Zwischen 2020 und 2025 sank die Leerwohnungsziffer gesamtschweizerisch von 1,72 auf 1 Prozent, wie das Bundesamt für Wohnungswesen (BWO) am Donnerstag mitteilte. Nicht nur die grossen Städte und touristischen Zentren seien betroffen, sondern zunehmend auch kleinere Städte und Agglomerationen.

Eine rasche Änderung sei nicht zu erwarten, sagte BWO-Direktor Martin Tschirren vor den Medien. Nach wie vor hinke die Bautätigkeit der Nachfrage hinterher. Am stärksten spürbar sei die Verknappung im tiefen Preissegment, aber immer mehr werde auch das mittlere Segment erfasst. Die Angebotsmieten stiegen um 3 bis 5 Prozent im Jahr.

Wegen der angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt und mit der SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» im Nacken beantragt der Bundesrat dem Parlament eine Aufstockung des Fonds de Roulement um 150 Millionen Franken für 2030 bis 2034. Der Fonds gewährt Darlehen für Neubauten, Erneuerungen und den Kauf von Liegenschaften.

Diese Darlehen laufen bis zu 25 Jahre lang und müssen verzinst werden. In den vergangenen zwanzig Jahren wurden im Durchschnitt pro Jahr Darlehen von knapp 48 Millionen Franken gewährt und knapp 1400 Wohnungen gefördert.

Höhere Nachfrage auffangen

Laut Felix Walder, Leiter der Wohnraumförderung im BWO, wurden in den vergangenen drei Jahren Darlehen von je rund 74 Millionen Franken nachgefragt. Für 2026 werde von einer ähnlichen Summe ausgegangen. Dies solle mit der Aufstockung aufgefangen werden.

Rekordhoch ist die Nachfrage nach Angaben von Wohnbaugenossenschaften Schweiz, dem Verband der gemeinnützigen Wohnbauträger. Die vorgesehene Aufstockung genüge nicht, schrieb er am Donnerstag. Nötig wären mindestens 300 Millionen Franken, um die Nachfrage zu decken.

Weiterführen will der Bundesrat auch das Bürgschaftsinstrument für die Wohnraumförderung. Indem der Bund für Anleihen der Emissionszentrale für gemeinnützige Wohnbauträger bürgt, verbessern sich die Finanzierungskonditionen. Der Zinsvorteil bedeutet laut dem BWO im Durchschnitt 1600 Franken pro Wohnung und Jahr.

Wohnbauträger fordern mehr

Um diese Förderung fortzuführen, beantragt der Bundesrat einen Verpflichtungskredit von 1,92 Milliarden Franken für 2027 bis 2033. Auch hier kommt Kritik von den gemeinnützigen Wohnbauträgern. Um alle Finanzierungsgesuche berücksichtigen zu können, müssten es mindestens 2,3 Milliarden Franken sein, schreibt ihr Verband.

Über die Gelder für die Unterstützung des gemeinnützigen Wohnungsbaus entscheidet nun das Parlament. Der Expertenbericht zum Entlastungspaket 27 hat vorgeschlagen, auf zusätzliche Einlagen in den Fonds de Roulement zu verzichten. Der Bundesrat nahm diese Massnahme aber nicht in den Bericht auf.

(AWP)