Mit Superlativen sparten die Verantwortlichen beim Medienrundgang am Freitag nicht: Ein «Meilenstein der Modernisierung» sei der Tower, der «höchstgelegene Turm Europas», eine «Ikone» soll er werden. Die markante Stahlkonstruktion auf dem Berggipfel mahnt nach der Neugestaltung durch das renommierte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron an ein Schweizer- oder Gipfelkreuz. Zwar steht der Bau schon seit den 1980er-Jahren, als ihn die damalige PTT als Richtstrahlturm errichtete. Nun, 23 Jahre nach dem Kauf durch die Bergbahnen, wird er für die Öffentlichkeit zugänglich.

Besserer Ausblick

Durch einen Stollen, der seit der damaligen Bauzeit besteht, oder über einen Fussweg an der frischen Luft, gelangen die Gäste von der Rotair-Bergstation zum Tower. Dort tummeln sich Touristinnen und Touristen aus aller Welt, schiessen Selfies, geniessen das Panorama. Einen noch etwas besseren Ausblick können sie aus dem Turm geniessen. Je zwei neue Lifte und Treppenaufgänge führen hinauf. Zur Aussichtsplattform, für deren Besuch ein Ticket für 19 Franken nötig ist, zur Rolex-Boutqiue und zuoberst ins Restaurant unter der Leitung von «Gault Millau Entdeckung des Jahres 2025» André Kneubühler. Auf der Plattform sollen rund 500 Personen gleichzeitig Platz finden, das Restaurant verfügt über 120 Sitzplätze - Reservation empfohlen.

«Sehr breite Schicht»

Auf dem Titlis gibt es also bald Luxusuhren ohne Preisschild und «Casual Fine Dining». Wird der Turm eine Exklusivdestination für Wohlhabende? Bergbahnen-CEO Norbert Patt sagt im Gespräch mit Keystone-SDA: «Wir wollen nicht, dass die Leute einfach gratis kommen können, sondern unsere Leistung zu einem fairen Preis verkaufen.» Das Erlebnis auf dem Titlis habe seinen Wert.

Grundsätzlich sprechen die Bergbahnen aber eine «sehr breite Schicht an», sagte Patt weiter. Zudem sollen es auch mehr Besuchende werden.

Der CEO hatte schon Anfang Jahr davon gesprochen, von heute 1,2 Millionen Gästen jährlich bis 2035 auf deren 1,5 Millionen wachsen zu wollen. Auf die Frage nach der Verträglichkeit des Aufkommens für das Dorf Engelberg sagte Patt gegenüber Keystone-SDA, es sei entscheidend, die Besuchenden über «365 Tage» verteilen zu können. Das Unternehmen will die «Spitzen glätten», sodass die Infrastruktur, wie etwa Parkplätze, nicht überlastet sind.

Langfristig soll der Titlis eine der führenden Ganzjahresdestinationen der Alpen werden, wie es in der Mitteilung der Bergbahnen zur Eröffnung hiess.

Nachhaltigkeit und «Höchstleistungen»

Auch ökologische Nachhaltigkeit ist dem Tourismusunternehmen ein Anliegen. Der CO2-Ausstoss soll sich gemäss Communiqué nach Fertigstellung um 95 Prozent reduzieren. Dies durch eine «hoch effiziente Gebäudehülle, die konsequente Nutzung von Abwärme und solarer Einstrahlung».

Bis es 2029 so weit ist, stehen weitere Arbeiten bevor. Um das Projekt in dieser hochalpinen Umgebung realisieren zu können, seien «Höchstleistungen» gefragt, so Norbert Patt vor den Medien. Wo die Bergstation entsteht, fällt das Gelände teils steil hunderte Meter ab. Der Wind pfeift, die Temperaturen fallen auf bis -20 Grad Celsius. Auf diese Bedingungen müssen die Arbeiten abgestimmt sein. Schweissarbeiten sind etwa kaum möglich. Für die Erweiterung des Turms fanden möglichst viele Vorarbeiten im Tal statt, das Material gelangte in Gondeln und vereinzelt in Helikoptern hinauf.

In den kommenden Tagen öffnet der Tower die Türen an Anlässen für die lokale Bevölkerung. Ab dem 1. Juni können ihn alle Besuchenden besteigen. Nach dem Gondelunglück vom 18. März, bei dem eine Frau verstarb, verzichten die Bergbahnen auf grosse Eröffnungsfeierlichkeiten.

Kantonsgrenzen versetzen

Der Aufwand für das Gesamtvorhaben der Bergbahnen ist gross. Bislang lief alles nach Plan. Verwaltungsratspräsident und Nidwaldner FDP-Ständerat Hans Wicki sagte, die zeitlichen und finanziellen Vorgaben würden eingehalten.

Wie der Verwaltungsrat und Präsident der Baukommission, Patrick Zwyssig, ausführte, seien dafür Zusammenarbeit und Diskussionen nötig, ob mit dem Architekturbüro oder mit Behörden. Das Projekt führte gar zu einem Landabtausch von etwa 1500 Quadratmetern zwischen den Kantonen Bern und Obwalden, sodass die Berginfrastruktur nun ganz auf Obwaldner Boden entsteht.

Nicht gerade die Berge, von denen das Transportunternehmen lebt, aber zumindest Kantonsgrenzen will es für sein «Generationenprojekt» versetzen.

(AWP)