Dank eines florierenden Amerikageschäfts ist der Schweizer Luxusgüterkonzern Richemont im Geschäftsjahr ‌2025/26 ⁠deutlich gewachsen. Der Umsatz kletterte in den zwölf Monaten bis Ende März währungsbereinigt um elf Prozent auf 22,4 ⁠Milliarden Euro, wie der Hersteller von Cartier-Schmuck und IWC-Uhren am Freitag mitteilte. In der Region Americas verbuchte der nach der französischen LVMH ‌weltweit zweitgrösste Branchenvertreter ein Plus von 17 Prozent.

Verwaltungsratschef Johann Rupert erklärte, ‌die US-Wirtschaft entwickle sich weiterhin gut. «Die Kennzahlen der US-Wirtschaft sehen ​immer noch besser aus als die vieler anderer Volkswirtschaften, und die positive Grundstimmung ist weiterhin vorhanden», sagte Rupert vor Journalisten. Es sei «surreal», wie viel einige Menschen in bestimmten US-Branchen wie dem Technologiesektor verdienten.

Die Region Naher Osten und Afrika schaffte im Gesamtjahr mit 13 Prozent das zweitgrösste Wachstum. In den drei Monaten bis Ende ‌März schrumpfte das Geschäft in der Region angesichts des Krieges in der Golfregion allerdings um drei Prozent. Der Konflikt habe die lokale Nachfrage gedrückt, zudem sei der Tourismus in der Region praktisch zum Erliegen gekommen. ​Dubai sei besonders hart getroffen worden. Analysten zufolge erwirtschaftet das Unternehmen mit rund acht ​Prozent einen höheren Anteil seines Umsatzes im Nahen Osten als ​die meisten Wettbewerber.

Investoren verlieren zunehmend die Hoffnung, dass 2026 nach fast drei schwachen Jahren das Jahr der Erholung für die Branche wird. ‌Der Markt leidet unter der anhaltenden Flaute im wichtigen chinesischen Markt und inzwischen auch den Auswirkungen des Krieges im Iran. Der ungelöste Konflikt trübt die Aussichten für den gesamten Sektor im Nahen Osten, der bis ​vor kurzem ​als profitabelste und am schnellsten wachsende Region galt.

Der Jahresgewinn ⁠des Genfer Konzerns kletterte dank eines guten Tagesgeschäfts und des ​Ausbleibens einer Wertberichtigung wie im ⁠Vorjahr um gut ein Viertel auf 3,48 Milliarden Euro. Analysten hatten allerdings noch etwas mehr erwartet. Gegenwind kam ‌etwa von den höheren Goldpreisen. Richemont gab wie üblich keine Prognose ab, warnte aber, dass das unsichere Umfeld anhalten dürfte. «Kurzfristig sehen wir für Richemont Risiken durch eine eingetrübte Konsumentenstimmung, ‌insbesondere in Europa, den USA und den Vereinigten Arabischen Emiraten», erklärte ZKB-Analyst Gian Marco ​Werro. Belastend wirkten dabei unter anderem höhere Preise für Benzin und Flugtickets sowie eine insgesamt unsichere Lage in der Reiseindustrie. An der Börse verloren Richemont ein Prozent an Wert.

(AWP/Reuters)