Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) weist in einem Research-Bericht dieser Woche auf negative Begleiterscheinungen des Iran-Krieges auf das Geschäftsmodell von Adecco hin: «Wir rechnen als Reaktion auf den Krieg im Mittleren Osten mit einer schwächeren Konsumentenstimmung und daraus mit einer zusätzlichen wirtschaftlichen Belastung für einige von Adeccos Kernmärkten», schrieb Analyst Gian Marco Werro.
Für das Geschäftsjahr 2026 unterstellt er somit ein schwächeres organisches Umsatzwachstum für die Marke Adecco sowie einen anhaltenden Rückgang der organischen Umsätze im Bereich Festanstellungen. Darüber hinaus geht die ZKB von einer «verzögerten theoretischen Markterholung» neu im Jahr 2028 anstelle 2027 aus.
Bedenken äussert die ZKB auch wegen möglicher Übernahmepläne von Addeco und verweist dabei auf die Höhe der Nettoverschuldung und auf die Übernahme von Akka. Adecco hatte 2022 den Ingenieurs- und Technologieberater Akka Technologies übernommen und mit ihrer Tochtergesellschaft Modis zu Akkodis verschmolzen. Es war mit etwas über 2 Milliarden Euro der grösste Zukauf in der Firmengeschichte von Adecco. Keine zwei Jahre später gab es bereits Spekulationen über den Verkauf von Akkodis.
«Aktuell gibt es noch keinen wesentlichen Einfluss durch KI»
Bereits im letzten Jahr hat die ZKB zusätzlich auf die deutlich höhere Risiken für Adecco durch die Künstliche Intelligenz hingewiesen. Viele der durch Adecco vermittelten Tätigkeiten könnten strukturell von einem geringeren Bedarf an menschlichen Arbeitskräften betroffen sein. «Das würde aus unserer Sicht den bereits stark wettbewerbsintensiven Markt zusätzlich schrumpfen.»
Adecco sieht das anders. «Aktuell gibt es noch keinen wesentlichen Einfluss durch KI», sagte Adecco-Chef Denis Machuel anlässlich der Zahlenpräsentation Ende Februar. «Viele Firmen schieben ihre Entlassungspläne einfach auf die KI, um somit besser auszusehen.» KI sei aber nicht der eigentliche Grund für die Entlassungen. Und wie bei vielen anderen technologischen Umwälzungen würden auch viele neue Tätigkeiten entstehen. Bei der Vermittlung dieser neuen Profile könne dann auch Adecco profitieren. KI sei daher eine «massive Chance» für das Unternehmen.
Die Aktie von Adecco wird traditionell mit einer hohen Dividendenrendite (aktuell: 5,3 Prozent) gehandelt. Der Ex-Dividendentag ist der 20. April. Dieses Argument spielt im derzeitigen Marktumfeld und wegen der Aussichten von Adecco offenbar keine Rolle. Auch für die ZKB nicht: «Wir sehen zeitnahe keine positiven Trigger für die Aktie.»

