Die Agenda für die nächsten Wochen und Monate ist gesetzt. Noch vor Jahresende werden die Märkte Zinsentscheide der US-Notenbank Fed, der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Schweizerischen Nationalbank, doch auch den Ausgang der Kongresswahlen in den Vereinigten Staaten verdauen müssen.
Derweil deutet einiges auf einen weiterhin robusten Wirtschaftsgang hin. So sagen die Ökonomen der ETH-Konjunkturforschungstelle (KOF) ein 1,9-prozentiges Schweizer Wirtschaftswachstum im Jahr 2026 voraus. Derweil dürfte die US-Wirtschaft um 2,0 Prozent zulegen, während China um 4,5 Prozent und die Eurozone um 1,1 Prozent wachsen.
Das sind grundsätzlich positive Vorzeichen für die Aktienmärkte, insbesondere für zyklische Sektoren und damit die von Tech-Werten dominierte US-Börse. Doch auch der Schweizer Aktienmarkt bleibt im Fokus, da er sich aufgrund seines defensiven Profils bestens zur Diversifikation und Absicherung gegen nach wie vor bestehende Risiken eignet.
«Die international etablierten Unternehmen aus den Bereichen Pharma, nichtzyklischer Konsum und Versicherungen bieten robuste Gewinne, solide Bilanzen und eine geringere Konjunkturabhängigkeit», schreibt die Bank Julius Bär in einem kürzlich erschienenen Ausblick auf das vierte Quartal 2026. Sie bleibt in Schweizer Aktien übergewichtet und sieht Chancen nicht nur bei den Largecaps des Swiss Market Index (SMI), sondern auch bei den klein- und mittelkapitalisierten Unternehmen. Gerade die spezialisierten Industrie-, Gesundheits- und Konsumgüterunternehmen, die unmittelbarer von einer Erholung des verarbeitenden Gewerbes und steigenden Investitionsausgaben in Europa profitieren, böten sich an.
Insofern haben Investorinnen und Investoren eine breite Auswahl an Einzeltiteln aus verschiedenen Sektoren.
Zurich
Vielversprechend sind beispielsweise die Aktien von Zurich Insurance, die schon im Laufe des Oktobers deutlichen Drall nach oben hatten und bei Julius Bär weiterhin mit einem «Buy»-Rating verzeichnet sowie unter den Empfehlungen für das vierte Quartal aufgelistet sind. Das Kursziel von 666 Franken deutet zudem den Aufstieg auf den höchsten Stand seit einem Vierteljahrhundert an.
Die Bilanz des Unternehmens sei sehr solide, und die kürzlich erfolgte Übernahme des britischen Spezialversicherers Beazley dürfte das künftige Wachstum stützen, so der zuständige Analyst von Julius Bär. Nicht minder zuversichtlich ist sein Berufskollege der Bank Berenberg, der nach wie vor das höchste Preisziel für Zurich Insurance überhaupt aufruft: 902 Franken, die - wenig überraschend - von einer Kaufempfehlung begleitet werden. Neben der Beazley-Übernahme würdigt der Berenberg-Experte auch die seiner Ansicht nach attraktive Bewertung: Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,4x für 2028 liegt den Schätzungen zufolge unter dem Schnitt der Jahre ab 2025 liegt.
Unter Anlegerinnen und Anlegern gilt Zurich Insurance auch aufgrund der Dividendenpolitik als verlässlicher Titel. Die Rendite von aktuell 4,8 Prozent übertrifft jene von Nestlé (3,7 Prozent) und Swiss Re (4,1 Prozent), die beide gleichfalls als Dividenden-Aktien gelten. Für das Geschäftsjahr 2025 schüttete Zurich 30 Franken je Aktie an die Investoren aus. Prognosen deuten eine schrittweise Anhebung auf 39 Franken für das Geschäftsjahr 2028 an. Damit könnte die Rendite selbst bei massiv steigendem Aktienkurs über 4 Prozent gehalten werden.
Roche
Das Pharmaunternehmen Roche hat am vergangenen Donnerstag die Umsatzzahlen des dritten Quartals vorgestellt und damit die Konsensprognosen übertroffen. Grössere Überraschungen gab es allerdings nicht, sodass die Titel unmittelbar nach der Zahlenvorlage nachgaben. Längerfristig hat der von CEO Thomas Schinecker geführte Konzern gute Perspektiven - «Ein Investment-Case in der Entstehung», vermerkte die Zürcher Kantonalbank (ZKB), als sie im September ihre Top-Ideen für die nächsten Monate präsentierte.
