Die grössten Investoren der Welt dürften in nächster Zeit aufgrund ihrer eigenen Richtlinien gezwungen sein, grössere Milliardenbeträge von Aktien in Obligationen umzuschichten. Darunter befinden sich nach einem Kommentar von JP-Morgan-Analyst Nikolaus Panigirtzogou die Norges Bank, die Norwegens Staatsfonds verwaltet, oder der Pensionsfonds der japanischen Regierung GPIF. Er gilt als grösste Pensionskasse der Welt.
Umgeschichtet wird bei vielen Vermögensverwaltern deswegen, weil sie regelmässig ein so genanntes Rebalancing vornehmen. In periodischen Abständen wird die ursprüngliche Aufteilung von Anlageklassen wiederhergestellt, um auch den internen Vorgaben zu folgen. Für viele Asset Manager, Fonds und andere professionelle Grossanleger gilt das Prinzip einer Aufteilung 60:40. 60 Prozent der Anlagen sind Aktien, 40 Prozent Obligationen, oder Bonds.
Deutlicher Anstieg der Aktienkurse
Wenn nun Aktien im Kurs stärker steigen als Obligationen, dann verändert sich das Verhältnis zu Ungunsten der Bonds. Also werden Aktien verkauft. Zuletzt haben die Aktienmärkte deutlich zulegt, nicht zuletzt dank mehrerer Forschungserfolge von Firmen, die Impfstoffe gegen das Coronavirus entwickeln. Auch der Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA hat die Anleger beruhigt. Weltweit haben Aktienwerte allein im November rund 10 Prozent dazugewonnen, dies gemessen an Daten des Finanzdienstleisters und Indexanbieters MSCI.
JPMorgen sieht für den Markt deswegen Unruhe aufkommen: "Wir sehen eine gewisse Anfälligkeit des Aktienmarktes, die vom sieben Billionen Dollar schweren Anlageuniversum von Fonds ausgeht, die ihre Portfolios ausbalancieren", schrieben die Analysten Ende der vergangenen Woche.
Bis Ende November könnten die Vermögensverwalter im Zuge ihrer Rebalancings Werte in Höhe von bis zu 160 Milliarden Franken verkaufen müssen, heisst es in Bericht. Bis Ende 2020 könnten weitere 150 Milliarden Dollar an Aktien auf den Markt geworfen werden. Oft ist der Zeitpunkt für ein Rebalancing das Ende eines Quartals.
Wie ein Rebalancing funktioniert, beschreibt cash.ch hier. |
Beim Rebalancing wird einerseits das gewählte Risikoprofil eines Portfolios beibehalten. Das Motiv hinter diesen Vorgang ist aber auch, antizyklisch anzulegen: Bei Anlagen, die gut gelaufen sind, wird verkauft. Bei Anlagen mit gefallenden Kursen wird zugekauft. Teuer gewordene Titel werden reduziert, günstigere Investments ausgebaut.
Auf längere Sicht kann diese die Rendite optimieren, wenn sich Kurse langfristig einem Mittelwert nähern. Für Kleinanleger mag ein Rebalancing aufgrund der Transaktionskosten nicht immer sinnvoll sein - bei Multimilliarden-Fonds hingegen gehört es zum Standard.
Mit Material der Nachrichtenagentur Bloomberg.
