Die sogenannten Wimbledon-Debentures – eine Anleihe, die für fünf Jahre ab 2026 einen garantierten Sitzplatz auf dem Centre Court bietet – wurden laut dem offiziellen Wimbledon-Broker Dowgate Capital im April für bis zu 380'000 Pfund gehandelt. Damit haben sich die Preise innerhalb von zwei Jahren mehr als verdreifacht.

Die aktuellen Preise für den Besuch des wohl prestigeträchtigsten Tennisturniers der Welt liegen damit mehr als dreimal so hoch wie der Ausgabepreis von 116'000 Pfund im April 2024 und fast doppelt so hoch wie das Handelsniveau im vergangenen Jahr.

Angetrieben wird die Nachfrage durch die wachsende Tennis-Rivalität zwischen dem Italiener Jannik Sinner und dem Spanier Carlos Alcaraz sowie durch die Erwartung, dass hochklassige Sportveranstaltungen zunehmend eine Form von Luxusunterhaltung werden. «Seit 18 Monaten gibt es ununterbrochen Kaufinteresse von Menschen aus aller Welt, die Wimbledon-Debentures erwerben wollen», sagte Tim Webb, Handelschef von Dowgate. Die Nachfrage sei in Indien und im Nahen Osten gestiegen, werde aber weiterhin vom US-Markt dominiert, fügte er hinzu.

Wichtige Finanzierungsquelle

Für den All England Lawn Tennis Club, der Wimbledon organisiert, sind die Debentures eine wichtige Finanzierungsquelle. Seit ihrer Einführung vor mehr als einem Jahrhundert tragen sie zur Finanzierung von Instandhaltung und Ausbau bei. Die Erlöse sollen unter anderem Pläne für 39 zusätzliche Plätze und ein Stadion mit 8000 Sitzplätzen finanzieren. Im Gegenzug erhalten Inhaber erstklassige Sitzplätze sowie Zugang zu VIP-Lounges und Restaurants während des Turniers, das am kommenden Montag beginnt.

Für Investoren sind die Debentures äusserst lukrative Vermögenswerte. Es handelt sich um die einzigen handelbaren Wimbledon-Tickets, wodurch Eigentümer einzelne Spieltage oder die gesamte Debenture weiterverkaufen können. Bei einem Preis von 380'000 Pfund für eine fünfjährige Debenture entspricht dies umgerechnet mehr als 5400 Pfund pro Spieltag, da das Turnier zwei Wochen dauert.

Die meisten Fans nehmen an der öffentlichen Ticketverlosung teil, bei der Karten für einige Hundert Pfund erhältlich sind. Wer leer ausgeht oder eine günstigere Möglichkeit sucht, kann sich in die Warteschlange einreihen und oft stundenlang oder über Nacht warten, um eine Tageskarte für die Aussenplätze zu erwerben.

Wohlhabende Besucher können sich dagegen direkten Zugang verschaffen. Beim Wiederverkäufer Wimbledon Debenture Holders kostet das günstigste aktuelle Tagesangebot für zwei Sitzplätze auf Court No. 1, der zweitgrössten Arena, 2390 Pfund. Ein Paar Debenture-Sitzplätze für das Herrenfinale auf dem Centre Court werden für fast 23'000 Pfund gehandelt.

Begrenzter Zugang

Der Zugang zu den Debentures selbst ist deutlich stärker begrenzt. Grundsätzlich kann jeder mit ausreichenden finanziellen Mitteln einen Antrag stellen, doch es gibt lediglich 2520 Debentures für den Centre Court und 1250 für Court No. 1. Vorrang haben bestehende Inhaber, die verlängern möchten. Viele Debentures befinden sich seit Generationen im Besitz derselben Familien. Das erklärt, warum die jüngste Emission ihren Wert verdreifacht hat.

«Sofern man seine Debentures nicht schon seit Ewigkeiten besitzt, muss man einen Aufpreis zahlen, um ins Register aufgenommen zu werden», sagte Natasha Bhatia, Gründerin des Wimbledon-Debenture-Marktplatzes Green & Purple. «Die Leute sehen den primären Ausgabepreis von 116'000 Pfund und denken, das sei ein Schnäppchen. Zu diesem Preis kann man aber nicht kaufen, wenn man nicht bereits dabei ist.»

(Bloomberg/cash)

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