Anlage- und Industriemetall - Schiesst der Platinpreis bald in die Höhe?

Sie sind Schwestermetalle, doch ihre Preisentwicklung könnte unterschiedlicher kaum sein: Palladium legt deutlich zu, Platin hingegen kommt nicht vom Fleck. Eine Expertin ortet nun bei Letzterem Aufholpotenzial.
15.07.2019 15:10
Von Pascal Züger
Ein Mitarbeiter der Stillwater Mine in Nye, Montana USA, wo Platin und Palladium abgebaut werden.
Ein Mitarbeiter der Stillwater Mine in Nye, Montana USA, wo Platin und Palladium abgebaut werden.
Bild: Bloomberg

Platin und Palladium sind Industriemetalle, die hauptsächlich für Abgaskatalysatoren bei Autos verwendet werden. Trotz allgemeinem Trend hin zu Elektroautos - wo solche Katalysatoren nicht mehr benötigt werden - dürften diese beiden Metalle in den nächsten Jahren gefragt bleiben. Denn: Der traditionelle Verbrennungsmotor wird noch immer stark nachgefragt, vor allem in Schwellenländern. Zudem steigern strengere Abgasvorschriften das Interesse nach Katalysatoren zusätzlich - davon profitieren grundsätzlich Platin und Palladium.

Doch performancemässig sind sich die beiden Industriemetalle in jüngster Zeit so gar nicht ähnlich: Platin zeigt in den letzten 12 Monaten seitwärts, während Palladium im gleichen Zeitraum regelrecht explodierte und 68 Prozent zulegte. Pro Unze Palladium zahlt man mittlerweile 1565 Dollar, während Platin gerade Mal 840 Dollar kostet.

Entwicklung des Platinpreises in den letzten 12 Monaten, Angaben in Dollar pro Unze. Quelle: cash.ch

Es gibt durchaus Gründe, weshalb Platin dem Palladium etwas hinterherhinkt: Spätestens seit dem VW-Dieselskandal 2015 gewann Benzin gegenüber Diesel an Bedeutung. Während Palladium eher für Benzinmotoren verwendet wird, kommt Platin vermehrt bei Dieselautos zum Einsatz. Logisch daher, dass Ersteres gefragter war in den letzten Jahren.

China und Indien sorgen für mehr Nachfrage

Aneeka Gupta, Rohstoffexperte bei Wisdom Tree, erwartet nun aber eine Trendwende: Während sie bei Palladium aufgrund des starken Preisanstieges Spielraum für eine Korrektur sieht, geht sie umgekehrt von einer Preiserholung beim Platin aus.

Vor allem in China und Indien dürfte aufgrund strengerer Emissionsvorschriften die Platin-Nachfrage stark ansteigen – und dabei den erwarteten Rückgang der Platinnutzung in der kriselnden Automobilindustrie in Europa mehr als wett machen.

Hinzu kommt, dass Platin sehr stark von der Produktion eines einzigen Landes abhängt: Gemäss Gupta ist Südafrika für fast 80 Prozent der globalen Platinproduktion verantwortlich. Und derzeit würden sich die Platinhersteller dort auf die Lohnverhandlungen mit den Gewerkschaften vorbereiten – diese finden alle drei Jahre statt. Gewerkschaften würden zu Beginn der Verhandlungen hohe Forderungen stellen. "Dies erhöht das Risiko für einen Streik, der das Angebot am globalen Platinmarkt reduzieren könnte", so Gupta.

Johnson Matthey – der weltweit grösste Raffineur von Platin und Palladium – geht in diesem Jahr im Platinmarkt von einem Angebotsdefizit von 127'000 Unzen auf, nachdem es in den letzten beiden Jahren einen Überschuss gab. Das wirkt prinzipiell preistreibend.

Wechsel von Palladium zu Platin?

Viele Experten erwarten zwar auch beim Palladium in den nächsten Jahren einen Nachfrageüberschuss. Doch könnte den Katalysator-Produzenten der hohe Palladiumpreis irgendwann zu viel des Guten werden: Ein Umschwingen von Palladium auf das derzeit günstigere Schwestermetall Platin wäre durchaus möglich.

Das geschah in umgekehrter Richtung bereits einmal vor etwas mehr als zehn Jahren: Im Sommer 2007 schoss Platin zwischenzeitlich auf über 2000 Dollar pro Unze auf Rekordhöhen, während Palladium auf 180 Dollar fiel. Autohersteller setzten in der Folge vermehrt auf das deutlich günstigere Palladium für die Herstellung ihrer Katalysatoren.

Wer an das Potenzial von Platin glaubt und eine Position aufbauen möchte, tut dies am günstigsten und einfachsten in Form eines Platinum-ETF. Der Anleger hat hier üblicherweise auch Anrecht darauf, sich das Metall bei Bedarf in physischer Form auszahlen zu lassen. Hier eine Auswahl an in der Schweiz erhältlichen Produkten:

Produkt Währung Performance, 1 Jahr Total Expense Ratio Ausgabe-/
Rücknahmegebühr
UBS ETF Platinum Dollar -2,7% 0,35% 5% / 3%
ZKB Platinum ETF Franken -1,3% 0,5% 3% / 1%
GAM Precious Metals -
Physical Platinum CHF
Franken -5,6% 0,55% 5% / 3%

Quelle: cash.ch