In der neuen Börsenwoche werden die Anleger am Schweizer Aktienmarkt das Ringen um Frieden im Nahen Osten fest im Blick behalten. Zuletzt machte die Aussicht auf eine verlängerte Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran den Börsianern wieder etwas Mut.
So ging die Schweizer Börse am Freitag mit Gewinnen aus dem Handel. Nach dem Rücksetzer vom Donnerstag hat der Swiss Market Index (SMI) damit an zwölf der vergangenen 13 Handelstage zugelegt. Der Leitindex schloss am letzten Handelstag der Woche 0,28 Prozent höher bei 13'542,66 Punkten. Zum Hoch vom Februar fehlen damit noch gut 3,5 Prozent. Im Wochenvergleich legte der SMI 0,3 Prozent zu. Am Berichtstag beendeten von den 20 SMI-Aktien deren 14 den Handelstag im Plus.
Der SMIM der mittelgrossen Werte legte 1,22 Prozent auf 3026,37 Punkte zu und der breite SPI 0,39 Prozent auf 19'157,82 Punkte.
In New York stieg der Leitindex Dow Jones Industrial letztlich um 0,72 Prozent auf 51'032,46 Punkte. Für den marktbreiten S&P 500 ging es um 0,22 Prozent auf 7580,06 Zähler hoch. Der technologielastige Nasdaq 100 legte um 0,36 Prozent auf 30'333,18 Punkte zu.
Der Dow Jones und der Nasdaq 100 verbuchten Wochengewinne von 0,9 beziehungsweise 2,9 Prozent.
Gewinne im Mai
Für den Mai, der traditionell als eher schlechter Börsenmonat gilt, verzeichnet der SMI ein Plus von knapp 3 Prozent. Der Nasdaq-100 bringt es sogar auf gut 10 Prozent in den vergangenen vier Wochen. «Während der Iran-Konflikt die Weltwirtschaft zunehmend belastet und Inflation sowie Zinsen wieder anziehen, sorgen insbesondere Technologieunternehmen für eine erstaunliche Dynamik an den Börsen», sagen die Analysten der Weberbank. Die Nachfrage nach Rechenleistungen für Künstliche Intelligenz (KI) sei enorm. «Anders als in früheren Technologiephasen werden die steigenden Aktienkurse von stark wachsenden Unternehmensgewinnen getragen.» Das gelte insbesondere für die US-Konzerne.
Konjunkturrisiken steigen - Zinserhöhungen voraus?
Wichtige Konjunkturdaten könnten die Kurse in der neuen Woche ebenfalls bewegen. Die Spannungen im Iran hinterlassen zunehmend Spuren in der Wirtschaft, vor allem wegen der steigenden Inflation in den USA und in Europa. Die Schifffahrt durch die wichtige Wasserstrasse von Hormus bleibt weitgehend lahmgelegt und die Ölpreise verharren mit zuletzt 94 Dollar je Fass Brent auf hohem Niveau.
«Es ist klar geworden, dass der Weg hin zu einer Verständigung zwischen den USA und dem Iran holpriger wird, als wir kurz nach Beginn des Kriegs angenommen hatten», sagen die Ökonomen der Commerzbank. «Wir erwarten nun im Rahmen eines Übergangsszenarios von zwei Monaten ein Wechselbad aus guten und schlechten Nachrichten.»
Am Dienstag stehen die Konsumentenpreise der Euro-Zone im Fokus. Die Inflationsdaten könnten für die Europäische Zentralbank zur Nagelprobe werden, sagt Alexander Raviol, Chief Investment Officer von Lupus alpha Asset Management. «Entscheidend ist, ob die Teuerung auf die Energiepreise begrenzt bleibt oder sich in der Breite festsetzt.» Bei einem erneuten Anstieg der Inflation dürften die Märkte weitere Zinserhöhungen einpreisen. «Das wäre ein klarer Belastungsfaktor für den Dax», sagt Raviol. Marktteilnehmer rechnen mehrheitlich mit einer Straffung bereits im Juni.
Bei der US-Notenbank gehen die meisten Beobachter von einer eher abwartenden Haltung aus. Klarheit über den künftigen Zinspfad dürften die am Freitag erwarteten US-Arbeitsmarktdaten für Mai liefern. Im April waren trotz der Unsicherheit durch den Iran-Krieg fast doppelt so viele neue Jobs entstanden wie erwartet. Die Federal Reserve, die Vollbeschäftigung fördern und Preisstabilität sichern soll, hat den Leitzins zuletzt in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent konstant gehalten. Bei der Sitzung Ende April sprach sich eine wachsende Zahl von Notenbankern dafür aus, die Basis für eine mögliche Zinserhöhung zu schaffen.
Nur wenig Unternehmensberichte
In der kommenden Woche sind nur wenige Nachrichten aus börsenkotierten Schweizer Unternehmen absehbar. Am Montag wird Landis+Gyr den Kapitalmarkttag durchführen, bevor Barry Callebaut am Dienstag ein Strategie-Update gibt. Am Donnerstag wird Burckhardt Compression das Ergebnis des Geschäftsjahres 2025/26 veröffentlichen.
Im Dax könnte es derweils zu einem Stühlerücken kommen: Die Index-Tochter der Deutschen Börse, Stoxx, entscheidet am Mittwoch über die künftige Zusammensetzung der Dax-Indizes. Deutschlands grösster Baukonzern Hochtief hat nach Ansicht der Analysten der Deutschen Bank gute Aussichten auf einen Dax-Aufstieg. Auch die Lufthansa hat eine Chance auf eine Rückkehr in den Dax, nachdem die Airline den Wiederaufstieg in den vergangenen Jahren mehrfach knapp verpasst hatte. Als Wackelkandidaten für einen Abstieg aus dem Dax gelten der Online-Modehändler Zalando und die Porsche Holding. Erwartet wird die Entscheidung nach Börsenschluss, wirksam werden die Änderungen zum 22. Juni.
(cash/Reuters)

