Damit solle die steigende Stromnachfrage von Rechenzentren, Elektromobilität und der Industrie bedient werden, teilte ABB am Montag mit. Das auf drei Jahre angelegte Programm umfasse 100 Millionen Dollar für ein neues Werk im norditalienischen Dalmine. Weitere 100 Millionen Dollar flössen in die Erweiterung bestehender Standorte in Bulgarien, Finnland, Deutschland, Norwegen und Polen. In Deutschland gehe es um das ABB-Werk in Ratingen. Je nach Produktlinie würden die europäischen Produktionskapazitäten von ABB für Mittelspannungsprodukte dadurch um 50 bis 300 Prozent steigen. Zudem entstehen rund 800 neue Arbeitsplätze.
Die Investition soll die Kapazitäten für Verteilnetzanlagen erhöhen, mit denen Fabriken, Krankenhäuser und grosse Gebäude mit Strom versorgt werden. «Die Nachfrage nach Elektrifizierung steigt immer weiter», sagte Adrian Guggisberg, Leiter der ABB-Sparte Distribution Solutions, der Nachrichtenagentur Reuters. Dieses Wachstum sei keine kurzfristige Entwicklung. Vielmehr spiegele es strukturelle Veränderungen wider. Dazu gehörten der Bau von Rechenzentren für Künstliche Intelligenz (KI), die zunehmende Nutzung von Elektrofahrzeugen und Wärmepumpen sowie die Dekarbonisierung der Industrie.
Guggisberg erklärte, ABB reagiere auf den stark gestiegenen Bedarf von Versorgern und Netzbetreibern. Hintergrund seien der wachsende Stromverbrauch und der Ausbau der Stromnetze. Zu den Kunden von ABB zählen viele der grössten europäischen Energieversorger, darunter E.ON in Deutschland und die zum französischen EDF-Konzern gehörende Enedis. «Es gibt eine grössere Nachfrage nach Heizung und Kühlung, aber auch durch die Rückverlagerung von Industriezweigen», sagte Guggisberg. «Ausserdem treiben die Unternehmen ihre Dekarbonisierung voran und stellen von fossilen Brennstoffen auf Strom um, was den Bedarf weiter in die Höhe treibt.»
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) wächst der Strombedarf schneller als der Gesamtenergieverbrauch. Bis 2030 wird Strom voraussichtlich knapp 30 Prozent des Endenergieverbrauchs ausmachen, gegenüber heute etwa 20 Prozent. Dies mache Investitionen in die Stromnetze immer wichtiger und treibe die Nachfrage nach Mittelspannungsanlagen an, betonte Guggisberg.
(Reuters)

