Seitdem der Krieg im Iran Ende Februar begonnen und die Börsen erfasst hat, steht mehr als jede fünfte S&P-500-Aktie im Minus. Nur knapp 70 Titel des breit gefassten US-Aktienindex stehen im Plus. Darunter: die Aktien des Technologiekonzerns Oracle. Sie haben seit Ende Februar knapp 3 Prozent hinzugewonnen, während der S&P 500 um mehr als 5 Prozent gesunken ist (Stand: Freitagabend).

Dabei waren es gerade die Valoren des Anbieters von Cloud-Lösungen, die über Monate hinweg im Ausverkauf standen und von fast 330 Dollar im September 2025 auf unter 140 Dollar im Februar zurückgefallen sind.

Momentan stehen sie bei 149,70 Dollar - eine Notierung, die laut dem zuständigen Analysten des Investmentunternehmens Guggenheim weit unter dem mittelfristig Möglichen liegt. 400 Dollar je Aktie lautet das Kursziel, das der Experte, John Difucci, im Oktober gesetzt und seit dem Kriegsausbruch im Iran dreimal bekräftigt hat. Gemessen an diesem Preisziel können Oracle-Anleger mit einem 167-prozentigen Kursgewinn in den kommenden zwölf Monaten rechnen.

Difucci sieht den von ihm angenommenen Erfolg des Softwareunternehmens in dessen offenbar überlegener Technologie und Wirtschaftlichkeit begründet. Seine These sah der Guggenheim-Experte vor wenigen Tagen bestätigt, als Oracle die Zahlen zum dritten Quartal vorstellte. Umsatz und Gewinn je Aktie sind gestiegen und haben die Konsenserwartungen übertroffen. Auch der Ausblick zum Gewinn pro Aktie für das vierte Quartal lag über den Erwartungen.

Die Anleger kauften zu, die Aktie stieg unmittelbar nach der Berichterstattung um 9 Prozent. Auch andere Analysten als Difucci kommentierten die Drittquartalszahlen positiv. Die Kernzahlen und der Auftragsbestand von Oracle im Bereich Künstliche Intelligenz und Cloud-Lösungen zeugten von einer «sehr gesunden und robusten Nachfrage», und der Ausblick sei positiv, «da die Nachfrage weiterhin das Angebot übersteigt», sagte etwa der zuständige Experte von Wedbush.

In der jüngeren Vergangenheit bereitete Oracle den Investoren Sorgen, da das Management Milliarden von Dollar Schulden aufnahm, um mit dem Geld Investitionen zu finanzieren. Laut der Ankündigung zum Drittquartalsbericht soll die bis dato avisierte Investitionssumme von 50 Milliarden US-Dollar allerdings nicht weiter angehoben werden.

Ob Kursgewinne, wie sie von Guggenheim-Analyst Difucci voraussagt, realistisch sind? Er ist sicher nicht der einzige, der den Anteilsscheinen von Oracle mehr als 150 Dollar zutraut - der Konsens sieht die Aktie bei 245 Dollar, also 64 Prozent über dem aktuellen Stand. Das spricht für einen gewissen Optimismus, den Anleger durchaus teilen können. Manche Fragezeichen bleiben aber: Werden sich die milliardenschweren Investitionen tatsächlich auszahlen, und inwieweit können Technologieunternehmen weiterhin von der Entwicklung im Feld der Künstlichen Intelligenz profitieren?

In der unmittelbaren Gegenwart wird der Fokus der Anleger weiterhin auf dem Geschehen im Nahen Osten liegen. Dass sich die Oracle-Aktien diesem Geschehen nicht ganz entziehen können, haben die letzten Handelstage gezeigt. Allein am vergangenen Freitag sind die Titel um 3,7 Prozent gefallen. Damit ist gesagt, dass die Schwerkraft des Kriegsgeschehens gross ist und den an sich soliden Leistungsausweis zum dritten Quartal bisweilen zu überlagern vermag.

Zum Wochenauftakt steigen die Titel des Technologieunternehmens um 2,5 Prozent auf 153,70 Dollar. Dies in einem allgemein wieder freundlicher gewordenen Marktumfeld. Hintergrund ist, dass die Vereinigten Staaten unter Präsident Donald Trump zuvor angedrohte Angriffe auf iranische Kraftwerke vorübergehend aussetzen wollen.

Reto Zanettin
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