Mit den Auswirkungen der Leitzinserhöhungen der Europäischen Zentralbank ist die Wirtschaftskraft des Euroraums im dritten Quartal geschrumpft und in den letzten drei Monaten des Jahres wird sie voraussichtlich stagnieren. Der ehemalige EZB-Chef Mario Draghi sagte letzte Woche, dass die Eurozone bis Ende 2023 «fast sicher» eine Rezession erleben werde.

«Die Zahlen waren nicht grossartig, null, 0,1, -0,1 gegenüber dem Vorquartal für fünf Quartale in Folge schafft ein wenig Angst, ob dies eine weiche Landung wird», sagte Portugals Zentralbankchef am Mittwoch im Bloomberg-TV-Interview. «Diese Stagnation der Eurozone ist natürlich für alle ein Grund zur Sorge.» Dies werde indessen «dazu beitragen, die Inflation zu senken, das ist sicher.»

Die Inflation im Euroraum ist so niedrig wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr. Mit 2,9 Prozent liegt sie freilich noch immer deutlich über dem EZB-Zielwert von 2 Prozent. Notenbankvize Luis de Guindos warnte in dieser Woche, dass die Inflation in den kommenden Monaten vorübergehend ansteigen werde.

Centeno, der im EZB-Rat als Taube gilt, rechnet inzwischen mit einer langsameren Annäherung der Verbraucherpreisdynamik an den Notenbankzielwert. «Im November erwarten wir immer noch eine sehr gute Inflationsrate, aber dann wird es etwas geben, das ich als Widerstand bezeichnen würde», sagte er. «Wir kennen die Ursachen dafür: Es gibt einen kleinen Inflationsschub aus dem Energiebereich.»

Anzeichen von Zweitrundeneffekte seien dagegen nicht auszumachen. «Die Reallöhne sind seit Beginn des Inflationsprozesses in der Eurozone kumuliert um 6 Prozent gefallen», so Centeno. «Hier ist eine gewisse Erholung zu erwarten. Dies bedeutet aber nicht, dass es zu Zweitrundeneffekten kommen wird. Der Arbeitsmarkt in Europa ist sehr stark und zeigt Anzeichen von Flexibilität und Anpassung, die in der Vergangenheit nicht zu erkennen waren.»

Die EZB-Bilanz müsse reduziert werden. Gründe für eine Ausweitung der APP-Käufe seien derzeit nicht ersichtlich, so Centeno.

(Bloomberg)