Der technologielastige Index Nasdaq 100 und der breit gefasste S&P 500 Index eilen von Rekord zu Rekord. Die Private Banker von JPMorgan trauen dem S&P 500 Index nun in einem optimistischen Szenario sogar einen Vorstoss auf 9000 Punkte zum Jahresende zu. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von 20 Prozent. 

Die JPMorgan-Experten sehen die fortgesetzte Rally primär durch einen breiten KI-Superzyklus angetrieben, der nicht nur dem Tech-Sektor, sondern der gesamten US-Wirtschaft durch eine umfassende KI-Adaption Rekordgewinne beschere. Die Investitionen der Cloud-Giganten in die KI-Infrastruktur wirkten dabei wie ein enormes Konjunkturpaket für die Privatwirtschaft, das die Produktivität und die Gewinnmargen ähnlich stark steigern soll wie im Boom der späten 1990er Jahre.

Derart optimistisch geben sich die oftmals mit Rekordkurszielen auffallenden Experten von Goldman Sachs nicht. Die Investmentbanker aus New York erhöhten ihre Prognose für den S&P 500 zum Jahresende 2026 «nur» auf 8000 von 7600 Punkten. Am Mittwoch, kurz nach Börsenbeginn, steht der Leitindex bei 7518 Punkten. 

«Das Gewinnwachstum hat die gesamte Rendite des S&P 500 in diesem Jahr bisher getragen, und wir gehen davon aus, dass sich diese Dynamik in den kommenden Monaten fortsetzen wird», schrieben die Strategen von Goldman Sachs in einer Mitteilung am Dienstag. Die Gewinnprognose je Aktie für den S&P 500 wurde auf 340 US-Dollar für 2026 angehoben, was einem Wachstum von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Für 2027 sehen die Experten einen weiteren Anstieg der Gewinne um 13 Prozent auf 385 US-Dollar.

Die Nutzniesser der KI-Infrastruktur werden voraussichtlich etwa die Hälfte des Gewinnwachstums des Index in diesem Jahr generieren. Zwar stellen schwache Konsumausgaben und hohe Kosten Risiken dar, doch würden starke KI-Investitionen diese Belastungen ausgleichen. «Darüber hinaus sind die Gewinnschätzungen für den S&P 500 zwar schneller gestiegen als der Indexkurs. Doch die Halbleiteraktien, die das Herzstück der KI-Infrastruktur bilden, haben ihre erwarteten Gewinne zuletzt übertroffen», so die Beobachtung von Goldman Sachs.

Optimismus weit und breit

In der vergangenen Woche hatte die Schweizer Grossbank UBS das Kursziel für den S&P-500-Index auf 7900 Punkte angehoben. Aktienanleger seien weiterhin optimistisch, da die Gewinnlage insbesondere in KI-Investitions‑abhängigen Sektoren, solide genug sei, um die Risikobereitschaft aufrechtzuerhalten, wie Mark Haefele, CIO UBS Global Wealth Management, in einer Kundennotiz festhielt.

«US-Unternehmen verzeichneten im ersten Quartal das stärkste Gewinnwachstum seit vier Jahren. Trotz der geopolitischen Spannungen blieben die Ölpreise seit Ende März nahezu unverändert. Dies bestätigt unseren Ansatz, uns auf die Fundamentaldaten zu konzentrieren, anstatt uns von Schlagzeilen beeinflussen zu lassen», so Haefele von der UBS weiter. 

Ähnlich wie die Experten von JPMorgan sehen die UBS-Experten in einem optimistischen Szenario noch weiteres Kurspotenzial bis zum Jahresende. In diesem Falle könnte der Index auf 8700 Punkte steigen, falls folgende Punkte Tatsache werden.

Erstens benötigt es eine geopolitische Deeskalation mit einer raschen Lösung des Konflikts zwischen den USA und dem Iran - verbunden mit der Wiedereröffnung der Strasse von Hormus innerhalb von vier Wochen. Dies würde den Ölpreis unter 90 Dollar pro Barrel stabilisieren. In der geopolitischen Arena benötigt es zudem einen Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine mit starken Sicherheitsgarantien.

Ferner weisen die UBS-Experten auf die Künstliche Intelligenz (KI) als einen entscheidenden Wendepunkt hin, weil die Investitionen in KI und deren Anwendung die Erwartungen übertreffen. Diese Erwartungen an höhere Renditen steigen dabei aufgrund von überdurchschnittlichem Umsatzwachstum oder Produktivitätssteigerungen.

Ebenso entscheidend sei zudem eine mildere US-Zollpolitik im Falle von neuen Handelsabkommen und Ausnahmeregelungen, bei der der Zollsatz unter 10 Prozent sinke. Ein gesunder Konsum, dynamische Investitionen und ein starkes Produktivitätswachstum würden es der US-Wirtschaft in diesem Falle erlauben, bis Ende 2026 um 2,5 bis 3,0 Prozent zu wachsen. Dabei würden verbleibende negative Zolleffekte durch Deregulierung und niedrigere Steuern ausgeglichen.

Thomas Daniel Marti
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