Das zweite Geschäftsquartal fiel überwiegend besser aus als von Analysten erwartet. Dennoch entschieden sich Anleger am Dienstag zunächst, in einem schwächeren Marktumfeld Gewinne mitzunehmen. Dabei konnte die im MDax notierte Aktie Anfangsverluste von fast drei Prozent im Verlauf des Vormittags jedoch wieder etwas aufholen. Zuletzt stand noch ein Minus von 0,7 Prozent zu Buche. Allerdings waren die Papiere im Vorfeld der Zahlen von Ende März bis Anfang Mai in der Spitze um fast 60 Prozent gestiegen.
«Das Umfeld bleibt äusserst anspruchsvoll», sagte Unternehmenslenker López in einer Telefonkonferenz. Der Umsatz ging daher im zweiten Geschäftsquartal (per Ende März) um zwei Prozent auf knapp 8,4 Milliarden Euro zurück, wie das Unternehmen am Morgen in Essen mitteilte. Dies war etwas besser als von Marktexperten angenommen. Wegen des anhaltend schwierigen Umfeldes senkte Thyssenkrupp seinen Umsatzausblick um jeweils einen Prozentpunkt und geht für 2025/26 nun von einer Entwicklung von minus drei Prozent bis zu Erlösen auf Vorjahresniveau aus. An der Ergebnisprognose hält der Konzern dagegen fest.
Gewinnseitig macht sich das Spar- und Restrukturierungsprogramm weiter positiv bemerkbar. So legte im zweiten Geschäftsquartal das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von im Vorjahr 19 auf 198 Millionen Euro zu. Analysten hatten mit einem geringeren Anstieg gerechnet. Die Stahlsparte lieferte neben dem Materialgeschäft den grössten Ergebnisbeitrag, auch dank gesunkener Kosten für Rohstoffe und Energie sowie geringerer Personalkosten. Der Stahl habe deutliche Schritte in die richtige Richtung gemacht, so López. Die spürbare Ergebnisverbesserung zeige, dass das Spar- und Restrukturierungsprogramm Wirkung entfalte, sagte der Konzernchef.
Positiv entwickelte sich auch der Auftragseingang. Dieser legte dank Grossaufträgen beim Marineschiffbauer TKMS um knapp ein Drittel auf 10,6 Milliarden Euro zu. Ebenfalls positiv entwickelte sich das Wasserstoff-Neugeschäft bei der börsennotierten Elektrolyse-Tochter Thyssenkrupp Nucera . Gedämpft blieben die Auftragseingänge hingegen im Autozulieferergeschäft sowie in der Stahlsparte.
Unter dem Strich verdiente Thyssenkrupp mit einer Million Euro nach Minderheiten deutlich weniger als im Vorjahr, in dem das Unternehmen allerdings erheblich vom Verkauf von TK Electrical Steel India profitiert hatte.
López ist gerade dabei, den Traditionskonzern in eine Finanzholding umzubauen. Die Transformation komme gut voran, so der Manager. So wurde der Verkauf eines Bereichs im Automobilzulieferergeschäft abgeschlossen. Im Stahlgeschäft soll der geplante Verkauf der HKM-Anteile an Salzgitter die überschüssigen Kapazitäten senken. Nach dem Scheitern der Gespräche mit dem indischen Konkurrenten Jindal Steel über die Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung sieht López dies als wichtigen Schritt, um das Geschäft wieder wettbewerbsfähig aufzustellen. Den Abschluss des Verkaufs strebt Thyssenkrupp unverändert zum 1. Juni an.
Thyssenkrupp hatte die Gespräche mit Jindal kürzlich auf Eis gelegt und will nun die Sanierung des Stahlgeschäfts in Eigenregie vorantreiben. Man sei mit Jindal «freundschaftlich verbunden» und bleibe «im Gespräch», sagte der Manager. An der Entscheidung, perspektivisch nur noch eine Minderheit an der Sparte zu halten, rüttelt López dagegen nicht. Nicht infrage kommt für ihn dagegen ein Einstieg des Staates. Durch die neue Zollpolitik der Europäischen Union für Stahl sieht López zudem positivere Rahmenbedingungen, auch wenn diese sich, was höhere Preise angeht, seiner Ansicht nach wohl noch nicht in den nächsten ein, zwei Quartalen niederschlagen dürften./nas/la/tav/stk
(AWP)
