Aktien Schweiz - Die grössten Schweizer Börsengänge seit 2000

Das IPO von Stadler wird zu einem der meistbeachteten Schweizer Börsengänge seit Jahren werden, aber nicht zum grössten. cash zeigt die sieben wertvollsten Börseneinsteiger seit 2000 - und was aus ihnen geworden ist.
19.03.2019 17:02
Von Pascal Züger
Givaudan gehört zu den bisher grössten Börsengängen im neuen Jahrtausend - und auch zu den erfolgreichsten.
Givaudan gehört zu den bisher grössten Börsengängen im neuen Jahrtausend - und auch zu den erfolgreichsten.
Bild: Bloomberg

Was cash bereits im Februar ankündete, wurde am Dienstag offiziell bestätigt: Der Zughersteller Stadler Rail will in den nächsten Monaten den Börsengang wagen. Bereits jetzt lässt sich sagen, dass das IPO – sofern es aufgrund eines widrigen Marktumfeldes nicht noch kurzfristig abgeblasen wird – zu den meistbeachteten der letzten Jahre werden dürfte.

Einerseits liegt dies am bekannten Firmenpatron, VR-Präsidenten und Grossaktionär Peter Spuhler, der sich auch als SVP-Nationalrat einen Namen machte. Andererseits ist es aber auch die Exotik: Das Zugfahrer-Land Schweiz hat nun endlich auch eine Zug-Aktie.

Expertenberechnungen zufolge beträgt der Börsenwert von Stadler Rail ungefähr 4 Milliarden Franken. Das ist zwar viel, doch wie cash-Recherchen ergaben, gab es seit 2000 auch einige grössere Börseneinsteiger. Es folgen die sieben nach Marktwert grössten Börsengänge an der Schweizer Börse SIX seit dem Jahr 2000:

Platz 7: Givaudan, Börsenwert bei IPO 4,4 Milliarden Franken (Juni 2000)

Es war im Jahr 2000, als Roche beschloss, sich auf den Gesundheitsbereich zu fokussieren. Im Rahmen dieser Strategie wurde der starke Unternehmenszweig "Aromen und Duftstoffe" abgestossen und separat unter dem Namen Givaudan an die Börse gebracht. Die Aktie - die es damals für Roche-Aktionäre gratis gab - ist seither eine einzige Erfolgsstory: Der Börsenwert begann mit 4,4 Milliarden Franken. Am ersten Handelstag schloss der Titel bei 510 Franken, heute sind es 2559 Franken - der Wert hat sich also verfünffacht. Hinzu kommt eine Dividendenrendite von aktuell 2,3 Prozent.

Platz 6: Aryzta, Börsenwert bei IPO 5,0 Milliarden Franken (August 2008)

Der Backwarenhersteller Aryzta ging im August 2008 aus einer Fusion zwischen der Schweizer Hiestand Holding und der irischen IAWS Group hervor. Der schlechte Geschäftsgang in den letzten Jahren und die hohe Überschuldung haben auch an der Börse deutliche Spuren hinterlassen: Betrug der Börsenwert im August 2008 noch 5 Milliarden Franken, so sind es heute gerade mal noch 1,4 Milliarden Franken. Allein in den letzten 52 Wochen hat die Aryzta-Aktie 70 Prozent an Wert eingebüsst. Immerhin machen sich Anleger derzeit Hoffnungen auf einen Turnaround.

Platz 5: EFG International, Börsenwert bei IPO 5,8 Milliarden Franken (Oktober 2005)

Auch Langzeit-Investoren der EFG International, eine Privatbankengruppe mit Sitz in Zürich, wurden nicht glücklich: Nach dem IPO war die Aktie 39,60 Franken wert, heute sind es ganze 83 Prozent weniger. 2016 wurde die Tessiner Bank BSI gekauft, die in eine Korruptionsaffäre des malaysischen Staatsfonds verwickelt war und zwischenzeitlich am Ruf der EFG kratzte. Derzeit leidet die Bank unter einem anhaltenden Abfluss der Kundengelder. Die aktuelle Dividendenrendite beträgt hohe 4,4 Prozent, doch scheint es äusserst fraglich, ob diese auch in Zukunft gehalten werden kann.

