Angesichts der Verdoppelung der Kerosinpreise, die allmählich auf die Rechnung der Swiss durchschlagen würden, «müssen wir umso intensiver an den Effizienzsteigerungen und Kostenmassnahmen arbeiten, die wir bereits weit vor der Krise im Nahen Osten eingeleitet haben», erläuterte Finanzchef Dennis Weber in einem Communiqué. Denn neben der angespannten Marktlage habe die Swiss auch strukturelle Herausforderungen.

Die Swiss kämpft nicht nur mit dem Krieg im Mittleren Osten und den steigenden Treibstoffpreisen, sondern auch mit hausgemachten Problemen. So stehen eine Reihe Flugzeuge am Boden, weil Triebwerke oder Piloten fehlen. Um dennoch fliegen zu können, muss die Swiss Flugzeuge samt Besatzung von anderen Airlines mieten (im Fachjargon «Wetlease» genannt).

So konnte die Swiss im ersten Quartal lediglich 29'600 Flüge durchführen. Das ist ein deutlicher Rückgang von 7,1 Prozent im Vergleich zum selben Vorjahreszeitraum. Die angebotenen Sitzkilometer (ASK) gingen um 3,4 Prozent zurück. Diese Kennzahl gilt als Leistungseinheit im Luftverkehr.

Gleichzeitig stieg die Nachfrage, so dass die Maschinen deutlich stärker besetzt waren. Im Schnitt war die Auslastung um 3,4 Prozent höher als vor einem Jahr. «Trotz des kleineren Angebots konnten wir die Nachfrage gut nutzen», sagte Weber.

Sparmassnahmen bleiben

Trotz dem Gewinnsprung lasse sich das Ergebnis des Startquartals nicht einfach fortschreiben, sagte Swiss-Chef Jens Fehlinger. «Wir stehen weiterhin vor grundlegenden Herausforderungen in einem angespannten Umfeld: Triebwerke fehlen, unsere Produktivität ist rückläufig, der Kostendruck bleibt hoch. Beim Treibstoff sind wir mit einem massiven Preisanstieg konfrontiert.»

Die Swiss müsse einfacher und effizienter werden. Dazu gehöre auch ein neuer Gesamtarbeitsvertrag (GAV) für die Piloten, sagte Fehlinger: «Daran arbeiten wir mit Hochdruck. Nur so bleiben wir langfristig wettbewerbsfähig.»

Die Lufthansa-Gruppe, zu der auch die Swiss und die Edelweiss gehören, hat Mitte April neue Sparmassnahmen angekündigt. Demnach werden keine neuen Mitarbeiter mehr eingestellt.

Im März hatte die Swiss zudem mitgeteilt, dass alle rund 4000 Kabinenmitarbeiter an der Basis in Zürich ein «Angebot eines freiwilligen Abgangs» erhalten hätten. Dies gehe mit einer entsprechenden Entschädigung einher. Das Angebot sei auf positive Resonanz gestossen, sagte ein Swiss-Sprecher vor drei Wochen. Einige Beschäftigte hätten das Angebot bereits angenommen.

Gute Nachfrage im Sommer

Immerhin sei die Nachfrage für den Sommer robust. Besonders auf den Asienrouten bleibe die Nachfrage sehr hoch, was entsprechend zu höheren Durchschnittserlösen führe, hiess es am Mittwoch weiter. Die Kunden würden immer kurzfristiger buchen. Gleichzeitig sei die Nachfrage in den Premiumklassen weiterhin sehr hoch. «Dennoch bleibt die Lage sehr volatil, was Prognosen erschwert.»

Es sei das Ziel, den Flugplan trotz der dynamischen Situation so stabil wie möglich zu halten, hiess es weiter. Die Swiss beobachte daher die Entwicklungen rund um die Treibstoffversorgung kontinuierlich und prüfe verschiedene Szenarien, um im Bedarfsfall schnell die bestmöglichen Lösungen für die Fluggäste zu finden.

Darüber hinaus arbeite die Swiss gemeinsam mit der Lufthansa-Group, Partnern und Behörden intensiv daran, eine zuverlässige Treibstoffversorgung sicherzustellen. Details dazu nannte die Fluggesellschaft nicht. Durch die Sperrung der Strasse von Hormus befürchten Experten Versorgungsengpässe bereits im Sommer.

jb/mk

(AWP)