Der Dollar verliert abermals: Erstmals seit 2021 stieg der Dollar-Euro-Kurs über die Marke von 1,20 Dollar. Auslöser waren der ‌Grönland-Konflikt ‌und die Aussicht auf mögliche gemeinsame Interventionen der japanischen und amerikanischen Notenbank, um den Yen-Kurs zu stützen. Ökonomen sagten in ersten Reaktionen:

Thomas Gitzel, Chefökonom VP Bank:

«Ganz grundsätzlich gilt: ​Die USA verzeichnen mit rund 1,3 Billionen US-Dollar ‌weltweit das grösste Leistungsbilanzdefizit. Dieses Defizit liesse ‌sich ohne die Rolle des Dollar als Weltreservewährung nicht finanzieren. Der Status des Dollar als Weltreservewährung bleibt zwar unangetastet, dennoch zeigen die Kursverluste des Greenbacks in der angespannten geopolitischen Lage erste Anzeichen schwindenden Vertrauens.

Der US-Regierung kommen die jüngsten ⁠Abwertungen zupass. In den Augen von Donald Trump ist die Abwertung jedenfalls 'grossartig', stärkt sie doch die Wettbewerbsfähigkeit der US-Wirtschaft.

Der breite Dollar-Index ist trotz der jüngsten ​Abwertungen noch immer deutlich überbewertet. Auch das hohe US-Leistungsbilanzdefizit spricht im ‌Grundsatz für eine weitere Schwäche des Dollar. ‍Doch so hitzig es derzeit an den Devisenmärkten zugeht, für die kurzfristigen Aussichten ist ein nüchterner, ​kühler Blick erforderlich. Spekulative Anleger haben den Dollar bereits in einem hohen Masse auf Termin verkauft. Historisch waren solch hohe Bestände an Terminverkäufen ein zuverlässiger Indikator ‌für eine Dollar-Stärke. Auch die rekordhohen Optionsprämien für ⁠Dollar-Absicherungen mahnen als Kontraindikator zur Vorsicht. Bei aller ‌berechtigten Skepsis gegenüber dem Dollar sollten deshalb die jüngsten Abwertungen kurzfristig nicht als Einbahnstrasse verstanden werden.»

Leon Ferdinand Bost, Bankhaus Metzler:

«Wir mahnen dennoch zur Vorsicht: Zwar könnte sich die bärische Stimmung gegenüber dem Dollar zunächst fortsetzen, bei einem ​Kurs über 1,20 sehen wir die Luft aber dünner ‍werden. Einerseits zeigt sich die US-Konjunktur weiterhin stabil. Zum anderen sehen wir die Frage der Fed-Unabhängigkeit vielleicht weniger kritisch als manch andere Marktteilnehmer.»

(Reuters)