Roche steht vor zwei US-Zulassungsentscheiden für das Brustkrebsmittel Giredestrant, die im November beziehungsweise Dezember erwartet werden. Das Medikament gilt schon jetzt als Kassenschlager. Aktuelle Schätzungen gehen von einem Spitzeumsatz von 14 Milliarden Franken im Jahr 2033 aus. Zudem ist Fenebrutinib, ein Mittel gegen multiple Sklerose, in aussichtsreich, wobei auch hier Spitzeumsätze in Milliardenhöhe erwartet werden. «Nur ein Bruchteil des Potenzials von Giredestrant, Fenebrutinib, den Adipositas-Medikamenten und anderen Produkten ist eingepreist», schrieb die ZKB im September mit Blick auf den Investment-Case.
Investoren werden in den kommenden Wochen und Monaten nicht nur den Nachrichtenstrom zu Roche verfolgen, sondern auch beobachten, was die Konkurrenz macht. Relevant sind etwa der britische Pharmakonzern Astrazeneca und dessen Brustkrebsmedikament Camizestrant.
Alcon
Die Aktien des Augenheilspezialisten haben es unter die von der Bank Berenberg bevorzugten Schweizer Aktien geschafft; ein entsprechender Bericht ist vor wenigen Tagen unter dem Titel «Swiss Stockpicker Ideas» erschienen. Darin wird Alcon mit einem Preisziel von 85 Franken zum Kauf empfohlen. Der Zielwert liegt rund 50 Prozent über der aktuellen Notierung.
Nach Einschätzung der zuständigen Analysten ist Unternehmen aus der Westschweiz für Investoren der beste Weg, am «attraktiven» Markt für Ophthalmologie zu partizipieren. Alcon sei ein Innovationsführer und habe sich im US-Geschäft einen ausgeprägten Wettbewerbsvorteil verschafft.
Auch andere Aktien-Spezialisten sind von Alcon überzeugt. 14 Anlageurteile lauten auf «Kaufen» und je eines auf «Halten» beziehungsweise «Verkaufen». Julius Bär rät ebenfalls zum Kauf, gibt aber zu bedenken, dass eine stärkere Erholung des Aktienkurses eine umfassendere Verbesserung der Marktstimmung im Medizintechniksektor voraussetze. Eine solche Aufhellung wird womöglich erst mit den Ergebnissen für das vierte Quartal 2026 eintreten.
Accelleron
Seit dem Börsengang im Herbst 2022 ist die Aktie des Turboladerherstellers praktisch nur gestiegen. Das Allzeithoch wurde im Mai dieses Jahres bei 90 Franken erreicht. Seither haben die Titel gut einen Viertel ihres damaliges Preises verloren und stehen nun bei 66 Franken. Die Verluste gehen über blosse Gewinnmitnahmen hinaus. Skeptische Börsianer halten Accelleron gemessen an den Aussichten im Rechencentergeschäft für zu hoch bewertet. Dahinter stecken Bedenken, dass die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) Risse erfahren und so auch der Boom um die Rechenzentren sich abflachen könnte.
Die Analysten von Berenberg halten dagegen und listen den Konzern aus Baden auch unter ihren bevorzugten Schweizer Aktien auf. Investoren unterschätzten die Dauer des Schifffahrtszyklus, das Wachstumspotenzial des Energiegeschäfts und vor allem die Qualität des Service-Geschäfts, heisst es in dem 64-seitigen «Swiss-Stockpicker»-Bericht. Accelleron erwirtschafte inzwischen zwei Drittel des Umsatzes aus Dienstleistungen, wodurch das Unternehmen eher einem erstklassigen Industrieunternehmen mit stetigem Wertzuwachs gleiche als einem zyklischen Ausrüstungsanbieter. Das Kursziel von 94 Franken, flankiert von einem «Buy»-Rating, unterstreicht die Überzeugung der Berenberg-Experten. Sie liegen damit allerdings über dem Konsens, der die Accelleron-Valoren bei 81,67 Franken sehen, wobei auch dieser Wert klar über der aktuellen Notiz liegt.
