Kurz nach der Öffnung der Strasse von Hormus hat der Iran die wichtige Meerespassage Insidern zufolge wieder geschlossen. Die iranische Marine habe mehrere Schiffe über Funk am Samstag darüber informiert, dass keine Durchfahrt ‌mehr erlaubt sei, ⁠hiess es in Schifffahrtskreisen.

Mindestens zwei Handelsschiffe meldeten demnach zudem, dass sie beim Versuch der Durchquerung unter Beschuss geraten seien. Sie seien daraufhin umgekehrt. In einer auf dem Telegram-Onlinekanal von Irans religiösem ⁠und politischem Oberhaupt Ajatollah Modschtaba Chamenei verbreiteten Botschaft hiess es, die iranische Marine stehe bereit, ihren Feinden «neue bittere Niederlagen» zuzufügen.

Zuvor hatten Schiffsverfolgungsdaten noch die erste grössere Schiffsbewegung seit Beginn des Krieges der USA und Israels gegen den Iran vor sieben ‌Wochen angezeigt. Demnach schickte sich am Samstag ein Konvoi von acht Tankern an, die Meerenge zu durchfahren. Der Iran erklärte dann jedoch, ‌er werde wieder strenge militärische Kontrollen auf der engen Wasserstrasse einführen, über die vor dem Krieg ​etwa ein Fünftel des weltweiten Ölhandels abgewickelt wurde. In dem Funkspruch, den mehrere Schiffe Insidern zufolge erhielten, hiess es, die Meerenge werde «wegen des Versäumnisses der US-Regierung, ihre Verpflichtungen in den Verhandlungen zu erfüllen», wieder vollständig geschlossen. «Keinem Schiff, unabhängig von Typ oder Nationalität, ist die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus gestattet.»

Trump gab sich nur wenige Stunden zuvor optimistisch

US-Präsident Donald Trump hatte vor der erneuten Schliessung mit Blick auf den Verlauf der Friedensbemühungen noch Optimismus verbreitet. Er verkündete, dass es «ziemlich gute Neuigkeiten» gebe, konkret wurde er jedoch nicht. Dafür drohte er aber zugleich damit, die derzeit geltende Waffenruhe in ‌dem Konflikt mit dem Iran nicht weiter zu verlängern, sollte bis zu ihrem Ablauf am Mittwoch kein Abkommen erzielt werden. Zudem kündigte Trump an, die US-Blockade iranischer Häfen aufrechtzuerhalten. Der Iran reagierte seinerseits mit einer Drohung: Die Strasse von Hormus werde «nicht offen bleiben», sollte die Blockade der USA andauern, erklärte Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf in den sozialen Medien. Später setze der Iran dies um.

Der Iran ​hatte die Meerenge erst am Freitag wieder geöffnet. Der Durchbruch gelang, nachdem am Donnerstag in dem im Zuge des Iran-Konflikts wieder ausgebrochenen Kriegs zwischen ​Israel und dem Libanon ebenfalls eine Waffenruhe vereinbart worden war. Israel war in Teile des Südlibanon einmarschiert, nachdem sich die ​dort ansässige, mit dem Iran verbündete Hisbollah-Miliz Anfang März in die Kämpfe eingeschaltet hatte.

Nach der Öffnung durchfuhren mehr als ein Dutzend Tanker die Strasse von Hormus, wie aus Schifffahrtsdaten hervorging. Am Samstag erklärte das iranische Militärkommando jedoch, der Schiffsverkehr ‌unterliege wieder einer strengen militärischen Kontrolle durch den Iran. Zur Begründung verwies es auf angebliche wiederholte Verstösse der USA sowie auf «Piraterie» unter dem Deckmantel einer Blockade. Der stellvertretende iranische Aussenminister Said Chatibsadeh erklärte, sein Land habe zugesagt, die sichere Durchfahrt von Handelsschiffen im Einklang mit der jüngsten Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon zu gestatten. Die USA hätten jedoch versucht, «dies zu sabotieren, indem sie erklärten, die Strasse sei ​offen, ausser für Iraner». ​Von den USA lag zunächst keine Stellungnahme vor.

Nächster Termin für Verhandlungen unklar

Die USA und ⁠Israel hatten den Krieg gegen den Iran am 28. Februar begonnen. Tausende Menschen wurden seither getötet. Die Strasse von ​Hormus wurde faktisch gesperrt. Weltweit schossen die Energiepreise ⁠in die Höhe. Am Freitag sorgte dann die Aussicht auf eine Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs für Erleichterung an den Finanzmärkten: Die Ölpreise fielen um rund zehn Prozent, und die globalen Aktienmärkte legten deutlich ‌zu. Mit der Entwicklung am Samstag dürfte sich aber wieder Verunsicherung breitmachen - zumal unklar ist, wie es mit den Friedensbemühungen weitergeht.

Trump sagte am späten Freitagabend (Ortszeit) an Bord der Air Force One, dass es «im Nahen Osten mit dem Iran ziemlich gut zu laufen scheint». Über das Wochenende werde verhandelt. Er erwarte einen guten Verlauf. «Vieles ist bereits ‌verhandelt und vereinbart worden.» Das Wichtigste sei, dass der Iran keine Atomwaffe erhalte. Nach Angaben von Irans Vize-Aussenminister Chatibsadeh steht jedoch für die nächste ​Verhandlungsrunde noch kein Termin fest. Der Iran wolle keine Gespräche führen, die zum Scheitern verurteilt seien und als Vorwand für eine weitere Eskalation dienen könnten.

Am vergangenen Wochenende waren die ranghöchsten amerikanisch-iranischen Gespräche seit der Islamischen Revolution von 1979 in Islamabad ohne Einigung zu Ende gegangen. Eine Woche später deutete in der pakistanischen Hauptstadt nichts darauf hin, dass Vorbereitungen für neue Gespräche liefen. In zentralen Streitpunkten herrscht weiterhin Unklarheit. Neben dem iranischen Atomprogramm bleibt ‌ein Kernproblem der Umgang mit eingefrorenen iranischen Vermögenswerten.

(Reuters)