Mit Blick auf die Ankündigung, aktiv zu bleiben, sagte er: «Wir haben dies getan, weil eine schnelle und abrupte Aufwertung des Frankens die Preisstabilität gefährden würde.» Ob dieser dann auch tatsächlich Interventionen gefolgt sind, kommuniziert die SNB erst zu einem späteren Zeitpunkt: «Ob wir am Devisenmarkt aktiv waren, geben wir erst mit einem Quartal Verzögerung bekannt. Ich muss Sie auf Ende Juni vertrösten.»

Auf scharfe Kritik von Vertretern der Uhrenbranche, wie etwa Swatch-Chef Nick Hayek oder Breitling-CEO Georges Kern, die Notenbank tue zu wenig gegen den starken Franken, ging Schlegel indes nicht direkt ein. «Die SNB führt die Geld- und Währungspolitik im Gesamtinteresse des Landes. Wir können und dürfen unsere Geldpolitik nicht auf einzelne Branchen oder Bevölkerungsgruppen ausrichten.»

Die Nationalbank übersehe aber nicht die Herausforderungen der Unternehmen: «Ich habe grossen Respekt vor den Firmen in der Schweiz, insbesondere den Exporteuren, die sich täglich im internationalen Wettbewerb behaupten müssen.»

UBS-Regulierung «verhältnismässig, gezielt und effektiv»

Über den andauernden Iran-Krieg zeigte Schlegel sich derweil besorgt: «Die Stimmung bei den Zentralbanken und Finanzministerien ist nicht gut. Der Hauptgrund ist der Konflikt im Nahen Osten», sagte er mit Blick auf das IWF-Treffen vergangene Woche.

Die entscheidende Frage sei, wie lange der Konflikt andauert und ob die Energiepreise hoch bleiben. «Wenn sich die Energiepreise rasch wieder normalisieren, wäre der Einfluss auf Inflation und Wirtschaftswachstum wohl nur vorübergehend», so Schlegel. «Sollte der Konflikt jedoch länger anhalten und die Energiepreise hoch bleiben, sind deutlich grössere Auswirkungen zu erwarten.»

Derweil betonte der Präsident in dem NZZ-Interview auch erneut den Standpunkt der SNB in Sachen UBS-Regulierung, insbesondere auch mit Blick auf die umstrittene vollständige Unterlegung der ausländischen Beteiligungen mit Eigenkapital: «Nach der Krise der Credit Suisse haben die Behörden diese analysiert und daraus geeignete Massnahmen abgeleitet. Die vollständige Kapitalunterlegung von ausländischen Beteiligungen ist absolut zentral, um die Widerstandsfähigkeit der systemrelevanten Banken zu erhöhen.» Insgesamt halte die SNB die vom Bundesrat vorgeschlagenen Massnahmen für «verhältnismässig, gezielt und effektiv, um die Schwachstellen zu beheben».

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(AWP)