Die Valoren der Grossbank UBS fallen am Donnerstagvormittag um 0,27 Prozent auf 41,17 Franken, während der Swiss Market Index (SMI) um 0,23 Prozent anzieht. 

Damit verpufft der Schwung, den die UBS-Aktien am Mittwoch hatten. Denn am gestrigen Handelstag ging sie um 4,59 Prozent höher bei 41,28 Franken aus dem Handel. Sie waren damit unter den stärksten Titeln des Swiss Market Index, der 1,90 Prozent höher schloss und erstmals in seiner Geschichte über 15'000 Punkte stieg.

Für den Zuwachs der UBS-Anteilsscheine gab es verschiedene Gründe. Etwa waren Bank-Aktien generell gefragt, beispielsweise rückten auch jene der Deutschen Bank und der Commerzbank kräftig vor. Offenbar zogen die Resultate der US-Zwischenwahlen den Sektor nach oben. So wenigstens verlautete es aus Marktkreisen, wo erste Einschätzungen zu den Folgen der «Midterms» vorgenommen wurden.

Dann berichtete Bloomberg von einem neuen Kompromissvorschlag im Tauziehen um die Eigenkapitalvorschriften an systemrelevante Banken in der Schweiz. Demnach sollen bei der Berechnung des zusätzlich vorzuhaltenden Eigenkapitals konservativere Bewertungen für die Auslandtöchter angewendet werden können. 

Im Kontext der Eigenmitteldiskussion steht auch ein weiterer Auslöser für den gestrigen Kursanstieg der UBS-Aktie. Es kamen abermals Spekulationen um eine Transaktion zwischen der US-Grossbank Morgan Stanley und der UBS auf. Der Nachrichtendienst «Wall St Engine» schrieb auf X (ehemals Twitter), dass Morgan Stanley das UBS-Auslandgeschäft für 138 Milliarden Dollar übernehmen und dabei einen 25-prozentigen Aufpreis bezahlen könnte. UBS-Aktionärinnen und -Aktionäre würden dann ein Drittel des kombinierten Unternehmens besitzen.

Auch ein Meinungsbeitrag von Reuters nannte Morgan Stanley als logischsten Käufer, sollte die UBS an einen Konkurrenten verkauft werden.

Solche Fusionsgerüchte müssen von einem konkreten und offiziell angekündigten Prozess unterschieden werden, gehen aber seit einiger Zeit um. Bereits im September berichtete das amerikanische Nachrichtenportal «Semafor Business» über ein Zusammengehen der UBS mit einer ausländischen Bank. Damals wurden das britische Institut Standard Chartered, die Deutsche Bank sowie Morgan Stanley als mögliche Partner genannt.

Hintergrund einer möglichen Heirat der UBS und einer anderen Bank ist die laufende Debatte um die Kapitalanforderungen an systemrelevante Banken in der Schweiz. Der Ständerat schwenkte im September auf eine 90-Prozent-Unterlegung der Auslandtochtergesellschaften mit hartem Kernkapital ein. Als Nächstes ist der Nationalrat am Zug. Beide Kammern des Bundesparlaments müssen zustimmen. Da es sich um eine Gesetzesänderung handelt, ist auch eine Referendumsabstimmung möglich.

Die UBS lehnt allzu strenge Kapitalvorschriften ab. «Sollte der heutige Beschluss des Ständerats am Ende des laufenden parlamentarischen Verfahrens bestätigt werden, würde dies zu einer weiteren übermässigen Verschärfung der Schweizer Eigenkapitalanforderungen führen. Diese zählen bereits heute zu den strengsten weltweit», schrieb die Bank in einer Stellungnahme zum Ständeratsbeschluss.

Abgesehen von der Eigenmitteldiskussion gaben vor kurzem die Geschäftszahlen zum dritten Quartal Stoff für die Investoren her. Das Management um CEO Sergio Ermotti erfüllte die Erwartungen, bot diesmal allerdings keine grössere Überraschung: «Basierend auf dem zugrunde liegenden Vorsteuergewinn ist dies das erste Mal, dass UBS den Konsens nach zehn aufeinanderfolgenden Quartalsergebnissen, die über dem Konsens lagen, nicht übertrifft», stellte Andreas Venditti, zuständiger Analyst des Vermögensverwalters Vontobel fest.

Die Aktie gab am Berichtstag etwas nach, erholte sich danach ein Stück weit und blieb bis zum gestrigen Handelstag meist unter der 40-Franken-Marke. Der aktuell von AWP erfasste Konsens traut den Titeln 44,95 Franken zu. Das sind 9,2 Prozent mehr als die Notiz vom Donnerstagvormittag bei 41,17 Franken. Sieben Anlageurteile lauten «Kaufen». Acht stehen auf «Halten», zwei auf «Verkaufen».

Reto Zanettin
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