Innert fünf Handelstagen haben die Aktien des Quanten-Computer-Herstellers Ionq um rund 60 Prozent zugelegt. Am vergangenen Freitag gingen sie bei 46 Dollar - dem höchsten Stand seit Ende Januar - aus dem Handel. Ähnliches sahen die Investoren bei Aktien anderer Quanten-Computer-Unternehmen. Auf Wochensicht legten auch Titel wie D-Wave (plus 54 Prozent), Infleqtion (plus 40 Prozent), Quantum Computing (plus 38 Prozent) und Rigetti Computing (plus 37 Prozent) markant zu.

Zu den zuvor erreichten Hochs bleibt jedoch ein deutlicher Rückstand. Etwa notieren die Aktien von Quantum Computing momentan rund 60 Prozent tiefer als im Herbst 2025; und den Titeln von Ionq fehlen über 40 Prozent zum Rekord des vergangenen Oktobers. Schlichte gesagt: Quanten-Aktien waren hoch gestiegen, tief gefallen und sind nun wieder in Schwung gekommen.

«Quanten-Aktien waren überverkauft, was zu einer Art ‹gespannter Feder› führte, sodass jede positive Nachricht oder jeder Durchbruch das Potenzial hatte, die Stimmung zu kippen», erklärt Antoine Legault, zuständiger Analyst des Vermögensverwalters Wedbush.

Jene positive Nachricht, von welcher der Wedbush-Experte sprach, kam vom Chip-Riesen Nvidia. Dieser hatte eine KI-Lösung an den Start gebracht, die Forschern und Unternehmen helfen soll, Quantenprozessoren weiterzuentwickeln. Das Modell hat nun die Zuversicht geweckt, dass Künstliche Intelligenz (KI) das Quanten-Computing stärker voranbringen, skalierbar und nutzergerechter machen kann. Entsprechend zogen die Aktien der Quanten-Unternehmen an. 

In Zweifel steht unterdessen, ob Anleger die wieder aufgekommene Zuversicht teilen und in die Hersteller von Quanten-Computern investieren sollen. Ein klares Ja legen die Anlageempfehlungen der von Bloomberg erfassten Analysten nahe. 14 von 14 Experten stufen die Aktie von D-Wave mit «Buy» ein. Bei Rigetti Computing sind es neun von elf Analysten, welche zum Kauf der Valoren raten. Die Aktie von Ionq wiederum steht bei neun von zwölf Spezialisten auf der Einkaufsliste. Umgekehrt gibt es für keinen dieser Titel eine Verkaufsempfehlung.

So eindeutig die Ratings verteilt sind, so gedämpft jedoch auch die Euphorie zur Entwicklung der Quanten-Technologie. «Quanten-Computing ist noch immer eine ‹Show-me-Story›», sagt Erik Woodring von der US-Bank Morgan Stanley. Der Beweis, dass die Technologie sogenannt fehlertolerant funktioniert, dürfte dem Morgan-Stanley-Experten zufolge erst in einigen Jahren erbracht sein. Fehlertoleranz bedeutet, dass das System weiterrechnen kann, auch wenn Fehler auftreten. Sie gibt also an, ob und wie zuverlässig ein Rechner arbeitet.

Die technischen Ansätze von D-Wave, Ionq und anderen Unternehmen unterscheiden sich mitunter stark, und «es ist derzeit immer noch offen, ob und welche dieser Ansätze langfristig zu Quantencomputern führen werden, die klassischen Rechnern hinsichtlich der Lösung praktischer Probleme überlegen sind», schreiben die Fachleute des in Berlin ansässigen Kompetenzzentrums Öffentliche IT. Sie haben auch untersucht, wie gut die auf Quantentechnologie fokussierten Unternehmen wirtschaftlich abschneiden. Das Fazit: Die Unternehmen seien «weit davon entfernt, profitabel zu sein», heisst es in der Notiz, welche im März erschienen ist und die Jahre 2021 bis 2025 umfasst.

Das Potenzial der Technologie ist indes erheblich. Herkömmliche Rechner kennen nur zwei Zustände - 0 oder 1. In Quantencomputern überlagern sich diese Zustände, sodass die Systeme schneller arbeiten und Berechnungen durchführen können, die klassische Computer nur unter enormem Aufwand abarbeiten können. Ein Anwendungsfeld sind datenintensive Simulationen, etwa zur Wechselwirkung von Molekülen. Die Erkenntnisse daraus sind wichtig für die Entwicklung von Arzneimitteln. Gut nachvollziehbar ist daher, dass grosse Hoffnungen in das Quanten-Computing gesetzt werden. Fachleute raten dennoch zu Umsicht beim Investieren. Denn die technologischen Fortschritte können durchaus erst später als gedacht Tatsache werden.

Reto Zanettin
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