Kaum Chancen geben Umfragen von Mitte Februar der SRG-Halbierungsinitiative und der Klimafondsinitiative.
Gemäss der 2. Welle der 20 Minuten-/Tamedia-Abstimmungsumfrage vom 18 und 19. Februar, deren Ergebnisse am Mittwoch veröffentlicht wurden, wird die Bargeldinitiative von 53 Prozent der Befragten unterstützt, der Gegenvorschlag der Bargeldinitiative gar von 65 Prozent. Die Einführung der Individualbesteuerung wird ebenfalls von einer Mehrheit von 53 Prozent der Stimmberechtigten befürwortet.
Die SRG-Halbierungsinitiative hingegen lehnen 57 Prozent der Befragten ab und die Klimafondsinitiative gar 68 Prozent.
Noch deutlicher für die Bargeldinitiative sprachen sich die Befragten in der SRG-Umfrage zwischen 11. und 19. Februar aus, nämlich 61 Prozent, für den Gegenvorschlag gar 70 Prozent. Für die Individualbesteuerung wäre das Ergebnis mit 52 Prozent Ja-Stimmen etwas knapper gewesen.
Knapp verworfen worden wäre die SRG-Halbierungsinitiative mit 54 Prozent. Und die Klimafondsinitiative wäre mit 65 Prozent Gegenstimmen deutlich gescheitert.
Bei der Befragung des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Yougov zeigte sich, dass 52 Prozent der Bargeld-Initiative zustimmen würden. Dem Gegenvorschlag gar 63 Prozent. Nicht ganz so viel Zustimmung wie bei den anderen Umfragen erhielt die Individualbesteuerung. 49 Prozent sagten Ja und 44 Prozent Nein. Rund 8 Prozent sind unentschlossen.
Deutlich abgelehnt wird die SRG-Initiative mit 58 Prozent Nein-Stimmen. Einen noch schwereren Stand hat die Klimafondsinitiative, sie erreicht einen Ja-Stimmen-Anteil von 20 Prozent.
Keine Bargeld-Mehrheit bei Jüngeren
Die Bargeldinitiative wird laut 20 Minuten/Tamedia-Umfrage einzig von der Anhängerschaft der SVP unterstützt. Der Gegenvorschlag wiederum wird von der Anhängerschaft aller grossen Parteien unterstützt - das heisst von Grünen, SP, GLP, Mitte, FDP und SVP. Besonders hoch ist die Zustimmung bei den Sympathisierenden von FDP und Mitte. Die SRG-Umfrage zeigt ähnliche Parteibindungen beim Abstimmungsverhalten.
Bei Frauen und Männern ist die Zustimmung gemäss 20 Minuten/Tamedia gleich hoch. Auch in allen Sprachgruppen und Siedlungstypen findet die Initiative mehrheitlich Zustimmung. In der Deutschschweiz und in Städten fällt diese Mehrheit jedoch sehr knapp aus.
Keine Mehrheit erreicht die Initiative bei den 18- bis 34-Jährigen und bei Personen mit höherer Bildung. Ebenfalls nicht mehrheitsfähig ist sie bei Menschen mit einem monatlichen Einkommen von über 10'000 Franken.
Bei der Einführung der Invidualbesteuerung sieht die SRG-Umfrage ein deutliches Bröckeln der Zustimmung. Es finde eine Verlagerung der Optik weg von der gut akzeptierten Idee hin zu den Schwächen der Vorlage statt, heisst es in der Analyse der Umfrageergebnisse. Ein Rückgang von 12 Prozentpunkten beim Ja innerhalb eines knappen Monats sei ausserordentlich hoch. Die Meinungsbildung sei allerdings erst mittelmässig fortgeschritten. Somit bleibe Spielraum.
SRG-Halbierung: SVP und eher Jüngere
Die SRG-Halbierungsinitiative wird gemäss 20 Minuten/Tamedia-Umfrage nur von der Anhängerschaft der SVP mehrheitlich unterstützt - dort allerdings sehr deutlich mit 80 Prozent. Bei allen anderen befragten Parteisympathisierenden wird sie klar abgelehnt. Besonders hoch ist der Nein-Anteil bei SP, Grünen und GLP.
Die Ablehnung ist bei den Frauen mit 60 Prozent Nein stärker als bei den Männern mit 54 Prozent. In allen Sprachregionen überwiegt das Nein, am deutlichsten in der Romandie mit 60 Prozent. Weder in städtischen noch in ländlichen Gebieten findet die Vorlage eine Mehrheit. Auch in keiner Einkommensklasse reicht es für eine Zustimmung.
Eine Mehrheit erzielt die SRG-Halbierungsinitiative einzig bei den beiden jüngsten Altersgruppen der 18- bis 34-Jährigen und den 35- bis 49-Jährigen sowie bei Personen mit lediglich obligatorischer Schulbildung.
Klimafonds-Ja nur bei Grünen und SP
Die Klimafondsinitiative wird laut 20 Minuten/Tamedia-Umfrage von der Anhängerschaft der Grünen und der SP mit 77 beziehungsweise 62 Prozent Ja deutlich unterstützt. Die Sympathisierenden von GLP, Mitte, FDP und SVP lehnen die Initiative hingegen ab, wobei die Ablehnung in der SVP- und FDP-Basis besonders stark ausfällt.
In keiner relevanten gesellschaftlichen Gruppe erreicht die Klimafondsinitiative eine Mehrheit. Nennenswerte Unterschiede in der Stimmabsicht zeigen sich jedoch nach Geschlecht, Siedlungstyp und Bildungsniveau: Frauen, in städtischen Gebieten lebende Stimmberechtigte sowie Personen mit einem Hochschulabschluss weisen eine höhere Zustimmung auf.
Für die Befürwortenden fällt vor allem das Kernargument ins Gewicht, wonach die Initiative den Schutz von Klima und Natur zur öffentlichen Aufgabe mache. Klimaschutz würde so gerecht finanziert und es würde niemand allein gelassen.
14'570 Personen aus der ganzen Schweiz nahmen am 18. und 19. Februar an der zweiten Welle der Umfrage von 20 Minuten und Tamedia im Vorfeld der eidgenössischen Abstimmungen vom 8. März teil. Die Umfrage wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut Leewas in Luzern durchgeführt.
Die zweite Welle der SRG-SSR-Trendbefragung wurde vom Forschungsinstitut gfs.bern zwischen dem 11. und dem 19. Februar bei 11'754 Stimmberechtigten durchgeführt. Yougov befragte für sein Stimmungsbarometer zwischen dem 9. und 23. Februar 3308 Stimmberechtigte über Online-Interviews.
(AWP)