Stadler Rail
Der Zugbauer hat mit den Halbjahreszahlen, die Ende August vorgestellt wurden, überrascht und so einen Kurssprung seiner Aktie ausgelöst. Das damals erreichte Hoch von 31,50 Franken wurde anschliessend vorübergehend preisgegeben. Aktuell halten sich die Titel wieder über der 30-Franken-Marke auf - womit die Analysten der ZKB schon ein erstes Mal recht bekommen haben. Im September, als sie ihre Favoriten für die nächsten Monate nannten, schrieben sie, der Turnaround sei mit den Halbjahreszahlen unter Beweis gestellt worden.
«Mit der endgültigen Bewältigung der Unwetterfolgen, Fortschritten am Standort Berlin und einem steigenden Anteil der margenstarken Bereiche Service und Signalling sehen wir auch nach dem deutlichen Wachstum 2026 weiteres Potenzial», heisst es in dem Bericht weiter. Die ZKB stuft Stadler Rail mit «Übergewichten» ein, der faire Wert je Aktie liegt bei 40,40 Franken.
Unter den von der Nachrichtenagentur AWP erfassten Experten sind nicht alle so zuversichtlich wie Analysten der ZKB. Das durchschnittliche Preisziel von 29,88 Franken weist auf mittelfristig sinkende Notierungen hin. Neben zwei Kaufempfehlungen gibt es fünf «Halten»- und ein «Verkaufen»-Rating.
R&S Group
Die Baselbieter R&S Group gehört zu hart abgestraften des Schweizer Aktienmarktes. Mitte August 2025 bezahlte man noch über 40 Franken je R&S-Aktie. Inzwischen kostet sie noch gut 17 Franken. Eine Kürzung der mittelfristigen Prognose, ein enttäuschendes erstes Halbjahr sowie ein CEO-Wechsel haben dem Titel des Trafoherstellers zugesetzt.
Doch gerade der Wechsel des Geschäftsleiters kann einen Neuanfang bringen. Die Ausgangslage dazu scheint gegeben. Das Unternehmen positioniert sich im Bau und Betrieb von Rechenzentren, bei Batteriespeichersystemen, im Ausbau industrieller Infrastruktur und bei Photovoltaikanwendungen.
Dies sind Märkte, die Wachstum versprechen, wenn auch - wie die Rechenzentren - kein risikofreies Terrain sind. Analysten trauen der Aktie auf mittlere Sicht 25 Franken zu. Abgelesen daran sind Rekordstände von wieder über 40 Franken vorerst nicht realistisch. Ein über 45-prozentiger Kursgewinn ist es hingegen schon.
Dennoch gibt es in der zweite Reihe durchaus vielversprechende Titel. So jener des Milchverarbeiters Emmi, der bei 916 Franken soeben den höchsten Stand seit August 2024 erreicht hat. Und gemessen an den aktuellen Prognosen liegt für das von CEO Ricarda Demarmels geführte Unternehmen noch mehr drin: Mit 971 Franken veranschlagen die Analysten das Zwölf-Monate-Kursziel im Schnitt.
Der grösste Schweizer Milchverarbeiter gehört nach Ansicht von Julius Bär zu den innovativsten Premium-Molkereien in Europa. Das Unternehmen profitiere vom internationalen Wachstum in Nischenmärkten und von der Verlagerung der Konsumentennachfrage hin zu lokal erzeugten und gesunden Lebensmitteln. Zudem liege die Bewertung unter dem historischen Niveau.
Entsprechend revidierten mehrere Vermögensverwalter ihre Kursziele für den Halbleiterzulieferer nach oben. So etwa ging die UBS von 490 auf 510 Franken und JPMorgan von 565 auf 575 Franken. Dadurch ist auch der durchschnittliche Zielwert auf nunmehr 493 Franken angestiegen. Er liegt 9 Prozent über dem Allzeithoch, das im Juni bei 452 Franken erreicht wurde, sowie 45 Prozent über dem momentanen Stand der Aktie. Unterstrichen werden die vielversprechenden Aussichten durch 9 Kaufempfehlungen, die von zwei «Halten»-Ratings ergänzt werden. Kein Anlageurteil lautet «Verkaufen».

