Aktien-Depot - Bei diesen Alarmzeichen müssen Sie Aktien abstossen

Anlegern fällt es häufig schwer, sich von Aktien zu trennen. Anhand dieser Punkte erkennen Sie, ob Ihre Aktie ein Rohrkrepierer ist – oder erst gar nicht gekauft werden sollte.
03.02.2020 06:00
Von Henning Hölder
Daumen nach unten: Es gibt Merkmale, die darauf hinweisen, dass man eine Aktie verkaufen muss.
Daumen nach unten: Es gibt Merkmale, die darauf hinweisen, dass man eine Aktie verkaufen muss.
Bild: imago images / blickwinkel

Jeder Anleger kennt es: Diese eine Aktie im Depot, die einfach nicht ins Rollen kommen möchte. Die erhofften Kurssprünge bleiben aus, stattdessen fällt der Titel weiter und weiter. Doch anstatt den Rohrkrepierer abzustossen, halten viele Anleger an der Aktie fest. Denn: Irgendwann muss es ja aufwärts gehen – oder?

Die Antwort ist nein. Die Aktie muss gar nichts. Es gibt keine Regel, die besagt, dass eine Aktie X, die vor einiger Zeit mal einen Wert Y hatte, diesen zwangsläufig auch wieder erreichen wird.

Daher ist es wichtig, sich als Anleger von Aktien auch trennen zu können, wenn diese einfach nicht performen wollen. cash zeigt die wichtigsten Punkte auf, an denen Sie erkennen, dass es Zeit ist, eine Aktie in den Wind zu schiessen oder – noch besser – sie erst gar nicht ins Depot zu holen. Wichtig: Eine Aktie kann trotzdem ein Kauf sein, auch wenn sie einen oder sogar mehrere der folgenden Punkte erfüllt. Aber: Je mehr Punkte zutreffen, desto vorsichtiger sollten Anleger bei der Aktie sein.

1. Aktienkurs: Der Trend ist klar negativ

Es gibt einen einfachen Grundsatz: Wenn eine Aktie fünf oder zehn Jahre nur die Seitwärtsbewegung kennt oder gar fällt, stimmt etwas mit dem Geschäftsmodell oder dem Umfeld nicht. Ein Aktienkurs lügt selten bis nie. Es hat Gründe, warum eine UBS-Aktie seit mehr als zehn Jahren nicht vom Fleck kommt, während die Nestlé-Aktie über 100 Prozent wachsen konnte. Natürlich können Titel nach jahrelanger Durchstrecke wieder durchstarten. Doch Anleger müssen sich in solchen Fällen immer fragen: Warum glaube ich, dass ausgerechnet diese Aktie X in Zukunft den Turnaround schafft? Was ist der stichhaltige Grund? Seien Sie als Anleger ehrlich zu sich.

2. Management: Der CEO wechselt häufig

Studien zeigen es: Je länger ein CEO in einem Unternehmen seines Amtes walten kann, desto besser fallen die Ergebnisse aus. Laut einer PwC-Studie erreichen Unternehmenschefs, die zehn Jahre oder länger im Amt sind, finanziell bessere Resultate. Selbstverständlich bedeutet ein lange amtierender CEO nicht automatisch Erfolg. So befindet sich die Aktie von Swatch mit CEO Nick Hayek, seit 2003 im Amt, derzeit auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Dem Aktienkurs ging es aber schon viel besser. Grundsätzlich gilt aber: Bei CEO-Wechsel innerhalb kurzer Zeit sollten Anleger erstmal aufhorchen. In solchen Fällen liegt meist etwas Grundsätzliches im Argen, etwa in der Eigentümerstruktur, im Geschäftsmodell oder in der Branche generell.

3. Zahlen I: Es ist kaum oder gar kein Wachstum bei Umsatz oder Gewinn zu erkennen

Das Beispiel Tesla zeigt es: Aktienkurse können steigen, auch wenn das Unternehmen kaum oder gar keinen Gewinn erwirtschaftet – oder gar hoch verschuldet ist. Dass der Elektroauto-Pionier Gewinne macht, ist ein relativ neues Phänomen. Die Aktie allerdings setzte bereits 2013 zu ihrem ersten Höhenflug an. Warum? Weil sich der Umsatz von Tesla damals innerhalb eines Jahres vervierfachte. Die Anleger waren also vom schnellen Wachstum des Unternehmens überzeugt. Und weil gehörig viel Fantasie in einer Zukunftsbranche steckt.

Wenn bei einem Unternehmen aber über Jahre kein Wachstum – weder beim Gewinn noch beim Umsatz – zu beobachten ist, sollten Anleger kein Kursfeuerwerk erwarten, sondern lieber die Finger davon lassen. Aktien von Biotechunternehmen oder Nischenbranchen gehören oft dazu.

