Die Absage wurden von ranghohen PP-Politikerinnen scharf kritisiert. Die Regierungschefin der Region Madrid, Isabel Díaz Ayuso, meinte, Sánchez wolle lieber mit katalanischen Separatisten zusammenarbeiten, die "Verbrecher" und "Feinde Spaniens" seien. PP-Generalsekretärin Cuca Gamarra meinte, die einzige Alternative zu einer konservativen Regierung sei die "Blockade" des Landes.
Die PP hatte die Wahl am Sonntag zwar klar gewonnen, mit 136 Sitzen die absolute Mehrheit von 176 Sitzen aber deutlich verpasst. Die einzige Partei, die bisher die Unterstützung einer Kandidatur von Feijóo für das Amt des Ministerpräsidenten in Aussicht gestellt hat, ist die rechtspopulistische Vox. Aber auch mit den 33 Stimmen der umstrittenen Gruppierung würde es nicht für eine Regierungsbildung reichen.
Feijóo hatte die PSOE am Dienstag aufgerufen, mit der Tolerierung einer von ihm - dem Wahlsieger - angeführten Regierung für "Stabilität" in der viertgrössten Volkswirtschaft der EU zu sorgen, die bis Jahresende den EU-Ratsvorsitz innehat. Dazu sagte Bolaños nun, die PP habe die Sozialisten und andere Parteien "jahrelang beleidigt und Lügen verbreitet". Es sei daher nicht verwunderlich, dass die Konservativen nun "schrecklich einsam" seien.
Die Sozialisten erhielten am Sonntag 122 Sitze. Ihre Aussichten, eine Regierung zu bilden, sind ebenfalls sehr gering. Neben der Unterstützung des Linksbündnisses Sumar und mehrerer kleinerer Regional-Parteien würde man auch ein Abkommen mit der Partei Junts des in Brüssel im Exil lebenden katalanischen Separatisten-Führers Carles Puigdemont benötigen. Das Problem dabei: Junts liess bereits wissen, man fordere für eine Unterstützung von Sánchez unter anderem die Zusage eines Unabhängigkeitsreferendums in Katalonien. In Spanien herrscht deshalb die Meinung vor, dass Ende des Jahres oder Anfang 2024 eine neue Parlamentswahl nötig sein wird./er/DP/nas