Am Montagmorgen kostet eine Aktie des Luxusgüterunternehmens Richemont 182,15 Franken, rund 0,8 Prozent weniger als zu Handelsschluss am Freitag. Trotz des Rückgangs stehen die Valoren noch immer so hoch wie zuletzt im März 2025.
Rückenwind kam Mitte Juni von der Bank of America. Die verantwortliche Analystin bestätigte das «Buy»-Rating und hob das Kursziel auf 185 von 175 Franken an. Das Gewinnwachstum des Luxusgüterkonzerns werde sich im laufenden Geschäftsjahr nach drei weitgehend stabilen Jahren wieder beleben, berichtete die Expertin.
Inzwischen hat sich auch die Lage im Nahen Osten entspannt, auch wenn nach dem Bürgenstock-Gipfel vom Wochenende noch viele Fragen offen bleiben. Doch die Stimmung an den Aktienmärkten hatte sich aufgehellt, als sich die Vereinigten Staaten und der Iran sich auf ein Friedensabkommen geeinigten hatten. Auch die für Richemont relevanten Goldpreise sind gefallen, womit ein Belastungsfaktor gedämpft worden ist.
Wurden die Luxusgüter-Aktien durch die Entspannung im Nahen Osten bloss vorübergehend angeschoben, wodurch eine tiefer liegende Nachfrageschwäche überdeckt worden ist? In diesem Fall kämen die Aktien bald wieder unter Druck.
Eine verhaltene chinesische Nachfrage und eine gewisse Luxusmüdigkeit nach den Boomjahren 2020 bis 2023 dürften den Geschäftsgangs effektiv dämpfen, sagen Beobachter. Indes würde dauerhaftes Friedensabkommen das Problem lösen, dass der Konflikt im Nahen Osten die Ausgaben von Touristen für Luxus gedämpft haben, sagt der zuständige Experte der Privatbank Berenberg. Er merkt auch an, dass der Sektor schon seit einiger Zeit hinterherhinkt und als überverkauft gilt. Daher geht er von einer Erholung nach einem Bärenmarkt aus.
In Bezug auf Richemont werden sich die Faktoren in etwa aufwiegen. Unter den Analysten überwiegt der Optimismus: 72 Prozent von ihnen stufen die Aktie mit «Buy» ein. Hingegegen traut der Marktkonsens den Titel von Richemont nicht mehr als 185 Franken zu. Das ist der Wert des 15-Monate-Hochs, das sie zuletzt erreicht hatten. Gemessen daran ist auf dem inzwischen erreichten Niveau Geduld gefragt.
(cash/Bloomberg)
