Eine Sprecherin der Notenbank in Frankfurt teilte auf Anfrage mit: «Präsidentin Lagarde konzentriert sich voll und ganz auf ihre Aufgabe und hat noch keine Entscheidung über das Ende ihrer Amtszeit getroffen.» Die Formulierung weicht von früheren Aussagen der EZB ab: Noch im vergangenen Jahr hiess es, Lagarde sei «entschlossen, ihre Amtszeit zu Ende zu führen».

Lagarde trat ihr Amt als Nachfolgerin des Italieners Mario Draghi am 1. November 2019 an. Berufen wird der Präsident oder die Präsidentin der EZB für acht Jahre. Lagarde ist also regulär noch bis Ende Oktober 2027 im Amt.

Brüsseler Personalpoker um EZB-Spitze

Die Besetzung der EZB-Spitzenposten ist Teil eines Brüsseler Personalpokers. Die Entscheidung liegt bei den Eurostaaten. Die «Financial Times» beruft sich auf eine Person, die mit den Überlegungen Lagardes vertraut sein soll. Demnach will die Französin durch einen vorzeitigen Abtritt dem scheidenden französischen Präsidenten Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ermöglichen, noch vor der Wahl in Frankreich die Nachfolge für den Spitzenposten bei einer der wichtigsten Institutionen im Euroraum zu regeln. Wann Lagarde ihr Amt niederlegen werde, sei noch unklar, schreibt die Zeitung.

Für die Lagarde-Nachfolge haben sich auch zwei deutsche Notenbanker ins Gespräch gebracht: Bundesbank-Präsident Joachim Nagel und EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel. Als Favoriten gelten laut «FT» der frühere niederländische Zentralbankchef Klaas Knot und der Spanier Pablo Hernández de Cos, derzeit Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ).

Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING , sieht die Chancen für Deutschland aber gar nicht so schlecht. Da die EZB bereits zwei französische Präsidenten gehabt habe, seien die Chancen für einen dritten «fast gleich null», sodass sich das Rennen um die Notenbank-Spitze auf Deutschland und Spanien beschränke./ben/als/DP/jsl

(AWP)