Die Aktien von Sandoz setzen am Mittwoch ihren Sinkflug der vergangenen Wochen fort. Sie fallen um 3,2 Prozent auf 64,40 Franken und stehen damit nun 13,8 Prozent unter dem Allzeithoch, das sie Ende Juni bei 74,72 Franken erreicht hatten.

Grund für den Rücksetzer am Mittwoch ist eine weitere Zollankündigung des amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Ab August 2028 will er in die USA importierte Generika mit einem 100-Prozent-Zoll belegen. Ein Jahr später soll der Satz auf 200 Prozent angehoben werden. «Dies geschieht, um die Produktion von Generika wieder in die USA zurückzuverlagern, wobei Unternehmen, die sich entscheiden, innerhalb der ihnen gesetzten Frist keine Anlagen und Ausrüstung zu errichten, mit einer Strafe belegt werden», begründete Trump die Massnahme in einem Beitrag auf seiner Online-Plattform Truth Social.

Unter Analysten herrscht nun eine Art erhöhte Aufmerksamkeit, aber keine Panik. Vontobel-Analyst Schneider bleibt beim «Hold»-Rating und dem 75-Franken-Kursziel für Sandoz. Urban Fritsche, der zuständige Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB), stuft Sandoz weiterhin mit «Übergewichten» ein. Beide verweisen darauf, dass der Generikaspezialist aus Basel 22 Prozent des Umsatzes in Nordamerika erwirtschaftet. Das Unternehmen hat laut Schneider aber keine Produktion in den USA. Daher wäre Sandoz wohl in begrenztem Mass betroffen, sollten die Zölle so wie angekündigt eingeführt werden.

Derweil ist der US-Präsident bekannt dafür, dass er massive Drohungen äussert, um Verhandlungsmasse gegenüber den Handelspartnern der Vereinigten Staaten aufzubauen. Es ist deshalb fraglich, ob Trump seine Ankündigung eins zu eins in die Tat umsetzt.

Gegen eine konsequente Umsetzung sprechen jedenfalls wirtschaftliche Überlegungen. 90 Prozent aller Pharmaprodukte seien Generika und diese würden hauptsächlich ausserhalb der USA hergestellt, hält Urban Fritsche von der ZKB fest. «Zölle könnten zu erheblichen Lieferengpässen bei lebenswichtige Medikamenten führen, was sich die USA schlicht nicht leisten kann.» Der Experte denkt, dass es «sehr unwahrscheinlich» ist, dass je Zölle auf Generika eingeführt werden. «Und wenn, dann nur sehr limitiert.»

Ähnliches schreibt Stefan Schneider von der Bank Vontobel. Er knüpft an der Tatsache an, dass die Produktion erschwinglicher Generika schon seit Langem in kostengünstigere Länder als die USA verlagert wurde. Der Vorstoss der US-Regierung wolle diese Entwicklung rückgängig machen, «was schwierig erscheint, da dies die Preise für Generika in den USA erhöhen würde». Hintergrund dessen ist, dass Generikahersteller geringe Margen und deshalb bei den Kosten nur wenig Spielraum haben. 

Höhere Preise für Generika können nicht im Interesse der US-Regierung sein. Diese befindet sich in den kommenden Monaten ohnehin im Wahlkampfmodus, da die Zwischenwahlen im November anstehen. Im Herbst 2028, kurz nachdem die Generikazölle eingeführt werden sollen, finden auch die US-Präsidentschaftswahlen und damit die Bewährungsprobe für Donald Trump statt.

Reto Zanettin
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