb des Zielbands der SNB.
(AWP)

