In Europas Luftfahrt wächst die Sorge ‌über ⁠eine Kerosin-Krise durch den Iran-Krieg. Europäische Fluggesellschaften fordern von der Europäischen Union aus Sorge über Treibstoffmangel in ⁠der nahenden Hauptsaison Notfallmassnahmen. Die Luftfahrt ist seit Ausbruch des Konflikts Ende Februar von Luftraumsperrungen betroffen, wie der Verband Airlines for ‌Europe (A4E) in einem Dokument schreibt, das der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlag. ‌Zudem verknappt die Blockade der Strasse von Hormus ​die weltweite Versorgung mit Kerosin, sodass der europäische Flughafenverband ACI eine Versorgungskrise binnen drei Wochen erwartet. A4E schlägt daher vor, dass die EU die Kerosinvorräte europaweit überwachen und einen gemeinsamen Treibstoffeinkauf prüfen soll.

Die EU-Kommission erklärte, es stehe keine Kerosinknappheit unmittelbar bevor, sie sehe die Lage aber kritisch. «Es gibt derzeit keine Anzeichen ‌für eine Treibstoffknappheit in der Europäischen Union, aber in naher Zukunft könnten Versorgungsprobleme auftreten», sagte ein EU-Sprecher in Brüssel. Die Rohöllieferungen an die europäischen Raffinerien seien stabil, eine Freigabe zusätzlicher Lagerbestände sei derzeit nicht erforderlich.

Kerosin für sechs Wochen

Die Europäische Kommission will am 22. April ein Massnahmenpaket vorlegen, um ​die Auswirkungen des Iran-Kriegs auf die Energiemärkte abzufedern. Bisher ist ​unklar, ob es auch das Thema Kerosinmangel beinhaltet. Der Verband, dem alle grossen Airlines wie Lufthansa oder Ryanair angehören, fordert zudem ‌finanzielle Entlastung wegen steigender Treibstoffkosten. Die Kerosinpreise haben sich seit Ende Februar mehr als verdoppelt. Der CO2-Emissionshandel, der den Airlines Kosten für den Ausstoss von Treibhausgasen auferlegt, solle vorübergehend ausgesetzt werden, forderte A4E. Luftverkehrssteuern müssten abgeschafft ​werden. ​Gesetzliche Vorschriften, staatliche Notreserven an Öl zum Beispiel für ⁠90 Tage vorzuhalten, sollten auch für Kerosin gelten.

Der Chef der ​britischen Airline Virgin Atlantic, ⁠Corneel Koster, sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg, der Treibstoffbedarf sei für die nächsten sechs Wochen gesichert. Längerfristig seien die ‌Aussichten unsicher. Lufthansa-Chef Carsten Spohr bekräftigte im Interview mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» das Szenario, notfalls bis zu 40 ältere Flugzeuge mit hohem Treibstoffverbrauch am Boden zu lassen. Das wäre ‌im Fall von Kerosinmangel und sinkender Nachfrage notwendig. Die Ticketpreise stiegen wegen ​höherer Kerosinpreise. Andererseits kann die Lufthansa mehr Asien-Flüge anbieten und sie besser auslasten, weil die Konkurrenten vom Golf ihr Programm durch den Krieg zusammenstrichen. «Nach Asien und Afrika sehen wir Rekordauslastungen», sagte Spohr. 

(Reuters)