Die beiden bewilligten Kundgebungen in der Stadt Luzern verliefen am Samstagnachmittag auch aus Sicht der Polizei ohne grössere Zwischenfälle. Die Luzerner Polizei war, wie sie am Samstagabend weiter mitteilte, mit einem starken Aufgebot vor Ort. Sie führte diverse Personenkontrollen durch und sprach einzelne Wegweisungen aus.

Während sich die Anhängerinnen und Anhänger von Mass-voll am Nachmittag beim Kurplatz sammelten, fand sich die Gegenkundgebung auf der anderen Seeseite, beim Europaplatz, ein. Der Demozug von Mass-voll bewegte sich durch die Altstadt. Es wurden Schweizerfahnen geschwungen und Anti-EU-Parolen gerufen, wie ein Reporter von Keystone-SDA beobachtete. An der Kundgebung nahmen auch Mitglieder einer rechtsradikalen Partei aus Bulgarien und der rechtsextremen Organisation Junge Tat teil.

Polizei stellte sich Gegendemo in den Weg

Als die Kundgebung um etwa 16 Uhr auf dem Rückweg zum Kurplatz die Seebrücke überquerte, lösten sich wenige hundert Personen aus der Gegendemonstration und liefen zu den Bushaltestellen am Bahnhof. Auf einem grossen Transparent war «Antifa bleibt Handarbeit» zu lesen. Aus gut 50 Metern Entfernung skandierten sie antifaschistische Parolen. Polizisten in Vollmontur stellten sich dazwischen.

Die Mass-voll-Demo setzte den Marsch zurück auf den Kurplatz fort. Ein Teil der Gegendemonstration formierte sich auf dem Europaplatz erneut und lief nochmals Richtung Seebrücke. Die Polizei sperrte diese sowie die Kapellbrücke. Die Demonstrierenden zogen sich nach einigen Minuten zurück. So blieben die Kundgebungen voneinander getrennt. Es kam zu keinen Zusammenstössen, wie ein Reporter von Keystone-SDA beobachtete.

In der Zwischenzeit fand sich die Mass-voll-Demo wieder auf dem Kurplatz ein. Es folgten die nächsten Reden gegen das EU-Vertragspaket Bilaterale III. Wobei von den Teilnehmenden der Laufkundgebung noch einige hundert verblieben. Auch die Gegendemonstration begann sich um 17 Uhr aufzulösen.

Die Ersatzbusse der SBB, die aufgrund von Bauarbeiten dieses Wochenende auf der Strecke Luzern-Zürich verkehren, wichen auf die Strecke Emmenbrücke-Ebikon aus. Dadurch verlängerte sich die Reisezeit um rund 30 Minuten, wie die SBB am Samstag mitteilten.

Viel Kritik im Vorfeld

Im Vorfeld kritisierten SP und Grüne die Kundgebung scharf. Die SP sah für Luzern die Gefahr, «zum Aufmarschort von Rechtsextremen» zu werden. Mit einer Interpellation im Stadtparlement forderte sie Ende April die Überprüfung der Bewilligung.

Die Grünen reichten am Dienstag eine Petition mit rund 2500 Unterschriften ein, in der sie den Rückzug der Bewilligung für die Demonstration von Mass-voll forderten. Diese blieb bestehen. Ein Bündnis von linken Parteien und dem 1. Mai-Komitee rief schliesslich zur Gegendemo auf.

Die Bedenken der Gegner rührten auch von einer Mass-voll-Demonstration in St. Gallen im vergangenen Februar her. Damals durchbrachen die Teilnehmenden eine Polizeisperre. Da einige von ihnen Hellebarden mitgebracht hatten, entzog die Polizei ihnen aufgrund von Sicherheitsbedenken vor Ort die Bewilligung. Es kam zu Scharmützeln und die Polizei setzte Tränengas ein. Bei dieser Demonstration liefen auch bekannte Mitglieder der rechtsextremen Jungen Tat vorne mit.

(AWP)