Unter den Schweizer Aktien, die aus der Bauindustrie stammen, war in den vergangenen Monaten vor allem Holcim prominent. Dies durchaus zu Recht: Die Valoren zogen 2025 um mehr als 70 Prozent an und hängten damit alle anderen Titel des Swiss Market Index (SMI) ab; am zweibesten schnitten die Aktien der UBS ab (plus 33 Prozent).

Doch es gibt eine Bau-Aktie, die in den letzten Monaten noch stärker als Holcim war: Implenia gewann seit Anfang vergangenen Jahres 150 Prozent, die Aktie hob bei rund 30 Franken ab und erreichte in den ersten Januar-Tagen 2026 das Allzeithoch bei 83 Franken. Andere Bauwerte des Schweizer Aktienmarktes waren schwächer: Sika verlor bis dato 30 Prozent, gestiegen sind Amrize (plus 14 Prozent), Geberit (plus 24 Prozent) und Holcim (plus 77 Prozent) - wobei die Anteilsscheine von Amrize im Juni in den SMI aufgenommen wurden.

Jüngste Episode in der Erfolgsgeschichte von Implenia: Das in Opfikon ZH beheimatete Unternehmen erhielt zusammen mit Marti, einer anderen Baufirma, den Zuschlag für ein Bahnprojekt zwischen Zürich und Winterthur. Der Auftrag beläuft sich auf rund 1,7 Milliarden Franken, an Implenia sollen davon rund 830 Millionen Franken fliessen. Das Vorgaben läuft über zehn Jahre hinweg.

Auf die Nachricht hin griffen die Anleger erneut zu. Die Aktie stieg an diesem Handelstag der ersten Börsenwoche 2026 um 6,3 Prozent und erreichte den bisherigen Rekordstand von 83 Franken.

Geschäft durch die Präsenz in Deutschland geprägt

Das langfristige Abschneiden an der Börse wird allerdings nicht nur vom Geschäft in der Schweiz getragen, sondern auch durch die Präsenz in Deutschland geprägt. In diesem Markt macht Implenia 26 Prozent des Konzernumsatzes. Es ist der zweitwichtigste Markt, nach der Schweiz, in der Implenia die Hälfte des Umsatzes erzielt. In anderen Ländern - Schweden, Norwegen, Franken zum Beispiel - ist das Unternehmen weniger stark aktiv.

Just in Deutschland laufen nun aber milliardenschwere staatliche Investitionen in die Infrastruktur. In den Worten des Finanzministers: «Wir investieren jetzt so stark wie noch nie.» Die Mittel wurden zum Jahresanfang 2025 verfügbar gemacht, total sollen über die nächsten Jahre 500 Milliarden Euro in Infrastruktur und Klimaneutralität gesteckt werden.

Man muss sich dies als durchaus langfristigen, mitunter aufwendigen Prozess vorstellen. Die Projekte müssen ja geplant, ausgeschrieben, vergeben und dann umgesetzt werden. Eine Entwicklung der öffentlichen Investitionen hat aber schon eingesetzt. Laut Angaben der deutschen Förderbank KfW sind sie 2025 vor dem Hintergrund der staatlichen Offensive «tatsächlich deutlich gestiegen», und zwar um über 3 Prozent im Vergleich zu 2024. 2026 soll es «zu einer weiteren Beschleunigung der staatlichen Investitionen kommen», so die KfW. Den Daten zufolge wird mehr als die Hälfte der Mittel für Wohnbauten, Strassen, Brücken, Schulgebäude und dergleichen verwendet, Gelder fliessen auch in die Verteidigung sowie in Forschung und IT. 

Zum Halbjahresbericht 2025 sprach CEO Jens Vollmar auch über den in den ersten sechs Monaten gestiegenen Auftragsbestand. Im Infrastrukturbereich sei er «sehr positiv» und werde weiter wachsen. Eine positive Entwicklung sah Vollmar namentlich in Deutschland. «Wir haben nicht nur Wachstum in der Schweiz. Wir haben auch etwas Wachstum in Deutschland».

Dass die anziehenden Infrastrukturinvestitionen in Deutschland gut für die Geschäfte von Implenia sind, hat auch der zuständige Analyst der UBS festgehalten. Der Baukonzern profitiere insbesondere im Tunnelbau, in dem er einen Marktanteil von 31 Prozent aufweise. Der Experte veranschlagt das Kursziel bei 75 Franken, was unter der aktuellen Notierung liegt, aber dem Konsens der von Bloomberg erfassten Analysten entspricht.

Entweder sie gehen nun über die Bücher und passen ihre Preisziele nach oben an. Oder sie bestätigen ihre Einschätzung und deuten damit an, dass die Aktie zurzeit mehr wert ist, als sie mittelfristig sein kann. Unter anderem ausschlaggebend wird sein, wie erfolgreich Implenia am deutschen Infrastrukturausbau partizipiert. Aufschlüsse wird es voraussichtlich zum Jahresbericht des Managements, der Anfang März stattfindet, geben.

Dass die hochgestiegene Aktie bisweilen empfindlich reagiert und anfälliger geworden ist für Korrekturen, haben die vergangenen Handelstage gezeigt. In diesen verlor sie 7,5 Prozent, bevor sie am Mittwoch wieder anzog.

Holcim und Amrize gefragt

Aktuell ist die Stimmung zu den anderen Schweizer Bau-Aktien mehrheitlich weiter positiv oder zumindest vorfrühlingshaft anmuted. Die Valoren von Holcim (plus 1,8 Prozent), Geberit und Amrize (je plus 2,6 Prozent) haben sich im angebrochenen Börsenjahr verbessert, Sika ist hingegen wiederum zurückgefallen (minus 7,1 Prozent). 

Mehrere Kursziele trafen für Holcim ein. Am Mittwoch ging Barclays auf 89 von 82 Franken, am Dienstag erhöhte die Bank Vontobel von auf 86 von 78 Franken. Beide zuständigen Experten stufen die Aktie mit «Buy» ein.

Amrize wurde diese Woche zweimal mit «Hold» eingewertet, die Experten von Barclays und der Bank of America erhöhten dabei die Preisziele auf 43 von 41 Franken beziehungsweise auf 46 von 44 Franken. Die Aktie notiert gegenwärtig bei 44,70 Franken. Am ersten Tag an der Schweizer Börse gingen sie mit 39,31 Franken aus dem Handel, nachdem sie bei 46 Franken gestartet waren.

Sika überzeugt weiterhin nicht. Nach der Zahlenvorlage am Dienstag sackte die Aktie ab. Am Mittwoch senkte die Royal Bank of Canada das Kursziel auf 169 von 184 Franken. Die Begründung: tiefere organische Wachstumserwartungen, Wechselkurseffekte und die Margenziele.

Geberit wird am Donnerstag erste Informationen zu 2025 bekannt geben. Gemäss dem AWP-Konsens dürfte der Umsatz leicht gestiegen sein, die organische Entwicklung angezogen haben.

Reto Zanettin
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