Merz hofft auf chinesischen Einfluss auf Putin

Merz forderte die chinesische Führung auch auf, ihren Einfluss auf Russland zu nutzen, um den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden. Die Signale aus China würden in Moskau sehr ernst genommen, sagte er nach seinen Gesprächen mit Präsident Xi Jinping und Ministerpräsident Li Qiang. «Das gilt für Worte wie auch für Taten. Ich will ausdrücklich das chinesische Bekenntnis zum Frieden in der Region begrüssen, das ich heute gehört habe.»

Nach chinesischen Regierungsangaben hat sich Xi beim Treffen mit Merz zwar für Verhandlungen ausgesprochen, um zu einer Lösung zu kommen. Er verzichtete aber erneut auf eine direkte Schuldzuweisung an Russland und sagte, alle Parteien müssten gleichberechtigt eingebunden und ihre berechtigten Anliegen berücksichtigt werden.

China gilt als wichtigster verbündeter Russlands. Der Führung in Peking wird vorgeworfen, den russischen Präsidenten Wladimir Putin durch Öl-Käufe und Technologie-Transfers zu unterstützen.

Risikominderung statt Entkopplung

Es ist der erste Besuch des Kanzlers in China neuneinhalb Monate nach seinem Amtsantritt. Vor seinem Abflug hatte Merz fünf Leitlinien für seine China-Politik ausgegeben. Dazu gehört die Minderung von Abhängigkeiten, aber eine klare Absage an eine Entkopplung von China.

Damit knüpft er an die Ampel-Regierung von Kanzler Olaf Scholz an, die in ihrer China-Strategie die von der Kommunistischen Partei allein geführte zweitgrösste Wirtschaftsmacht als Partner, Wettbewerber und Systemrivalen definiert hatte.

Merz erzählt viel vom Pferd

Das Wort Rivale verwendete Merz in Peking zumindest bei seinen öffentlichen Auftritten nicht. Stattdessen wählte er ein anderes Motiv, um gute Stimmung zu machen: Er erzählte ziemlich viel vom Pferd. Nicht im sprichwörtlichen Sinne, sondern im tatsächlichen. In China hat gerade das Jahr des Feuerpferdes begonnen. Merz, der gerne Krawatten mit Tiermotiven trägt, erwähnte das bei fast jedem öffentlichen Auftritt. «Seine Stärke spielt ein Pferd nicht alleine aus, sondern indem es den Wagen gemeinsam mit anderen zieht», sagte er schon vor dem Abflug.

Es gab aber auch eine Reihe klarer Ansagen von ihm an seine Gastgeber. Aus seinem Umfeld heisst es, er sei nicht nach China gekommen, um «den Eindruck entstehen zu lassen, dass wir hier in einen neuen deutsch-chinesischen Frühling» gehen.

Gegen Wettbewerbsverzerrung und Handelsüberschuss

Dass sie Unterstützung brauchen, hatten ihm Unternehmer und Wirtschaftsverbände schon vor der Reise klargemacht. 30 Top-Manager begleiteten ihn nach China. Diese drei Punkte machte er:

* Das immer grösser werdende Handelsdefizit wird zum immer grösseren Problem: Die deutschen Exporte nach China hatten 2025 nur noch einen Wert von 81,3 Milliarden Euro. Bei den Importen aus China gibt es dagegen einen steilen Trend nach oben bis auf 170,6 Milliarden Euro. Er wolle keinen Protektionismus, aber eine «moderate Aufwertung» der chinesischen Währung Renminbi, sagte Merz.

* Zu nachhaltigen und ausgewogenen Handelsbeziehungen gehöre, dass Rohstoffe «möglichst frei nach wirtschaftlichen Erwägungen gehandelt» werden könnten. Damit meint er vor allem die seltenen Erden, deren Verarbeitung zu 90 Prozent von China kontrolliert wird. Ein Druckmittel, das China auch bereit ist, einzusetzen.

* Auch die durch Chinas subventionsgetriebene Industriepolitik hervorgerufenen Überkapazitäten sprach Merz an.

Li ging in seiner anschliessenden Rede auf die Vorhaltungen nicht ein. Präsident Xi Jinping lobte später die sachorientierte China-Politik der Bundesregierung.

Hühnerfüsse, Tischtennis und 120 Flugzeuge

Bei den konkreten Vereinbarungen gab es zunächst keinen grossen Wurf. In Anwesenheit von Li und Merz wurden fünf Regierungsabkommen unterzeichnet, unter anderem zum Klimaschutz, zu den wegen der Afrikanischen Schweinepest gestoppten deutschen Fleisch-Exporten, zum Handel mit Hühnerfüssen und zur Übertragung von deutschen Tischtennis- und Fussballspielen in chinesischen Staatsmedien.

Früher kamen Bundeskanzler regelmässig mit Milliardenverträgen für die deutsche Wirtschaft nach Hause. Eine grosse Nummer gab es dann aber doch noch. «Wir haben gerade die Nachricht bekommen, dass die chinesische Führung bei dem Unternehmen Airbus eine grössere Zahl weiterer Flugzeuge bestellen wird», sagte Merz am Abend (Ortszeit). Es geht um 120 Flieger von Airbus, Einzelheiten wurden nicht bekannt.

Merz warnt vor militärischem Eingreifen in Taiwan

Mit Blick auf Taiwan betonte Merz, dass die Bundesregierung an ihrer sogenannten Ein-China-Politik festhalte, nach der Deutschland wie die meisten anderen Staaten offiziell nur die Volksrepublik China und nicht den unabhängig regierten Inselstaat Taiwan anerkennt, den Peking als Teil seines Territoriums betrachtet. Merz fügte aber hinzu: «Jede Bemühung um eine Wiedervereinigung oder Vereinigung zwischen China und Taiwan kann nur auf friedlichem Wege erfolgen und nicht mit militärischen Mitteln.»/mfi/DP/jha

(AWP)