Die Valoren des Logistikkonzerns Kühne+Nagel kommen am Freitag langsam in die Gänge: Nach Verlusten in den ersten Handelsminuten steht ein Plus von 2 Prozent zu Buche, was die Aktie auf 167,70 Franken führt. Damit machen die Titel einen kleinen Teil des 13-prozentigen Verlusts vom Donnerstag wett. Sie sind damit stärker unterwegs als der Gesamtmarkt, der gemessen am Swiss Market Index (SMI) 0,45 Prozent zulegt. 

Das ehemaliges Karaoke-Unternehmen Algorhythm, das mittlerweile in das Feld der Künstlichen Intelligenz (KI) vorgestossen ist, hat die gesamte Logisikbranche unter Druck gesetzt. Momentan lanciert die Firma eine Plattform an, über die Kunden ihr Frachtvolumen um 300 bis 400 Prozent steigern können, ohne die operative Mitarbeiterzahl entsprechend zu erhöhen - so zumindest die Ankündigung. «Ich hätte mir so einen Tag wie heute niemals vorstellen können», sagte Algorhythm-CEO Gary Atkinson laut Bloomberg. «Es ist fast wie David gegen Goliath.»

Das liess den Russell-3000-Trucking-Index um satte 6,6 Prozent fallen. In Europa gerieten DSV 11 Prozent, DHL 5 Prozent, Hapag-Lloyd 4 Prozent und eben Kühne+Nagel 13 Prozent ins Hintertreffen.

Die Zürcher Kantonalbank ist allerdings skeptisch, ob das KI-Modell von Algorhythm die Logisikindustrie nachhaltig prägen wird. Es setze voraus, dass die Spediteure Daten zu Routen, Preisen und Kapazitäten auf einer Plattform teilten. Sie müssten Effizienzgewinne gegen das Vertrauen in die Weitergabe sensibler Daten an eine orchestrierende Plattform abwägen.

«Diese Idee erscheint uns utopisch», schreiben die ZKB-Analysten. Zu gross seien die Risiken hinsichtlich Datensicherheit, der Verlust von Kundenbeziehungen und das Cluster-Risiko im Falle eines Systemausfalls.

Zudem haben die Logisikunternehmen gewisse Wettbewerbsvorteile gegenüber auf KI beruhenden Lösungen. «KI ist nicht in der Lage, Ausnahmen zu bewältigen oder Verantwortung für Lieferungen zu übernehmen», heisst es im Kommentar der ZKB zu Kühne+Nagel.

Die Experten stufen das Unternehmen aus Schindellegi unverändert mit «Übergewichten» ein. Der Kursrückfall vom Donnerstag drückte die Aktie auf den tiefsten Stand seit Anfang Dezember.

(cash)