Chinesisches Geld fliesse häufiger in Staaten mit weniger entwickelten demokratischen Strukturen. Die höheren Zinsen würden diese Länder in Kauf nehmen, um die Auflagen westlicher oder multilateraler Geber bezüglich Korruptionsbekämpfung zu umgehen, heisst es in der Studie. "Die chinesische Kreditvergabe an afrikanische Länder steht somit im Wettbewerb zur westlichen Entwicklungspolitik", erklärte Lorenz Meister, wissenschaftlicher Mitarbeiter am DIW.
Bei vielen Afrikanern ist Beobachtern zufolge zuletzt der Unmut über die unzähligen chinesischen Investitionen gewachsen. Dafür liefert die Studie eine Erklärung: Oft fliesse das Geld in überdimensionierte Prestigeprojekte, deren volkswirtschaftlicher Nutzen zweifelhaft sei. In Kenias Hauptstadt Nairobi hat China zum Beispiel den Bau einer Stadtautobahn finanziert, die den Verkehr in der Stadt entlasten soll. Die teure Mautstrasse wird jedoch kaum genutzt.
Auf lange Sicht könnten westliche Kredite daher wieder erste Wahl für afrikanische Staaten werden - insbesondere, wenn es um das Thema Umschuldung geht. Diese ist laut der Studie bei chinesischen Krediten unüblich. Wenn afrikanische Staaten ihre Kredite nicht planmässig zurückzahlen könnten, müssten sie im chinesischen Modell weitere Kredite aufnehmen. Westliche Geber hingegen stünden einer Umschuldung offener gegenüber. Zudem solle der Westen über eine Lockerung seiner Auflagen nachdenken, um dem Gefühl der Bevormundung auf afrikanischer Seite entgegenzuwirken./dre/DP/stw