Beim Aufbau eines eigenen Satelliten-Kommunikationsnetzwerks will Amazon offenbar durch eine milliardenschwere Übernahme zum Rivalen Starlink aufschliessen. Der Online-Händler ‌wolle ⁠den Satellitenbetreiber Globalstar übernehmen, schrieb die «Financial Times» am Mittwoch unter Berufung ⁠auf Insider. Die Verhandlungen seien jedoch komplex, unter anderem weil der Elektronikkonzern Apple 20 ‌Prozent an dem Unternehmen halte. Amazon wollte ‌sich dazu nicht äussern. Globalstar ​war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Die Aktien des Satellitenbetreibers stiegen daraufhin im vorbörslichen Handel an der Wall Street um knapp zwölf Prozent auf ein 18-Jahres-Hoch von 76,50 Dollar. Damit erreichte ‌das Unternehmen eine Marktkapitalisierung von etwa 9,8 Milliarden Dollar. Amazon-Titel gaben dagegen knapp zwei Prozent nach.

Globalstar betreibt dem Branchendienst Satellitemap zufolge 88 aktive Satelliten. ​Amazon komme auf 210 Trabanten für Daten- und ​Sprachübertragungen. In der finalen Ausbaustufe des ursprünglich «Kuiper» ​genannten Projekts «Leo» sollen 3200 Satelliten Kommunikationsverbindungen ermöglichen. Damit wäre Leo der grösste Konkurrent von ‌Starlink. Die Firma des Milliardärs Elon Musk ist Weltmarktführer mit mehr als 10'000 aktiven Satelliten. Starlink steuert 50 bis 80 Prozent zum Umsatz ​des ​Mutterkonzerns SpaceX bei. Dieser steht ⁠vor einem Mega-Börsengang.

Mobilfunk- und Datenverbindungen über Satellit ​gewinnen für zivile und ⁠militärische Anwendungsbereiche zunehmend an Bedeutung. So spielt Starlink im Ukraine-Krieg eine ‌wichtige Rolle. Daneben kooperieren die Deutsche Telekom und ihre Tochter T-Mobile mit dem US-Unternehmen, um in abgelegenen Gebieten Satellitenverbindungen ‌über herkömmliche Smartphones zu ermöglichen. Europa will seine technologische Unabhängigkeit ​mit dem Aufbau eines eigenen Netzwerks («Iris²») sicherstellen.

(Reuters)