Ein Beispiel ist der US-Konzern Generac, der eigentlich vor allem für Notstromaggregate für Privathäuser bekannt ist. Das Unternehmen aus Wisconsin investierte 250 Millionen Dollar in den Ausbau seiner Fabriken, um leistungsstarke Generatoren für Rechenzentren zu bauen. Der Auftragsbestand für diese Maschinen liegt bereits bei 1,6 Milliarden Dollar, wie Konzernchef Aaron Jagdfeld der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Generac will dafür rund 1000 neue Mitarbeiter einstellen. «Die Frage, die alle beschäftigt, ist, wie lange dieser Ausbau anhalten wird.»
Der Boom erfasst eine ganze Reihe an Industrieunternehmen: Hersteller von Kühlsystemen, Transformatoren, Baumaschinen, aber auch von Kabeln, Rohren und Stahlteilen. «Diese Rechenzentren benötigen riesige Gebäude, Strassen, Gasturbinen – all das erfordert einige unserer Produkte», sagte Lucian Boldea, Chef des Wälzlager-Herstellers Timken. Der Trend spiegelt sich auch in den Konjunkturdaten wider. Die US-Industrieproduktion erreichte im Juli den höchsten Stand seit mehr als vier Jahren. Dennoch ist die Stimmung in vielen Teilen der Industrie gedämpft, da der KI-Boom nicht alle Branchen erreicht. Selbst bei Generac bleibt die Nachfrage nach den klassischen Generatoren für Privathaushalte wegen des schwächelnden Immobilienmarktes verhalten.
Das Beratungsunternehmen Wood Mackenzie prognostiziert, dass sich der US-Markt für elektrische Ausrüstung von Rechenzentren von 33 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf 66 Milliarden Dollar bis 2030 verdoppeln wird. «Rechenzentren stellen eine völlig andere Art von Last dar als alles, was die Elektroausrüstungsbranche bisher versorgt hat», sagte Ben Boucher, Senior Analyst bei Wood Mackenzie.
Angesichts der rasanten Entwicklung wächst allerdings die Sorge vor einem Platzen der Blase. Manche Unternehmen zögern daher mit der Expansion aus Angst vor einem jähen Ende des Booms. Eine offene Frage ist, ob die Hersteller mit der rasanten Entwicklung Schritt halten können. Laut Boucher treten Hersteller bereits mit ein Jahr alten Bestellungen erneut an Kunden heran, um Preiserhöhungen von 20 Prozent durchzusetzen – allein, um die Liefertermine einhalten zu können.
Der deutsche Siemens-Konzern gehört zu den Unternehmen, die expandieren. Siemens kündigte Anfang des Monats an, mehr als 200 Millionen Dollar in zwei neue Werke in den USA zu investieren. Um das Risiko eines Einbruchs zu mindern, schliesst Siemens mehrjährige Verträge mit den Kunden ab, die bei Nichterfüllung hohe Strafzahlungen vorsehen, wie ein Manager erklärte.
Auch kleinere Unternehmen spüren die starke Nachfrage der Rechenzentrumsbetreiber. Southeastern Hose, ein Familienunternehmen aus Bremen, Georgia, das traditionell Wellschläuche aus Metall für die Stahl- und Petrochemieindustrie herstellte, verzeichnete in den letzten Jahren einen explosionsartigen Nachfrageanstieg durch Rechenzentrumsprojekte. Trey Travis, für den operativen Betrieb zuständig, erklärte, dass diese neue Nachfrage dazu beigetragen habe, den Umsatz in den vergangenen fünf Jahren zu verdreifachen.
Southeastern Hose hat 60 neue Arbeitsplätze geschaffen und beschäftigt mittlerweile 150 Mitarbeiter. «Sollte diese Branche einen massiven Einbruch erleben, falls es sich um eine Blase handelt, besteht immer die Befürchtung, dass dies eine Kettenreaktion in die andere Richtung auslöst», sagte Travis. Er sorgt sich, dass im Falle eines solchen Szenarios auch langjährige Kunden des Unternehmens, wie etwa Stahlwerke, einen Rückgang verzeichnen könnten. «Deshalb versuchen wir, gegenzusteuern», sagte er. «Wir kümmern uns um die Kunden, die uns seit 60 Jahren die Treue halten» – und ebenso um das Neugeschäft.
(Reuters)

