Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten sehr schlecht an: Die Lufthansa-Aktie verlor am Dienstag im frühen Handel 8,7 Prozent auf 8,42 Euro. Im bisherigen Jahresverlauf hat das Papier unter erheblichen Schwankungen nur leicht an Wert gewonnen.

Spohr stimmte nun die Aktionäre für 2026 auf einen möglichen Gewinnrückgang ein. Das um Sonderposten bereinigte operative Ergebnis (bereinigtes Ebit) dürfte 1,7 bis 2,2 Milliarden Euro erreichen, teilte der Lufthansa-Konzern am Dienstag in Frankfurt mit. Bisher hatte Spohr den Vorjahreswert von 1,96 Milliarden trotz der immens gestiegenen Treibstoffkosten infolge des Kriegs «deutlich» übertreffen wollen.

Doch im zweiten Quartal kamen die Folgen des Iran-Kriegs und die Streiks vom April die Lufthansa teuer zu stehen. Obwohl der Umsatz im Jahresvergleich um acht Prozent auf 11,1 Milliarden Euro stieg, sackte der um Sonderposten bereinigte operative Gewinn (bereinigtes Ebit) um 56 Prozent auf 383 Millionen Euro ab. Der Überschuss brach auch wegen eines positiven Steuereffekts aus dem Vorjahr und aktueller Belastungen sogar um 88 Prozent auf 123 Millionen Euro ein. Damit verdiente die Lufthansa noch weniger als von Analysten im Schnitt erwartet.

Während die Frachttochter Lufthansa Cargo und die Wartungssparte Lufthansa Technik ihre bereinigten operativen Gewinne steigern konnten, schlugen die hohen Treibstoffpreise und die Streiks im Passagiergeschäft durch. Zudem hatte der Konzern sein Flugangebot mit dem plötzlichen Betriebsende seiner Regionaltochter Lufthansa Cityline spürbar verringert. Konzernweit sank die Zahl der Fluggäste auch deshalb um vier Prozent auf 35,6 Millionen.

Zugleich schlug der Treibstoff bei den Netzwerk-Airlines Lufthansa, Swiss, Austrian, Brussels und Ita mehr als 600 Millionen Euro teurer zu Buche als im Vorjahr. Im gesamten Konzern waren es sogar rund 750 Millionen mehr. Zwar konnte die Lufthansa vor allem auf den Asien-Strecken deutlich höhere Ticketpreise durchsetzen. Dennoch konnte sie die Mehrkosten insgesamt damit nicht decken.

Insgesamt flogen die Netzwerk-Airlines im zweiten Quartal einen bereinigten operativen Gewinn von 137 Millionen Euro ein, fast eine halbe Milliarde weniger als ein Jahr zuvor. Die Punkt-zu-Punkt-Airlines wie Eurowings sackten wegen Belastungen bei dem Ableger Sunexpress sogar mit 37 Millionen Euro in die Verlustzone.

Unterdessen verabschiedete sich der Vorstand von seinen Plänen, das Flugangebot in diesem Jahr auszuweiten. Anfang des Jahres war er noch von einer Steigerung um vier Prozent ausgegangen. Anfang Mai sollten es noch bis zu zwei Prozent sein.

Kleinere Lichtblicke erkennt das Management bei den Kerosinpreisen. Trotz anhaltender Schwankungen sollen die Treibstoffkosten jetzt nur auf 8,7 Milliarden steigen, 200 Millionen weniger als im Mai erwartet. Dabei schlägt auch das verringerte Flugangebot durch./stw/err/jha/

(AWP)