4. Zahlen II: Das Unternehmen weist dauerhafte negative Cashflows aus

Gleichzeitig sollten bei Anlegern die Alarmglocken klingeln, wenn die Gewinne zu lange ausbleiben. Grundsätzlich gilt: Firmen können nicht ewig mehr ausgeben als sie einnehmen. Das wird irgendwann auch eine Firma wie Tesla nicht mehr ignorieren können. Als Kennziffern bieten sich hier der Cashflow aus dem operativen Geschäft (Operating Cashflows) an oder der Free Cashflow. Letzterer zeigt an, wie viel ein Unternehmen zur freien Verfügung hat, um etwa Dividenden zu zahlen oder Aktienrückkäufe zu tätigen. Zu den Unternehmen, die konstant positive Cash Flows generieren und entsprechend stabile Dividenden ausschütten können, gehört zum Beispiel Swisscom.

5. Ausschüttung: Dividenden werden gestrichen

Wenn ein Unternehmen Dividenden kürzen oder gar streichen muss, ist das meist kein gutes Zeichen. Es zeigt, dass sich die finanzielle Konstitution des Unternehmens verschlechtert hat. Die frisch fusionierte Meier Tobler zum Beispiel musste Mitte 2018 nebst anderen Massnahmen einen zwei Jahre dauernden Dividendenverzicht bekannt geben. Als Folge stürzte die Aktie ab – und erholte sich bis heute nicht mehr. 

Aber: Ob ein Unternehmen grundsätzlich eine Dividende zahlt oder nicht, ist kein zwingendes Qualitätskriterium. Gerade junge Wachstumsunternehmen zahlen selten eine Dividende – um jeden verdienten Rappen in das Unternehmen investieren zu können. Viele Börsen-Highflyer wie Amazon zahlen bis heute keine Dividende.

6. Profitabilität: Gewinn je Aktie steigt

Dass bei börsenkotierten Firmen ein sinkender Gewinn je Aktie (EPS) ein schlechtes Zeichen für Anleger ist, leuchtet schnell ein. Doch auch bei einem steigenden EPS sollten Anleger genau hinschauen und sich fragen: Ist das Gewinnwachstum organisch oder zugekauft? Wenn mit steigendem EPS auch der Anteil an Fremdkapital steigt, muss das zumindest hinterfragt werden.

Auch Aktienrückkäufe sind heutzutage sehr beliebt. Diese können zwar durchaus sinnvoll sein, wenn der das Unternehmen etwa überschüssiges Kapital nutzen möchte. Wenn der Kursanstieg einer Aktie allerdings nur durch Rückkäufe erklärt werden kann, ist Vorsicht geboten.

7. Konkurrenz: Das Unternehmen hat keinen Burggraben

Wenn ein Unternehmen einen sogenannten Burggraben besitzt, heisst das, dass sich das Geschäftsmodell des Unternehmens nicht einfach so kopieren lässt. Die Folge: Die Firma hat Preissetzungsmacht, grössere Marktanteile und muss keine Konkurrenz fürchten. Perfekte Bedingungen, um zu wachsen. Auf der anderen Seite bedeutet mehr Wettbewerb weniger Margengewinn, weniger Free Cash-Flow und weniger Umsatz. Für Aktionäre heisst das: geringere Chancen, von steigenden Aktienkursen oder Dividendenausschüttungen profitieren zu können (Beispiele für Burggraben-Unternehmen finden Sie in diesem cash-Artikel).

8. Aktionariat: Grossanleger und Manager verkaufen Anteile

Blackrock, Norwegens Staatsfonds, Vanguard und so weiter: Grosse Vermögensverwalter sind heutzutage an fast allen börsenkotierten Gesellschaften beteiligt. Und diese Investoren wissen in den meisten Fällen mehr über das Innenleben eines Unternehmens als andere Aktionäre. Verkaufen diese Grossinvestoren gehäuft Anteile an Unternehmen, kann dies ein Alarmsignal sein (die Offenlegungen von Beteiligungen kann man hier bei der SIX verfolgen).

Dasselbe gilt für die Management-Transaktionen, welche die Unternehmen beim Börsenbetreiber (hier zum Beispiel bei der SIX) offenlegen müssen. Einzelne Verkäufe von privat gehaltenen Firmenaktien durch CEO, Finanzchef oder Verwaltungsrat müssen nichts Schlimmes bedeuten. Treten diese aber gehäuft und regelmässig auf, kann dies ein Alarmzeichen sein.

 
Aktuell+/-%
UBS Group N10.035+4.12%
Nestle N102.58-1.19%
The Swatch Grp I190.50+5.05%
Tesla Rg821.38+0.55%
Swisscom N494.50+0.37%
Meier Tobl Grp N10.950-2.67%
Amazon.Com Rg2'433.93-0.12%
Blackrock Rg528.62+2.98%
WF0BOERSEN/LGSZ Zt277.55+1.46%