Die Schweizer Währung blickt auf besonders schwache sieben Monate zurück. Zur norwegischen Krone verlor der Franken seit Jahresbeginn 7,6 Prozent, zum australischen Dollar 6,9 Prozent, zum neuseeländischen Dollar 3,8 Prozent, zum amerikanischen Dollar 2,0 Prozent und zum Euro 0,60 Prozent. Einzig zum japanischen Yen und zur schwedischen Krone resultiert ein Plus von 1,3 respektive 1,8 Prozent.
Roman Ziruk, Senior Market Analyst, des auf Devisenabsicherungstransaktionen spezialisierten Finanzdienstleisters Ebury aus London, zeigt sich wenig überrascht über die Frankenschwäche. Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran befeuerten eine breite Aufwärtskorrektur der Zinserhöhungserwartungen, und der Franken geriet durch die weiter zunehmenden Zinsdifferenzen unter Druck. Der Greenback sei derzeit ein attraktiverer sicherer Hafen als der Franken, so die Konklusion des Ebury-Experten.
Der wichtigste Treiber am Devisenmarkt sei aktuell der Erdölpreis, betont Thomas Stucki, Anlagechef der St. Galler Kantonalbank (SGKB), in einem Kommentar von Anfang Woche. Er bestimme die Erwartungen an die Inflation und damit direkt die Erwartungen an die Zinspolitik der Zentralbanken. Die Inflationslage sei dabei für die amerikanische Notenbank Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) schwieriger als für die Schweizerische Nationalbank (SNB). Dies, weil der Einfluss der Energiepreise in den USA und in der Eurozone grösser sei und die Inflationsraten sich bereits jetzt deutlich über dem jeweiligen Zielwert bewegten.
Dazu komme die Erfahrung aus dem letzten Inflationsschub. In der Schweiz sei der Preisdruck trotz hoher Benzinpreise insgesamt gering und das Inflationsziel der SNB nicht in Gefahr. Zwar steigen auch die Zinserwartungen an die Schweizer Währungshüter, aber vor allem aus dem Herdenverhalten heraus, argumentiert Stucki von der SGKB weiter. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsdifferenz zwischen dem Franken und den anderen Währungen zunehme, werde vom Markt als gross beurteilt. Die Zinsdifferenz bestimme auf Dauer den Wechselkurs nur bedingt, als kurzfristiger Signalgeber ist sie aber ein wichtiger Faktor.
Misstrauen gegen den US-Dollar nicht vom Tisch
Die Argumente, die den US-Dollar bis zum Beginn des Iran-Krieges belasteten, sind nicht verschwunden, so der Experte der SGKB. Das Vertrauen in die Politik der amerikanischen Regierung werde durch die Rundumschläge Trumps nicht grösser.
Zudem werde die Schuldensituation in Übersee auch nicht besser. Die Regierung habe die Sparbemühungen eingestellt und wolle das Geld mit vollen Händen ausgeben, so der SGKB-Anlagechef Stucki weiter. Das massiv erhöhte Militärbudget sei dabei nur der offensichtlichste Teil, der die Ausgaben weiter steigen lasse.
Die Angriffe auf die Fed durch Trump würden auch weitergehen, wenn Kevin Warsh die Zinsen nicht senken wird. Sollte er wider Erwarten den Bitten von Trump für tiefere Zinsen doch nachgeben, wäre das für die Unabhängigkeit der Fed ein grosser Schlag. Wenn es um den Krieg im Iran wieder ruhiger werde, dürften all diese Themen erneut in den Vordergrund rücken. «Dann ist es mit dem Höhenflug des US-Dollars vorbei», so das Fazit von Stucki.
Euro bleibt zum Franken gefragt
Obwohl die Inflation in der Schweiz in den vergangenen Monaten wieder gestiegen ist, fiel der Anstieg geringer aus als erwartet, schreibt der Commerzbank-Devisenexperte Michael Pfister am Donnerstag in einem Kommentar. Seine Analyse deutet auf einen möglichen Grund hin: Der Wechselkurseffekt ist geringer als oft angenommen.
Der relativ geringe Inflationsdruck sei ferner einer der Hauptgründe für die langjährige Prognose, dass die Schweizer Währungshüter die Zinsen bis Ende 2027 unverändert belassen werden. Jüngste Berichte legten sogar nahe, dass dies die interne Prognose der SNB sei, meint der Commerzbank-Experte weiter. Dennoch preise der Markt weiterhin eine frühere Zinserhöhung ein.
Da das Modell der Commerzbank einen moderaten importierten Inflationsdruck nahelege, dürfte die Zinsdifferenz zwischen dem Euroraum und der Schweiz noch einige Zeit bestehen bleiben. Der Euro sollte deshalb zum Franken mittelfristig profitieren. Für Anleger, die diese Ansicht teilen, biete der Optionsmarkt derzeit attraktive Einstiegsmöglichkeiten, da er ein Engagement in der erwarteten Wechselkursentwicklung ermögliche und gleichzeitig die mit der Zinsdifferenz bei Kassapositionen verbundenen Finanzierungskosten vermeide, so der Commerzbank-Experte.

