Die Ausgabe eines digitalen Euro sollte die Stabilität des Finanzsystems nicht beschädigen, sagte Delgado am Freitag in einer Rede. Trotz eines robusten Bankensektors müssten die Folgen für die Branche bewertet werden. «Wir können die Elemente nicht ignorieren, die die Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität der Banken beeinträchtigen könnten». Die Europäische Zentralbank (EZB) will im Oktober entscheiden, ob sie mit dem Projekt in eine Vorbereitungsphase gehen will. Die EU-Kommission hatte Ende Juni ihren Gesetzesvorschlag für die Einführung eines digitalen Euro vorgelegt.
Es sei wichtig, die Gesamtauswirkungen eines digitalen Euro auf die Liquidität der Banken zu bewerten, wenn Geld von Bankkonten abgezogen und auf digitale Euro-Geldbörsen übertragen werde. Ein digitaler Euro würde eine Zahlungslösung bieten, die auf einer europäischen Infrastruktur aufsetze und in der gesamten Eurozone akzeptiert werde. Um die Finanzstabilität nicht zu schwächen, könne etwa eine Obergrenze von 3000 Euro für die Menge an digitalen Euro eingeführt werden, die Nutzer halten dürften. Ulrich Bindseil, EZB-Generaldirektor für Marktinfrastrukturen, hatte Anfang 2020 in einer viel beachteten Studie ein Limit in dieser Höhe ins Spiel gebracht. Dabei hatte er sich am durchschnittlichen Haushaltseinkommen in der Eurozone orientiert.
Delgado sitzt im Aufsichtsgremium der EZB-Bankenaufsicht. Sie und Bundesbank-Vizepräsidentin Claudia Buch gelten als Hauptanwärter für den Chefposten des EZB-Bankenaufsichtsarms SSM. Die fünfjährige Amtszeit von Andrea Enria an der Spitze der EZB-Bankenaufsicht läuft zum Ende des Jahres aus.
(Reuters)