Entwicklung der EFG-Aktie seit dem Börsengang am 7.10.2005, Quelle: SIX

Platz 4: Julius Bär, Börsenwert bei IPO 7,9 Milliarden Franken (Oktober 2009)

Die Privatbank Julius Bär ist im Jahr 2009 entstanden, als die Julius Bär Holding ihre Geschäfte in die Bereiche Private-Banking (die heutige Julius Bär) sowie Asset Management (GAM) aufteilte. Mit einem Wert von 7,9 Milliarden Franken gelang Julius Bär der viertgrösste Schweizer Börsengang seit dem Jahr 2000. Die Aktie aus dem Leitindex SMI hat seit Oktober 2009 25 Prozent an Wert zulegen können, in den letzten 52 Wochen allerdings ganze 26 Prozent eingebüsst. Julius Bär leidet derzeit unter einer hohen Kostenbasis, ausserdem üben sich die Kunden in Zurückhaltung bei Handelsaufträgen.

Platz 3: Syngenta, Börsenwert bei IPO 8,9 Milliarden Franken (November 2000)

Syngenta entstand im November 2000 aus einer Fusion der Agrarsparten von Novartis und der britisch-schwedischen AstraZeneca. Beim Börsengang brachte der Konzern 8,9 Milliarden Franken auf die Waage, die Aktie war 79,50 Franken wert. Seit Januar 2018 wird Syngenta aber nicht mehr an der Börse gehandelt und ist fest in chinesischer Hand. Der Staatskonzern ChemChina hat sich Syngenta zum Preis von rund 465 Franken pro Aktie geschnappt. Immerhin: Langjährige Anleger haben am Verkauf gutes Geld verdient.

Platz 2: Weatherford International, Börsenwert bei IPO 14,7 Milliarden Franken (November 2010)

Mit 14,7 Milliarden Franken Börsenkapitalisierung gelang dem Erdöl-Serviceunternehmen Weatherford International im November 2010 der zweitgrösste Börsengang an der Schweizer Börse seit der Jahrtausendwende. Die Firma mit Wurzeln in den USA, juristischem Sitz in Irland und Steuerpflicht in der Schweiz war zum damaligen Zeitpunkt bereits an der New York Stock Exchange und an der Euronext Paris kotiert. Im Juni 2014 folgte bereits wieder die Dekotierung in der Schweiz und in Paris. In den USA ist Weatherford International noch immer an der Börse. Allerdings ist der Titel dort zum "Penny Stock" degradiert geworden, 79 Cent ist der aktuelle Preis für eine Aktie. Die Marktkapitalisierung liegt nur noch bei rund 790 Millionen Franken.

Platz 1: Transocean, Börsenwert bei IPO 32,9 Milliarden Franken (April 2010)

Bezüglich IPO-Grösse ungeschlagen ist das IPO des Tiefsee-Ölbohrkonzerns Transocean im April 2010. Wie Weatherford International war auch Transocean beim Zeitpunkt des Schweizer Börsengangs bereits in den USA kotiert. Etwas mehr als fünf Jahre gehörte die Aktie zum Schweizer Leitindex SMI, ehe im November 2015 die Aktie in der Schweiz etwas überraschend dekotiert wurde. Der finanzielle und verwaltungstechnische Aufwand, der durch die Kotierung an zwei Börsen entstehe, sei zu gross, hiess es vonseiten Transoceans damals. Der Börsenwert in den USA beträgt heute deutlich tiefere 5,8 Milliarden Franken.

Übersicht über die sieben grössten Börsengänge an der Schweizer Börse SIX seit 2000

Titel Datum IPO Marktwert bei IPO Marktwert aktuell Kursentwicklung seit IPO
Transocean 20. April 2010 31,9 Mrd. CHF 5,8 Mrd. CHF* -
Weatherford International 17. November 2010 14,7 Mrd. CHF 0,8 Mrd. CHF* -
Syngenta 13. November 2000 8,9 Mrd. CHF - -
Julius Bär 01. Oktober 2009 7,9 Mrd. CHF 9,8 Mrd. CHF +25%
EFG International 7. Oktober 2005 5,8 Mrd. CHF 1,9 Mrd. CHF -84%
Aryzta 22. August 2008 5,0 Mrd. CHF 1,4 Mrd. CHF -89%
Givaudan 08. Juni 2000 4,4 Mrd. CHF 23,6 Mrd. CHF +425%

*Kotierung nur noch in den USA / Quelle: SIX und cash.ch

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