Die Valoren von Centiel kennen seit dem Börsengang am 17. April zu einem Kurs von 3,20 Franken nur den Weg nach oben. Am Freitagmittag notierte der Titel bei 4,90 Franken, was einer Kursavance von 53 Prozent entspricht. Mit dem Börsengang nutzte der Anbieter von unterbrechungsfreier Stromversorgung die Firmenhülle HT5 - ehemals Hochdorf - und wagte erfolgreich den Sprung aufs Parkett.
Die Schweizer Technologiegruppe aus Lugano ist ein international führender Hersteller von Systemen für unterbrechungsfreie Stromversorgung. Das Unternehmen entwickelt Notstrom- und Netzschwankungslösungen, um geschäftskritische Infrastrukturen bei Datenzentren, Banken oder Energieunternehmen abzusichern.
Der Umsatz von Centiel belief sich 2025 auf rund 46 Millionen Franken und der Betriebsgewinn (Ebit) betrug 10,3 Millionen. Dabei betrug die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate 30 Prozent. Für die Zukunft ortet der CEO Lecuona hauptsächlich bei den Rechenzentren Wachstumschancen.
Geografisch will Centiel neu den US-Markt erschliessen. Zudem soll der europäische Markt weiter durchdrungen werden. «Angesichts der zunehmenden globalen Abhängigkeit von unterbrechungsfreier Stromversorgung sind wir gut aufgestellt, um unsere Technologie zu skalieren und kritische Infrastrukturen zu unterstützen», sagt Lecuona anlässlich des Börsenganges weiter. Damit unterstreicht er, dass Centiel ein Wachstumstitel sei.
Strategisch gut positioniert
Das Wort «Rechenzentren» löst bei vielen Anlegerinnen und Anlegern Fantasie aus. Die mittelfristigen Finanzziele des Unternehmens sind eine 20-Prozent-Marge auf Stufe Ebit sowie ein jährliches Umsatzwachstum von durchschnittlich 20 Prozent.
Basierend auf einem Umsatz von 45,7 Millionen Franken im Jahr 2025 bei einer jährlichen Umsatzsteigerung von 20 Prozent pro Jahr ergäbe dies im Jahr 2030 einen Gesamtumsatz von 114 Millionen Franken sowie einen Ebit von rund 23 Millionen Franken. In Relation zur Börsenkapitalisierung von 406 Millionen Franken betrüge das Kurs-Umsatz-Verhältnis 3,5x und das Kurs-Ebit-Verhältnis 18,4x in fünf Jahren. Um den aktuellen Aktienkurs zu rechtfertigen, muss das Unternehmen beim Wachstum über die nächsten Jahre liefern. Das ist kein unmögliches Unterfangen, dürfte aber stark vom Eintritt in den amerikanischen Markt abhängen.
Ein Vergleich mit der Bewertung des grössten Batterieherstellers CATL lässt indirekt doch eine Bewertung zu. Aufgrund der Zahlen für 2026 wird Centiel zu einem Kurs-Umsatz-Verhältnis 7x und einem Kurs-Ebit-Verhältnis 37x gehandelt, während die beiden Kennzahlen bei CATL bei 5x und 20x stehen. Das mag auf den ersten Blick eine grosse Differenz sein. Allerdings sind die Wachstumsperspektiven beim Small Cap aus Lugano wesentlich grösser als die des Branchenleaders bei Elektrobatterien.
Die Problematik des Streubesitzes
Eine grössere Herausforderung für interessierte Anlegerinnen und Anleger ist der sogenannte Freefloat respektive die Anzahl frei handelbarer Aktien. Als Freefloat gelten alle Aktien eines Unternehmens, die sich im Besitz von Anlegerinnen und Anlegern befinden, die keine strategische Beteiligung halten oder keinen kontrollierenden Einfluss haben.
Dazu zählen private und institutionelle Investorinnen und Investoren, die ihre Aktien jederzeit handeln können. Nicht zum Freefloat gehören Anteile, die vom Unternehmen selbst oder von Grossaktionären gehalten werden - insbesondere, wenn diese langfristige Beteiligungsabsichten verfolgen, Stimmrechtsbindungen oder einem Lock-up unterliegen.
Im Falle von Centiel beträgt der Freefloat 19 Millionen von total 80,1 Millionen ausstehenden Aktien. Das entspricht geringen 23,7 Prozent. Die restlichen Aktien liegen beim Management, wobei der Chief Operating Officer (COO) Filippo Marbach 37,8 Millionen Aktien hält und der CEO Gerarado Lecuona 5,9 Millionen Titel.
Interessierte Anlegerinnen und Anleger sollten wegen des geringen Freefloats vorsichtig vorgehen. Weil so wenig Aktien frei handelbar und verfügbar sind, können bereits kleine Käufe oder Verkäufe den Preis stark in die Höhe treiben oder einbrechen lassen. Der Kursverlauf kann dadurch unberechenbarer werden.

