Bei einer Veranstaltung sagte er: «Wenn ich sagen würde, was ich denke, würde ich Ferrari schaden.» Mit Blick auf das Logo von Ferrari erklärte Montezemolo, man solle doch wenigstens das springende Pferd von dem neuen Wagen entfernen. «Es ist zumindest ein Auto, das die Chinesen nicht kopieren werden.»

Am Montag hatte Ferrari in Rom sein erstes vollelektrisches Auto vorgestellt. Der Autobauer selbst meint, mit dem Luce ein neues Kapitel in der Geschichte der Marke aufzuschlagen. Das neue Modell ist ein viertüriges Auto mit fünf Sitzen und soll im Laufe des Jahres in den Handel kommen. Der Preis soll laut Ferrari bei gut 500.000 Euro beginnen - damit wird es zum aktuell teuersten E-Auto am Markt.

Auch am Aktienmarkt hatte das Design die Anleger enttäuscht, die Aktie fiel zu Wochenbeginn in Mailand spürbar von zuvor um die 310 Euro auf unter 290 Euro. Auch am Donnerstag notierte sie weiter unter der Marke. Goldman-Sachs-Analyst Christian Frenes bezeichnete die enorm negative Marktreaktion als übertrieben, wie er am Donnerstag schrieb. Der Erfolg des Luce hänge letztlich davon ab, ob das Fahrgefühl weniger technische Spielereien als bei der Konkurrenz kompensieren könne.

Experte Michael Filatov von der Privatbank Berenberg hält es hingegen für ein enormes Risiko des Managements, das Portfolio des Sportwagenherstellers zu erweitern und Käufer aus einer zunehmend technikorientierten Gruppe vermögender Kunden zu gewinnen. Dabei stehe der Ruf einer 80 Jahre alten Marke auf dem Spiel, schrieb er.

Ex-Apple -Designchef wirkte bei Aussehen mit

In den sozialen Medien erntet Ferrari für den Wagen Spott und Häme. Kritiker vergleichen den Luce wegen seiner Form und des Designs etwa mit einem Staubsauger. Beim Aussehen wirkte der ehemalige Apple-Designchef Jony Ive mit. Einige erinnert das Design deswegen auch ein wenig an das erste iPhone.

Kritik kommt auch aus der italienischen Politik. Vize-Regierungschef Matteo Salvini von der rechtspopulistischen Lega sagte bei einer Parteiveranstaltung vermutlich in Anspielung auf Ferrari-Gründer Enzo Ferrari (1898-1988): «Da wird sich jemand im Grab umdrehen.» Und: «Wir werden sehen, wie der Markt das aufnimmt.»

Dabei hatte Ferrari für den Luce ordentlich die Werbetrommel gerührt. Sogar Papst Leo XIV. wurde der Wagen in seiner Sommerresidenz in Castel Gandolfo von Ferrari-Verwaltungsratschef John Elkann vorgestellt. Der Pontifex durfte auf dem Fahrersitz Platz nehmen und liess sich das Auto erklären. Auch Italiens Präsidenten Sergio Mattarella wurde das E-Auto öffentlichkeitswirksam vorgestellt./rme/DP/men

(AWP)