Anbieter von Unternehmenssoftware stehen an der Börse ‌seit ⁠Monaten unter Druck. Anleger befürchten, dass Künstliche Intelligenz (KI) deren Produkte überflüssig machen könnte. Konzerne wie SAP oder Salesforce ⁠wollen die Talfahrt der Kurse mithilfe milliardenschwerer Aktienrückkäufe aufhalten. Experten zweifeln jedoch an einer raschen Trendumkehr.

«Rückkäufe reichen nicht aus», betont ‌Peter Tuz, der Chef des Vermögensverwalters Chase Investment Counsel. «Es muss klar ‌sein, dass KI das Geschäftsmodell eines Softwareunternehmens nicht ​grundlegend beeinträchtigt. Das braucht Zeit.»

Durch den Siegeszug von ChatGPT, Gemini & Co. stellen sich Anleger zunehmend die Frage, ob Unternehmen weiterhin kostspielige spezialisierte Programme benötigen, um Nachschub zu regeln oder Abrechnungen zu machen. Zusätzlichen Schub erhielten diese Spekulationen von den jüngsten Ankündigungen des Startups Anthropic.

Dessen KI «Claude» verfügt inzwischen über zusätzliche ‌Funktionen für verschiedene Spezialaufgaben. Daraufhin brachen die Aktien klassischer Software-Anbieter binnen etwa sechs Monaten sowohl in den USA als auch in Europa im Schnitt um knapp 30 Prozent ein.

Aktienrückkauf zum Schnäppchenpreis

Gleichzeitig vervielfachte sich das ​Volumen der geplanten Aktienrückkäufe. Dem Datenanbieter EPFR zufolge haben börsennotierte US-Unternehmen seit ​Jahresbeginn Ausschüttungen von mehr als 70 Milliarden Dollar angekündigt. Dies ​sei viermal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Knapp die Hälfte davon entfällt auf Salesforce. Der Konzern stockt sein Rückkaufprogramm nach einem ‌enttäuschenden Ausblick um 30 auf 50 Milliarden Dollar auf. ServiceNow erhöht das Volumen auf 6,4 von 1,4 Milliarden Dollar. Der deutsche Rivale SAP will eigene Anteile im Volumen von bis zu zehn Milliarden Euro ​zurückkaufen. ​Firmenchef Christian Klein betont jedoch, dass bislang keine ⁠Abwanderungsbewegung von Kunden zu beobachten sei. «Wir verlieren keine Aufträge wegen KI. ​Wir gewinnen Aufträge wegen ⁠KI.»

Prinzipiell begrüssen Anleger Aktienrückkäufe, da sie den Gewinn je Aktie in die Höhe treiben. Zudem ‌gelten sie als Signal der Zuversicht in die Zukunft eines Unternehmens. Eine rasche Erholung der Softwaretitel sei dennoch nicht zu erwarten, sagt Portfoliomanager Daniel Morgan vom Vermögensverwalter Synovus. «Investoren ‌konzentrieren sich eher auf die langfristigen Aussichten.» Diese beurteilen Anleger zurückhaltender als ​noch vor einem halben Jahr. Die Titel im S&P-Softwareindex kosten derzeit im Schnitt das 22-fache des jeweiligen Gewinns je Aktie. Im Oktober hatte dieses Kurs-Gewinn-Verhältnis noch bei 32 gelegen.

(Reuters)