Die auslaufende Woche an der Schweizer Börse ist zweigeteilt. Am Mittwoch, einen Tag nach den US-Zwischenwahlen, stieg der SMI erstmals über 15'000 Punkte und schloss bei 15'022,85 Punkten. Doch die Gewinne waren nicht von Dauer, denn die Verluste am Donnerstag und Freitag überwiegen. Bis Freitagmittag liegt der Schweizer Leitindex auf Wochensicht 1,2 Prozent im Minus, der breite SPI 1,1 Prozent.

Dabei zählt die ABB zu den grössten Verlierern der Woche. Der Elektrotechnikkonzern konnte von der Rekordfahrt nicht profitieren, wie Daten der Nachrichtenagentur Bloomberg zeigen. Die Aktie notiert am Freitagmittag bei 67,10 Franken, verliert auf Wochensicht 5,9 Prozent und belegt damit den letzten Platz im SMI.

Noch stärker unter Druck stehen die Schweizer Halbleiterwerte. AMS Osram verliert 19,8 Prozent und bildet das Schlusslicht im SPI. Inficon büsst 10,7 Prozent ein, Comet 9,9 Prozent und VAT 7,1 Prozent.

Midterms-Resultate lösen Abverkauf aus

Hintergrund ist der Ausgang der US-Zwischenwahlen vom Dienstag. Die Demokraten haben beide Kammern des Kongresses gewonnen. Im Bundesstaat Texas setzte sich zudem die Demokratin Gina Hinojosa bei der Gouverneurswahl durch. Sie hatte im Wahlkampf ein Moratorium für neue Rechenzentren angekündigt, bis gesetzliche Schutzmassnahmen beschlossen sind.

Feierten die Börsen den Wahlausgang am Mittwoch noch, schlug die Stimmung am Donnerstag um. Anleger befürchten, dass politische Eingriffe den Ausbau der Rechenzentren in den USA bremsen könnten. Die Unsicherheit trifft auf einen Technologiesektor, in dem ohnehin Zweifel an der Rentabilität der milliardenschweren KI-Investitionen wachsen. Die Wahlergebnisse verstärken damit die Sorgen um den KI-Boom.

So brach der Nasdaq Composite am Donnerstag um 5,5 Prozent ein und liegt rund 11 Prozent unter dem Rekordhoch vom Oktober. Damit befindet er sich nach gängiger Definition in der Finanzwelt in einer Korrektur.

Der Verkaufsdruck erfasst auch Schweizer Unternehmen, die vom Ausbau der Chipindustrie profitieren. Ihre Produkte kommen in unterschiedlichen Phasen der Chipfertigung zum Einsatz: Comet liefert unter anderem Röntgen- und Hochfrequenztechnologie, Inficon Messsysteme und VAT Vakuumventile. Sinkende Erwartungen an den Ausbau der KI-Infrastruktur können deshalb auch ihre Geschäftsperspektiven belasten.

Auch ABB gilt mit seinen Lösungen für die Stromversorgung und Elektrifizierung von Rechenzentren als Profiteur des KI-Booms. Beim Konzern kommt jedoch eine unternehmensspezifische Belastung hinzu: Am Donnerstag teilte ABB mit, dass die chinesischen Behörden die Übernahme des China-Geschäfts der Robotiksparte durch Softbank untersagt haben. Damit steht der Verkauf der gesamten Sparte infrage.

Erholung in Sicht?

Immerhin: Während ABB bis Freitagmittag weiter Abschläge verbucht, zeichnet sich bei den Halbleiterwerten eine Gegenbewegung ab. AMS Osram steigt bis zum Mittag um 3,8 Prozent auf 15,13 Franken, Inficon um 1,6 Prozent auf 153,80 Franken und Comet um 1,5 Prozent auf 303 Franken. VAT legt 0,5 Prozent auf 523,60 Franken zu.

Die auslaufende Börsenwoche zeigt, wie anfällig die Profiteure des KI-Booms für politische Risiken und Zweifel an der Dynamik der Investitionen geworden sind.

Monique Misteli Ringier
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